Studienrat Klaus Leopold

Der Deutsche Orden in Altenburg

Komtur des Deutschordenshauses, l. Stempel

Im Jahre 603 wurde, auf Veranlassung von Papst Gregor I., eine große Herberge mit Hospital in Jerusalem, für erkrankte Pilger errichtet. Diese karitative Einrichtung, deren Pflegepersonal aus Mönchen bestand, bildete die Organisation der „Hospitaliter“. In den folgenden Jahrhunderten vollzog sich deren Umwandlung zu einem selbständigen Orden, der offiziell im Jahre 1071 gegründet wurde. Er gab sich den Namen „Fratres hospitales Sancti Johanni“, kurz Johanniter. Nun kam es zu erheblichen Erweiterungen im Aufgabenbereich des Ordens, bedingt durch seine militärische Funktion, zum Schutz des Königreichs Jerusalem. Er wurde zum „Ritterlichen Orden St. Johanni vom Hospital zu Jerusalem“.

Der Deutsche Orden

Die Entstehung des Deutschen Ordens in Jerusalem ist urkundlich nicht belegt. (Erst Ausgrabungen in neuerer Zeit haben den Nachweis erbracht, dass ein in Legenden genanntes „Marien Hospital“ in Jerusalem bestanden hat). Also wählte man nach der Eroberung von Akkon im Jahre 1191 für das vom König von Jerusalem zugeteilte Haus den Namen „Orden des Hospitals zu St. Marien der Deutschen zu Jerusalem“. Erst 1198 wurde der Orden vom Papst Innozenz III. als geistlicher Ritterorden bestätigt, und dieses Jahr gilt deshalb als offizielles Gründungsjahr des Deutschen Ordens.

Das Ordensgewand der Ritter war der weiße Mantel mit einfachem schwarzem Kreuz. An der Spitze des Ordens stand ein Hochmeister, der auf Lebenszeit gewählt wurde.

Neben seiner Organisation in Palästina hatte der Deutsche Orden bald zahlreiche Häuser im Reich und im gesamten christlichen Mittelmeerraum. Deren Aufgabe bestand u.a. darin, Ordensnachwuchs für Palästina und später vor allem für Preußen und Livland zu liefern. Ansehnliche Schenkungen führten im Reich zur Bildung von Kommenden (Ordenshäusern), die vom Hochmeister allein nicht mehr kontrolliert werden konnten. Sie wurden deshalb zu Provinzialbezirken zusammengefasst und erhielten die Bezeichnung Ballei. Der Leiter einer solchen Ballei führte den Titel Landkomtur. Aber auch diese Zwischenstationen reichten noch nicht aus, und so wurden die einzelnen Balleien schließlich durch eine vollverantwortliche Person zusammengefasst, die ab 1235 den Titel „Deutschmeister“ trug.

Der Altenburger Ordenshof

Sowohl das Gründungsjahr als auch den Standort des Altenburger Komturhofes konnten die Heimatforscher bis in das 19. Jahrhundert nicht urkundlich belegen. In einer seiner Kollektaneen hatte der Chronist Tauchwitz zwar das Jahr 1213 als Gründungszeitpunkt genannt und den Platz des Ordenshauses auf den außerhalb der Stadt gelegenen Kreuzungsbereich der heutigen Zeitzer Straße und dem Deutschen Bach bestimmt sowie als Gründer den Markgrafen von Meißen benannt. Auch der Chronist v. Beust übernahm diese Version in seine Jahrbücher, während vor ihm Meyner und später Huth und Wagner sowohl Zweifel am Gründer als auch am genannten Standort äußerten. Tatsächlich ist eine Gründung durch die Markgrafen von Meißen kaum möglich gewesen, da 1213 das Pleißenland Reichsbesitz war und dem Kaiser unmittelbar unterstand. Vermutlich haben spätere Schriften, nachdem Altenburg an das Haus Wettin gefallen war, die Feder des Chronisten geführt. Weil auch das von Tauchwitz genannte Gründungsjahr 1213 nicht urkundlich belegt werden konnte, war man der Auffassung, dass der Altenburger Hof zwischen 1210 und 1213 entstanden sei, da in dieser Zeit, unter dem Hochmeister Hermann von Salza, sich der Orden in Deutschland ausbreitete.

Am 20. November 1844 stellte der Geheime Regierungs- u. Kammerrat v. d. Gabelenz zwei Urkunden vor, die endgültige Klarheit brachten. Er hatte sowohl das Original der Stiftungsurkunde im Staatsarchiv Dresden ausfindig gemacht als auch im Amtsarchiv Altenburg eine Abschrift der vom Kaiser verordneten Privilegien für das Ordenshaus gefunden. Die Stiftungsurkunde ist mit dem Siegel Kaiser Friedrichs II. versehen und enthält das Datum Juni 1213.

Wenden wir uns zunächst der Urkundenabschrift von 1216 zu, die dem Ordenshaus nachfolgende Privilegien gewährt: „... Fridrich von gotlicher Gnade Römischer konik, zu allen getzeiten mehrer des reichs unnd konik czu Sicillen .. verleiht den Brüdern .. (in) unser stat bey aldenburgk“ folgende Privilegien: Das Haus zu Altenburg (Komturhof) mit Inventar, allen künftigen Schenkungen und Käufen zum ewigen Besitz. Außerdem erhält das Ordenshaus aus „eygen kost“ zweiundfünfzig Hufen (Land) „bey Aldenburg“ geschenkt. Weitere fünf Hufen zu Steinwitz gehören zur Ausstattung. An Dörfern mit ihren Erträgen, Feldern, Wiesen, Weiden, Bächen, Wasserläufen, Fischereien, Wäldern, Wegen und Stege, Zinsen, Renten und Gerichten werden „mokkran“ (Mockern), „Batitz“ und „trebantz" von Friedrich dem Deutschen Haus übereignet. Den Brüdern wird darüber hinaus zugestanden, „in unsern forsten bey aldenburgk in itzlicher wochen drey geladen wagen Holzis (zu) nehmen“. Der Kaiser verfügt, dass alle Besitzungen des Ordenshauses unter seinem Schutz stehen. Letztlich bestimmt er, „das kein voidt (Vogt) ader ander person.“ das Recht hat, dem Ordenshaus und dessen Gütern Steuern aufzuerlegen. Wer dagegen verstößt, ob „Hoch ader nydrik“ wird mit 100 Pfund „goldis“ bestraft. Das „bey Eger“ verfasste kaiserliche Schreiben ist an die Hoheitsträger des Reichs gerichtet, so auch an „Dietrich Marggraffe czu meissen“, den nach Tauchwitz, vorgeblichen Gründer der Altenburger Komturen.

Ausschnitt vom Reibsteinplan 1827

Was nun die Lage des Ordenshofes betrifft, enthält das kaiserliche Dokument einen beachtenswerten Passus. Es bestätigt die Schenkung des Hofes von„ulrich glerike“ an das Ordenshaus, „der da gehet von der stat mavren (Mauer) hinter der Capellen Sanct Johans bis an die gemeyne strasse“. (Teile dieses vor und hinter der sind als Garten im Reibsteinplan von 1827 noch eingezeichnet.) Auf dem eigentlichen Komturhof, der noch heute als deutscher Hof bekannt ist, stand eine Knabenschule des Ordens, an deren Stelle sich die ehemalige Berufsschule befindet. Daneben befand sich, die ebenfalls dem Orden gehörende Johanniskirche mit Begräbnisplatz. (Erst in jüngerer Zeit wurden Skelettreste gefunden.) Zwischen dem Ordenshaus und Johannistor stand die St. Lorenzkirche und daneben ein Hospital. Innerhalb des gesamten Komplexes verfügte der Orden über das Erbgericht. Außer den vom Kaiser gewährten Schenkungen, waren Bürger und Adlige bemüht, den Reichtum des Ordens zu mehren. Bereits 1214 übergab der Altenburger Bürger Heidenreich Flemming vier Hufen Land dem Komturhof. (Flemming war dem Orden beigetreten.) Heinrich, Burggraf von Altenburg, stiftete 1280 die Wiesenmühle bei Lödla „den hiesigen Rittern deutschen Ordens“. Im Jahre 1286 nahm der Komtur eine Schenkung „von Marbot aus Schmölln“ entgegen. (Es handelte sich um drei in der Stadtflur gelegene Hufen, die Marbot zum Zwecke der Schenkung gekauft hatte). Aber auch am Gewinn durch Verkäufe war der Orden interessiert. So verkaufte der erste bezeugte Komtur Heidenreich 1248 den Jahreszins von acht Mark Silber vom Dorf Zweitschen an das Marienkloster. (Eine Mark Silber entsprach dem Gewicht von 230 gr.) Vom Komtur Gottfried wurde der Fleischzehnt von Unterlödla 1301 an das Kloster Buch verkauft (Meyner, „Nachrichten von Altenburg“ und Huth, „Geschichte von Altenburg").

Einen Ausschnitt von den beträchtlichen Liegenschaften und Rechten des Hofes vermitteln Aktenstücke des Kurfürstlichen Amtes von 1551. Danach besaß das Ordenshaus zum Zeitpunkt der Erfassung 170 Acker Holz im sogenannten Deutschen Holz, weiterhin 185 Acker und 38 Ruten Feld, 24 3/4 Acker und 40 Ruten Wiese und nochmals 75 3/4 Acker, Feld sowie 12 1/2 Ruten Wiese als sogenanntes Laßgut. (Ein Acker entsprach in Sachsen-Altenburg der Fläche von 64,43 Ar (a), während die Rute als Flächenmaß 32,08 m2 betrug.) Zum Besitz gehörte außerdem der Deutsche Bach. Zinsen und Lehen bezog der Komturhof aus Paditz, Mockern, Serbitz und Trebanz. Auch hat „...der Gomtorhoff etzliche Ritterlehen czu leyen gehabt“. (Von einem solchen Lehen bezog z.B. die Familie Stange aus Lödla Zinsen in Fockendorf, Lossen und Gödissa.) Vom hiesigen Amt erhielt der Hof zusätzlich 200 Fuder Holz aus den fürstlichen Waldungen.

Wenden wir uns nun geschichtlichen Abläufen zu, die nicht ohne Einfluss auf den Orden blieben.

Niedergang des Ordens

Bereits gegen Ende des 14. Jahrhunderts war es zu einem sozialgeschichtlichen Wandel gekommen. Verbunden mit dem Niedergang des Rittertums ließ nicht nur der Zulauf zum Orden nach, auch die Stiftungsbereitschaft ging merklich zurück. Hinzu kam, dass mit dem Verfall des Kaisertums Landesfürsten die Balleien als ihren Hausbesitz betrachteten. Das schwächte vor allem die bis dahin zentrale Macht des Ordens. Die Neuzeit, mit Reformation und Bauernkrieg, erschütterte den Orden in seiner Gesamtheit nachhaltig. Von diesem geschichtlichen Prozess blieb auch das Altenburger Ordenshaus nicht verschont, denn Sachsen wurde zu einem Zentrum des Protestantismus. Während die neue Lehre mit all' ihren Konsequenzen von den Bürgern aufgenommen und gefördert wurde, blieb der Orden katholisch. In dieser Situation wandte sich der Kurfürst von Sachsen 1529 schriftlich an den Hoch- und Deutschmeister von Preußen, mit der Aufforderung um einen Vergleich. Im Schreiben heißt es, dass die Komturei Altenburg „in den nächsten sechs Jahren dreißig alte Schock jährlich an den allgemeinen Kasten abgeben solle“. Dafür brauche der Hof weder das Spital zu unterhalten, noch für Messe und Schule verantwortlich zu sein. Der vom Hochmeister Walter von Cronberg akzeptierte Wortlaut enthält die Klausel, dass „nach ausgang der sechs Jar diese unsere beiderseitige Verpflichtung aufhören (soll)“, wenn in diesem Zeitraum „die Zwiespaltung nicht zu christlicher einigung geführt“ hat. (Gemeint ist eine Lösung auf Reichsebene). Nach Ablauf der Frist weigerte sich der Komtur Anton von Harstall protestantische Geistliche und Schullehrer zu besolden und versuchte darüber hinaus, die Lasten des Ordenshauses auf Amt und Stadtrat abzuwälzen. In der Folgezeit ließ er nicht nur die Gebäude des Ordens verfallen, auch Schule und Hospital blieben geschlossen. Den zum Hof gehörenden Wald ließ er schrittweise „abwüsten“. Diese Umstände veranlassten den Kurfürsten, am 1. November 1539 dem Amtmann zu Altenburg, Christoph von Taubenheim, den Befehl zur Aufhebung des Komturhofes zu erteilen. Der vom Amtmann eingesetzte Aufseher über den Hof, Johann Hauptmann, begann unverzüglich mit dem Vollzug des Befehls. So erhielt der Stadtrat die Gebäude des Ordens zur Einrichtung eines Hospitals, und die Knabenschule wurde in eine Schule für Mädchen umgewandelt. Die Grundstücke der Komturei erwarben Altenburger Bürger und Vorstadtbewohner. Im Jahre 1547 sah Kaiser Karl V. die Zeit gekommen, der Reformation mit Gewalt ein Ende zu setzen. Nach seinem militärischen Sieg über den Schmalkaldischen (protestantischen) Bund verhängte er über Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen die Reichsacht und ließ ihn einkerkern. Am 21. Juni 1547 diktierte Karl V. die Folgen seines Sieges. Danach mussten u.a. die säkularisierten Güter dem Orden zurückgegeben werden. Mit dem Vollzug der Wiederherstellung katholischer Verhältnisse beauftragte er den Herzog Moritz von Sachsen, der alsbald mit militärischer Macht in Altenburg einrückte. Nun beeilte sich auch der Orden, wieder in den Besitz der enteigneten Güter zu kommen. Vor allem der Hoch-und Deutschmeister in Preußen, Wolfgang Schutzbar, bedrängte den gefangenen Kurfürsten mit Schadensforderungen in Höhe von 300.000 Gulden. Der Kurfürst verwies in Schreiben an den Kaiser darauf, dass nur zurückgegeben werden könne, was noch vorhanden sei. Außerdem könne er aus der Haft heraus nicht handeln, und seine Söhne seien schwerlich für ihn verantwortlich zu machen. Der vom Jahre 1548 vorliegende Schriftwechsel lässt vermuten, dass der Orden seine Ansprüche nicht durchsetzte.

Kommen wir wieder auf den Altenburger Ordenshof zurück. Bereits am 25. Juni 1547, also vier Tage nach dem kaiserlichen Diktat, hatte der Thüringer Landkomtur, Hans von Germar, den Rat von Altenburg aufgefordert, das Deutsche Haus samt allem Zubehör seinen Gesandten zu übergeben und alle darin wohnenden Personen „widerumb herrauß verschaffen“. Nun hatte der Rat seit der Säkularisierung allerdings Tatbestände geschaffen, die eine schnelle Rückübertragung unmöglich machten. So musste sich der Landkomtur damit bescheiden, eine Rückübertragung von Grundstücken auf die Dauer von drei Jahren zu stunden. Unter Mitwirkung der fürstlichen Räte kam es am 19. November 1550 abermals zum Vergleich mit dem Landkomtur, indem die weitere Nutzung für fünf und später nochmals auf acht Jahre festgeschrieben wurde. Nochmals, am 29. September 1563, wurde ein Vertrag zwischen Altenburger Rat und dem Hochmeisteramt in Preußen verabschiedet, der die Nutzungsrechte um weitere sechs Jahre verlängerte. Die zähe Hinhaltetaktik des Altenburger Rates war sicher auch der Tatsache geschuldet, dass die der protestantischen Sache verbundene Fürstenopposition die Reichspolitik Karls V. zum Scheitern brachte. Er selbst dankte 1556 ab, und sein Nachfolger, Ferdinand I., musste dem Protestantismus unter äußerstem Druck weitere Zugeständnisse machen. Der im Jahre 1573 gewählte Landkomtur Graf von Barby unterbreitete schließlich den Vorschlag, gegen Nachzahlung eines geringen Kaufgeldes die Grundstücke des Ordens als volles Eigentum zu erwerben. Ein entsprechender Vertrag wurde am 6. August 1574 zwischen dem Landkomtur, und dem Rat sowie der Bürgerschaft abgeschlossen, den der Hoch- und Deutschmeister, Heinrich von Bobenhausen, am 20. März 1575 ratifizierte. Nachdem die Liegenschaften „unwiederruflich“ Eigentum der Nutzer geworden waren, kauften am 6. Juni 1594 die Herzöge Friedrich Wilhelm und Johann auch das Deutsche Haus.

Damit war das Ende des Ordens in Altenburg endgültig besiegelt.

Altenburger Hauskomture

Erster Komtur Heidenreich, (1286) Otto von Reichau, (1292) Johann von Artern,

(1301) Gottfried von Varila, (1321) Johann, (1487) Leuthold Zschadris, (1491) Johannes Pennhausen, (1504) Heinrich von Grawinkel, (1509) Hans von Brunhausen, (1514) Burkard Seifried, (1517) Anton von Harstall,(1522)

Hanns von Frodtstedt, (l 531) Anton von Harstall.

Hochmeister in Preußen

Burggraf Dietrich von Altenburg war von 1335 bis 1341 Hochmeister im Ordensstaat. Er wurde in der St. Annenkapelle der Marienkirche beigesetzt.

Textquellen:
Gabelentz, H.C.v.d.: Die Aufhebung des deutschen Ordenshauses und deren Folgen. Vortrag in der Gesch. - u. Altertumsforschenden Gesellschaft d. Osterlandes am 20. Nov. 1844
Huth,J.E: Geschichte der Stadt Altenburg bis 1329. Altenburg 1829.
Meyner, J.F: Nachrichten von Altenburg. Altenburg 1786.
Patze, H.: Altenburger Urkundenbuch von 976 – 1350.
Sonthofen, W.: Der Deutsche Orden. Weltbild-Verlag 1995.
Th. Staatsarchiv Altenburg: Erblich Einkommenn des deutzschen Hauses zu Alldennburgk Ao, xlvj
A.a.O.: Deutzsche Hoff. (Grundbucher 1553)

(Quelle. „Altenburger Geschichts- und Hauskalender 2000“ E. Reinhold Verlag Altenburg)