Denkwürdigkeiten von Posterstein

von Alfred Flemmig, Penig

Posterstein gehörte zu einer der ältesten Gemeinden in der Ronneburger Pflege. Das hohe Alter des Ortes mag es mit sich bringen, das das Dorf in der langen Zeit seines Bestehens manchen Schicksalsschlag erlebt hat, den man bei Gemeinden jüngeren Datums weit weniger findet. Es sind die kleinen, ortsgeschichtlichen Begebenheiten, die man nicht in den großen Geschichtsbüchern findet, sondern die man in den Kirchenbüchern oder in heute vergilbten Blättern eintrug.

So erfahren wir zunächst, dass in Posterstein, wo sich eine Gastwirtschaft befindet, früher ein Hospital gestanden haben soll. Dies war jedoch noch in den Zeiten vor der Reformation. Die zum Hospital gehörenden Grundstücke wurden später der Vikarei zugeschlagen, kamen aber nach der Reformation an das Rittergut. Von einer grausamen Bestrafung hören wir im Jahre 1600. In diesem Jahr, am 15. Februar, wurde in Posterstein eine Hofmagd, weil sie Unzucht getrieben hatte, so gestäubt, dass sie bald darauf ihr Leben lassen musste. 1604 wurde in Posterstein ein gewisser Jacob Theuerstein enthauptet, weil er in der Trunkenheit einen Menschen erstochen hatte. Dazu sei gesagt, dass die Hinrichtungsstrafe im Mittelalter und der angebrochenen neuen Zeit nicht zu den entehrenden Todesstrafen gerechnet wurde. Eine Magd aus Heuckewalde wurde 1605 in Posterstein gesäckt, weil sie ihr uneheliches Kind umgebracht und unter einem Heuschober versteckt hatte. Die Strafe des Säckens, die so genannte poene culei, die von den Römern übernommen worden ist, war damals noch stark in Deutschland verbreitet. Der Delinquent wurde zusammen mit eine Katze, einer Schlange und einem Hahn in einem mit wenig Löchern versehenen Sack gesteckt, der dann in das Wasser geworfen wurde. Es lässt sich denken, dass der Todeskampf des Verurteilten inmitten der sich verbeißenden Tiere unsäglich hart war.

Im Pestjahr 1633 hielt dieser unheimlich schwarze Würger auch seinen Einzug in Posterstein und nahm 39 Personen mit sich. Die Leichname, die nicht nach Nöbdenitz zur Beerdigung gebracht werden durften, mussten in Posterstein in die Gärten am Bachrand vergraben werden. In der herrschaftlichen Schäferei hatte der schwarze Tod vollständig ausgeräumt. Die Toten wurden neben der Schäferei beerdigt. Vier Jahre später hielt die Pest nochmals Einzug in Posterstein. In den Häusern, in die der Gifthauch des schwarzen Würgers eindrang, blieb niemand am Leben.

Im Jahre 1641 wurde aus der Rothemühle der Müllermeister Valentin Schellenberg auf einem Feldweg zwischen Mennsdorf und Posterstein erwürgt und erschlagen aufgefunden.

1674 stürzte sein, der Müller Andreas Schellenberg auf dem Rittergut in eine siedende Bratpfanne und verbrühte sich dermaßen, dass er daran starb.

1728 baute man auf einem vom Rittergut verkauften Grundstück am Heuckewalder Fahrweg eine Windmühle. Durch einen sich plötzlich erhebenden Sturmwind fiel aber diese Mühle wieder ein und zwei Arbeiter verloren dadurch ihr Leben.

Eine Feuersbrunst kam am 4. Januar 1749 auf dem Schlosse Posterstein auf, wobei sämtliche Wirtschaftsgebäude niederbrannten und sehr vieles Getreide von den Flammen vernichtet wurde. Auch viele Kühe kamen in den Flammen um.

Und im Jahre 1764 brach eine neuerliche Feuersbrunst aus, bei der 6 Bauerngüter, 3 Häuslerwohnungen und die Schule abbrannten. Ein lange Jahre hindurchgehender Streit zwischen dem Rittergutsbesitzer von Werter und seinem grundbesitzenden Untertanen wurde im Jahre 1722 geschlichtet. Die bis dahin beim Rittergut gewesene Schaftristgerechtigkeit, nach der bis zu 1000 Schafe gehalten werden konnten, wurde ausgekauft und abgelöst. Wegen der Schaftristgerechtigkeit hatten sich manche unruhige Auftritte abgespielt, ein Postersteiner Schafknecht war auf einem Felde erschlagen worden. Erst der vertrag räumte mit den Unstimmigkeiten auf.

Damit möge die kurze Auswahl der ortsgeschichtlichen Begebenheiten von Posterstein beendet sein. Sie hat uns einen Einblick gegeben in die Nöte der Einwohner von ehedem.

(Quelle: „Sachsen Altenburgischer Geschichts- und Hauskalender 1941“)