Das Geschlecht der Kauffungen und die Vorgeschichte des Prinzenraubs

Von der Gründung der Orte im 12. Jahrhundert bis zum heutigen Tag ist die Geschichte der Dörfer Wolkenburg und Kauffungen eng miteinander verbunden. Der Sage nach sollen Wolkenburg und Kauffungen sowie die umliegenden Dörfer im 12. Jahrhundert durch Wiprecht von Groitzsch gegründet worden sein. Während die Wolkenburger vermutlich aus dem Rheinischen Siebengebirge stammen, kann eigentlich als sicher gelten, dass das Geschlecht der Kauffunger aus Hessen, aus der Nähe von Kassel, nach Sachsen gekommen ist.

Schon im Jahre 800 wird dort ein „castrum“ Kauffungen erwähnt. Überreste einer alten Kaiserpfalz sind noch heute erhalten. Im 12.-14. Jahrhundert werden Kauffunger dort als Besitzer erwähnt:

Der Ausbruch des Bruderkrieges

Friedrich der Streitbare starb am 4. Januar 1428 und hinterließ 6 Kinder. Nach der „Goldene Bulle“, dem „Reichsgrundgesetz“ der Deutschen, stand das Recht der Kurwürde, d. h. einer der sieben Kurfürsten für die Königswahl zu sein, dem Ältesten der Söhne des Kurfürsten, Friedrich II., geboren am 22. August 1412, zu.

Schon zu Lebzeiten der Gattin Friedrichs des Streitbaren, Catharina, kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern Friedrich und dem 13 Jahre jüngeren Wilhelm, die aber durch den Einfluss ihrer Mutter immer wieder beigelegt werden konnten. Als diese jedoch am 28. Dezember 1442 stirbt, kommt es in der Folgezeit zu unüberbrückbaren Spannungen, die schließlich zum Bruderkrieg (1446 -1451) führen.

Insbesondere die Vitzthum - Brüder Apel, Busso und Bernhard übten einen schlechten Einfluss auf Herzog Wilhelm aus, so dass ein Krieg unvermeidbar wurde. Zwar schien es so, als ob durch den so genannten „Halleschen Machtspruch“ vom 11. Dezember 1445 ein Kriegsausbruch doch noch verhindert werden könne, doch ab 16. Oktober 1446 kommt es zum Ausbruch des fünf Jahre dauernden Krieges.

Nach dem Beistandspakt vom 29. April 1447 kämpften auf Seiten des Kurfürsten neben Kunz von Kauffungen unter anderem auch Friedrich, Veit und Dittrich von Schönburg, „Herrn zu Gluchaw“ (Glauchau). Im Verlaufe der Kämpfe wurde durch Apel von Vitzthum zu Tannroda das Leibgedinge der Elisabeth von Kauffungen eingenommen und verwüstet. Dafür erhielt Kunz, bzw. seine Gattin, am 12. April 1449 vorläufig das Gut Schweikershain als Tausch.

Ende Juli 1450 fallen Truppen des Herzogs Wilhelm und ihre böhmischen Verbündeten in die kurfürstlichen Ländereien ein. Sie erobern Gnandstein, am 2. August die Rochsburg, und zwischen dem 3. und 5. August 1450 treffen sie in Kauffungen ein, zerstören das Rittergut und die Kirche und verwüsten den ganzen Ort.

Infolge Abwesenheit des Kurfürsten stellt seine Gattin Margaretha am 8. August 1450, auf Ersuchen von Kunzens Gattin Elisabeth von Kauffungen, einen vorläufigen Verleihungsbrief für Kunz von Kauffungen auf Zinnberg und den dazugehörigen Besitz in den Dörfern Bräunsdorf, Chursdorf, Mühlau und Tauscha aus, damit, wie gesagt wurde, „sie (Elisabeth von Kauffungen und ihre Kinder) da ihre Wohnung nehmen könne“.

Schon am 6. August 1450 ziehen sich die bei Waldenburg lagernden herzoglichen Truppen vor den heranrückenden Kurfürstlichen in Richtung Gera zurück. Am 13. Oktober 1450 beginnt die Belagerung von Gera. Heinrich von Gera bittet den Kurfürsten dringend um Entsatz, um Gera gegen die Übermacht der herzoglichen Truppen, die sich weiter durch böhmische Hilfstruppen verstärkt hatten, zu halten.

Kurfürst Friedrich reagiert jedoch nur halbherzig und schickt nur Kunz von Kauffungen und Nickel Pflugk von Knauthain mit etwa 800 Mann zum Entsatz von Gera. Diese werden aber durch eine fast 20fache Übermacht in einen Hinterhalt gelockt und gefangen genommen. Wie schon in den Hussitenkriegen, nur wenige Jahre zuvor, richten die herzoglichen Truppen, insbesondere die Böhmen, nach der Einnahme von Gera am 15. Oktober 1450 ein unbeschreibliches Blutbad an, es sollen mehr als 3000 Menschen ohne Ansehen der Person, Männer, Frauen und Kinder, erschlagen worden sein.

Das weitere Schicksal der Kauffungen

Schloss und Herrschaft Wolkenburg sollen nach dem Prinzenraub dem Kurfürsten zugefallen sein. Er gab es zunächst an den Oberhofmarschall Hildebrand von Einsiedel zur Verwaltung. Nur wenige Jahre später finden wir als Besitzer die Herren von Ende auf Wolkenburg. Als ersten Besitzer finden wir Ulrich von Ende, der 1480 als Herr auf Wolkenburg stirbt.

Kunz hatte nur einen Bruder, Heinz, dieser stirbt ohne Nachkommen vor dem Jahre 1468.

Kunz war mit Elisabeth, geborene von Einsiedel, verheiratet. Über den Verbleib der Gattin nach der Hinrichtung des Kunz gibt es noch mehrfach Hinweise. Sie blieb zunächst in Sachsen, denn in einer Urkunde vom 3. Mai 1460 gibt Kurfürst Friedrich II. seine Zustimmung, dass Hildebrand von Einsiedel seiner Schwester Ilse von Kauffungen das Schloss Kohren verpfändet. Ein weiterer Beweis für den Verbleib in Sachsen ist eine Urkunde vom 24 April 1484, in der es heißt: „Über der alten Frauen Elsen von Kauffungen, Haus zu Penick, etwan jungen Cuntzen von Kauffungen Weib, der die Fürsten hinwegführte, Ernst und Albrecht...“

Im Jahre 1490 wohnt sie bei ihrem Sohn Hildebrand von Kauffungen auf dessen Schloss Landfried in Schlesien, wie eine Urkunde vom 4. Dezember 1490 beweist. In dieser Urkunde macht sie ihr Testament in Gegenwart des Herzogs zu Münsterherg und des Domherren zu Breslau Apitius Colo und setzt als Alleinerben ihren Sohn Hildebrand ein. Dies ist die letzte Nachricht über die Gattin des Kunz von Kauffungen.

Kunz von Kauffungen und seine Frau hatten nur den Sohn Hildebrand und die Tochter Katharina. Katharina wird u. a. erwähnt in einer Urkunde vom 24. April 1484. wo sie in Rüdigsdorf wohnhaft ist. Sie war verheiratet mit einem Titze (Dietrich) von Rüdigsdorf. Katharina von Kauffungen starb vor 1501.

Hildebrand von Kauffungen wuchs zunächst, wie seine Schwester Katharina auch, in Böhmen unter der Obhut von Georg Podiebrad (seit 1458 König von Böhmen) auf. Später finden wir ihn auf Schloss Landfried in Schlesien. Er wird zum Stifter der späteren Linie der schlesischen Kauffungen. Noch im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts wird ein Rittmeister von Kauffungen auf Krackowe erwähnt, danach ist nichts mehr über die schlesischen Kauffungen bekannt.

Die Kauffungen heute

Noch heute, nach mehr als einem halben Jahrtausend, gibt es Nachkommen der Familie von Kauffungen. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass es schon im 15/16. Jahrhundert eine bürgerliche Linie der Kauffungen gab, die ihren Ursprung zweifellos auf die Ahnen der hessischen Kauffungen zurückführen können, aber vermutlich keine direkter Nachkommen des Kunz von Kauffungen sind. Es sei denn, es wäre eine direkte Verbindung zu den Enkeln des Kunz von Kauffungen in Schlesien nachweisbar.

Es hat auch nicht an Versuchen gefehlt, den alten Adelsnamen der Kauffungen zu erhalten.

So wurde dem Enkel eines Heinrich Otto von Kauffungen mütterlicherseits (Mutter Kathinka), August Karl Wilhelm Oskar von Brunn den Name Kauffungen verliehen. Er nannte sich von Brunn, genannt von Kauffungen.

Auch sein Sohn Gustav Robert Adalbert Wilhelm Kunz von Brunn sowie sein Enkel Oskar Karl Ludwig Wilhelm Christoph Kunz (geb. 1904) nannten sich von Brunn, gen. von Kauffungen.

(Quelle: Rolf Kirchner in: „Altenburger Geschichts- und Hauskalender 1996“, E. Reinhold Verlag Altenburg [gekürzt])