Sonderlager „S III“ in Thüringen

Als die alliierten Pläne bekannt wurden, Deutschland nach dem Krieg zu zerstückeln, machte sich die Reichsführung Gedanken, das Führerhauptquartier in den Mittelpunkt eines erhofften Rest- Deutschlands, nach Thüringen, zu verlegen. In einem Schreiben vom 24. August 1944 heißt es: “Neue FHQu- Unterkunft im Raume Mitteldeutschland, Thüringen und Harz. Es ist ein Führerentscheid herbeizuführen, ob in diesem Raum eine neue Führerunterkunft zu errichten ist.“

Bereits 1938 wurde im Zusammenhang mit der Sudetenkrise unter dem Decknamen „Olga“ eine streng geheime Nachrichtenzentrale auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Ohrdruf errichtet, die mit den modernsten Geräten ausgerüstet war. 1944 ließ Hitler in der Nähe des Truppenübungsplatzes zwischen Ohrdruf und Arnstadt ein unterirdisches Hauptquartier mit einem Aufwand von Hunderten unentbehrlichen Bergspezialisten und Tausenden von Arbeitern in den Berg sprengen.

Quellenmäßig ist diese Anlage schwer nachweisbar, jedoch finden sich Hinweise in der Literatur, die auf die Bedeutung dieser Anlage schließen lassen und spärliche Hinweise in Militärarchiven.

Ein Vorauskommando von Häftlingen des Konzentrationslagers Buchenwald begann mit der Errichtung eines Außenlagers für die Häftlinge, die für die Arbeiten im Jonastal, zwischen Crawinkel und Arnstadt, eingesetzt werden sollten.

Die Baustelle im Jonastal war in vier Abschnitte gegliedert und umfangreich gesichert. Das gesamte Tal war von der SS gesperrt worden. Im Laufe der folgenden Wochen wurden zwei Lager für die Häftlinge, die in Zelten und Erdlöchern hausen mussten, eingerichtet. Unter der Leitung größerer ziviler Baufirmen mit etwa 900 Zivilangestellten, darunter Bauleiter, Ingenieure, Architekten und Bergbauspezialisten, begannen etwa 30.000 bis 50.000 Häftlinge, Stollen in den Kalksteinhang des Bienberges zu treiben. Es wurde in drei Schichten an 25 Stolleneingängen gearbeitet.

Erst 1991 ist dieses geplante Führerhauptquartier durch die Suche nach dem verschollenen Bernsteinzimmer in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gelangt. Während bisher keine Originalplanungsunterlagen aufgefunden wurden, tauchte ein Bericht eines örtlichen Vermessungsbüros vom November 1945 auf, das wohl im Auftrag der Roten Armee eine Bestandsaufnahme erstellt hat. Dieses Dokument gibt detaillierte Auskunft über die Anlage selbst.

Der Stollenausbau der vier Gruppen ist unterschiedlich. Während zwei Komplexe vermutlich schon bezugsfertig waren, sind zwei andere Anlagen noch im Rohbau. An manchen Stellen sind noch Vortriebe zu sehen, was auf ein plötzliches Ende der Arbeiten hindeutet.

Im April 1945 wurden die Arbeiten wegen des Heranrückens der Amerikaner plötzlich abgebrochen. Eine Einheit der 6. SS- Gebirgsdivision verteidigte in Igelstellung das Jonastal noch sieben Tage. Die Zivilangestellten flüchteten und die überlebenden Häftlinge wurden auf einen entsetzlichen Todesmarsch auf Umwegen nach Buchenwald zurückgeführt.

Das Ende der Anlage „S III“ ist ungeklärt. Nach Augenzeugenberichten soll die SS noch Einlagerungen und anschließend Sprengungen vorgenommen haben. Nach dem die Rote Armee 1945 Thüringen besetzt hatte, sprengte sie 1947 die Eingänge der Stollen in einer Tiefe von etwa 20 m.

(Quelle: Vereinszeitschrift der Geschichts- und Technologiegesellschaft Großraum Jonastal e.V., 99310 Arnstadt, Rehestädter Weg 4; Heft Nr. 8, Ausgabe 2008)