Es ist nicht leicht, unter einem solchen Kanzler Kaiser zu sein.“ (Kaiser Wilhelm I.)

Vor über 100 Jahren, am 30. Juli 1898, starb Otto Fürst von Bismarck-Schönhausen im Alter von 83 Jahren in Friedrichsruh bei Hamburg. Sein Name ist untrennbar mit der deutschen Nationalstaatsbildung und dem Aufbau des Sozialversicherungssystems verbunden. Durch kluge strategische Allianzen erhielt er für viele Jahre den Frieden in Europa. Aber Bismarck war auch für die Sozialistengesetze und die sprichwörtlich gewordene Blut-und-Eisen-Politik verantwortlich. Um eine schärfere Trennung von Staat und Kirche zu erreichen, führte er einen langwierigen „Kulturkampf gegen die katholische Kirche. Nicht zuletzt deshalb nahmen viele die - von Kaiser Wilhelm II. erzwungene - Abdankung im Jahre 1890 nach fast 3 Jahrzehnten Regentschaft als preußischer Ministerpräsident, Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes und eben als „Eiserner Kanzler“ mit Erleichterung auf.

Trotzdem wurde Bismarck bereits zu Lebzeiten von großen Teilen des Bürgertums mit Huldigungen aller Art überhäuft. So wurden ihm allein an seinem 80. Geburtstag 378 Ehrenbürgerschaften verliehen.

Mit seinem Tod steigerte sich die Verehrung in einen beinahe religiösen Kult. In ganz Deutschland entstanden Bismarck-Denkmäler, -Brunnen und -Steine, ganze Ortschaften (Bismarckhütte in Oberschlesien), und lnselgruppen (Bismarck-Archipel) trugen den Namen des ehemaligen Reichskanzlers. Selbst für Nahrungsmittel wie den heute noch bekannten Bismarck-Hering stand der große deutsche Politiker Pate.

Schließlich rief die Deutsche Studentenschaft dazu auf, dem „Unvergesslichen ein bleibendes, würdiges und volkstümliches Wahrzeichen vaterländischen Dankes“ und „unserem Bismarck zu Ehren auf allen

Höhen unserer Heimat, von wo der Blick über die herrlichsten deutschen Lande schweift, gewaltige granitene Feuerträger zu errichten“. Aus einem Wettbewerb um die ‚Bismarcksäulen‘ ging der Entwurf „Götterdämmerung“ von Wilhelm Kreis als Sieger hervor.

In der Folgezeit wurden im damaligen Deutschen Reich von den über 400 geplanten Bismarcktürmen insgesamt 238 erbaut bzw. in Bismarcktürme umbenannt (16 Türme entstanden bereits zu Bismarcks Lebzeiten, unterschieden sich jedoch deutlich von den späteren Feuersäulen). Dazu kamen einige wenige Türme in Österreich-Ungarn, den ehemaligen Kolonien und in Chile. Nur 47 Türme wurden nach dem Standardentwurf von Wilhelm Kreis gebaut, der einen quadratischen Grundriss, einen mehrstufigen Unterbau mit einfach gehaltenem Sockel sowie ein von vier Säulen getragenes kapitellartiges Gesims und einem Überbau für die Feuerschale vorsah.

Flammen über ganz Deutschland zu Ehren Bismarcks“ waren von der Deutschen Studentenschaft an bestimmten Tagen vorgesehen. Allerdings konnte man sich nicht auf einen gemeinsamen Termin zur Befeuerung der Türme einigen. So wurden die Türme teilweise zu Bismarcks Geburts- bzw. Todestag, zur Sommersonnenwende oder am Sedanstag entzündet. Als Brennmaterial diente in der Regel mit Petroleum getränktes Holz sowie Zusätze wie Teer oder Pech. Bei einigen Türmen wurde durch ein Röhrensystem Gas, Erdöl oder Benzol zur Feuerschale gepumpt. Auch Scheinwerfer dienten — trotz Protesten von Bismarck-Anhängern als Beleuchtung. In einzelnen Orten wurden die Türme bis in die 50er Jahre hinein befeuert. In Lützschena-Stahmeln bei Leipzig wird seit 1997 wieder regelmäßig zur Sommersonnenwende ein Feuer entfacht.

Thüringen hat mit 24 Bismarcktürmen, von denen noch 17 erhalten sind, nach Nordrhein-Westfalen mit 31 Türmen (24 erhalten) die größte Turm-Dichte weltweit. Von den 182 in Deutschland erbauten Exemplaren sind immerhin noch 145 erhalten. Übrigens ist das Saarland bis heute „ Bismarckturm-freie Zone“. Auch in Hamburg gab es nie einen Bismarckturm, dafür steht dort das größte Bismarckdenkmal Deutschlands.