Bismarckturm Apolda

Schon im Jahre 1899, kurz vor dem ersten Todestag Otto von Bismarcks, hat es sich der Bismarck-Verein Apolda unter der Federführung des Fleischermeisters und Hoflieferanten Hermann Wiegand zur Aufgabe gemacht „und als Ehrenpflicht übernommen, in unauslöschlicher Dankbarkeit für den ersten deutschen Reichskanzler auch hier, in der Nähe Apolda‘s, einen Bismarckthurm zu errichten.“ Das Baugelände „dicht an der alten Heeresstrasse nach Leipzig, zwischen Apolda und Niederrossla“ (der heutigen Bundes- straße B 87) wurde bereits im Jahre 1889 durch die Erben des Strickereifabrikanten Christian Zimmermann zur Verfügung gestellt.

Den Zuschlag für Entwurf und Projektierung erhielt - nach einigen Querelen - der Weimarer Architekt und Landesbaumeister Adolf Günther, mit der Bauausführung wurden die Maurermeister Adolf und Karl Hornbogen aus Apolda beauftragt.

Am 1. April 1902, Bismarck wäre an diesem Tag 87 Jahre alt geworden, fand die Grundsteinlegung für den Turm statt. Begleitet von Festreden, Gesängen und Marschmusik wurde als „Grundstein“ eine Glaskassette eingemauert, die neben der Bauzeichnung und einem Bild des Architekten die Apoldaer Chronik von 1871 sowie eine Rede Bismarcks aus dem Jahre 1888 enthielt.

Die finanziellen Belastungen für den Verein waren immens. Außer den Einnahmen, die z.B. durch Verkauf von Postkarten erzielt wurden, musste der gesamte Geldbetrag durch private Initiativen und Spenden erbracht werden. So ist es nicht verwunderlich, dass der eigentliche Baubeginn erst auf den Tag genau zwei Jahre nach der Grundsteinlegung erfolgte und die Gebrüder Hornbogen noch im Jahre 1906 Ihre Ansprüche geltend machen mussten.

Knapp ein halbes Jahr nach Baubeginn feierten die Bürger Apoldas am 25. September 1904 die Einweihung des Bauwerkes mit einem großen Volksfest.

Der Turm ist auf einer Terrassenanlage mit quadratischem Grundriss errichtet, die über eine Außentreppe zu erreichen ist. Über dem Eingang wurden ein Bismarckwappen und ein Bismarck-Relief angebracht. An Nord- und Südseite befinden sich ein Relief mit Reichsadler und das Wappen des damaligen Großherzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach. Über eine Innentreppe gelangte man auf die Aussichtsplattform. In der Feuerschale mit einem Durchmesser von 2,5 m konnten Feuer entzündet werden, die eine Flammenhöhe von 7 m und eine Brenndauer von 3 Stunden erreichten.

Nach dem 2. Weltkrieg, der Turm hatte zeitweise als Beobachtungsposten zur Luftsicherung gedient, wurden das Bismarckrelief und die Aufschrift an der Turmspitze entfernt. Bestiegen werden konnte das Bauwerk bis in die 50er Jahre hinein und nach zwischenzeitlicher Nutzung als Fernsehumsetzer wieder ab 1974, bevor man es 1994 aus baulichen Gründen sperren musste.

Anlässlich seines 100. Geburtstages erfuhr der Bismarckturm eine Generalüberholung, die durch die Sparkasse Mittelthüringen, die Apoldaer Firmen Integral, Elektro Kleine, das Bauunternehmen Hornbogen und die Energieversorgung Apolda sowie Metallbau Kalisch aus Mattstedt und RESA Holz aus Buttstädt unterstützt wurde. An den Wochenenden im Sommerhalbjahr ist er nun wieder allgemein zugänglich und lädt die Apoldaer und Ihre Gäste ein, den fantastischen Blick über Ihre Heimatstadt und das Weimarer Land zu genießen.

Zahlen und Fakten

Grundfläche: 6x6m

Höhe: 23,75 m

Stufen: 93

Baumaterial: Kalkstein

Kosten: 26.000 Mark

Grundsteinlegung: 01. 04. 1902

Einweihung: 25.09.1904