Weinanbau im Altenburger Land

Heute findet man im Altenburger Land Wein nur noch an sonnigen Hauswänden, aber in einer Urkunde aus dem Jahre 1066 wird von umfangreichem Weinanbau in diesem Gebiet berichtet. Nun war dieser einheimische Wein zwar nicht von hoher Qualität, aber billig.

Eine Sage des Volkes berichtet, dass man vor 1172, als Friedrich Barbarossa das Bergerkloster in Altenburg gründete und die Klosterkirche gebaut wurde, beim anrühren des Mörtels Wein beimischte. Der Mörtel bekam so eine sehr große Festigkeit weshalb die beide Türme - die Roten Spitzen - heute noch stehen und ein Wahrzeichen von Altenburg bilden. Im Baujahr der Kirche wuchs eine reiche Weinernte heran. Der Wein war so billig, dass für eine ganze Kanne nur ein Pfennig zu bezahlen war!

Ab dem 16. Jahrhundert besaßen die Altenburger Herzöge unter anderen einen Weinberg in der Straße Neue Sorge in Altenburg, nahe der alten Schlossauffahrt aber sehr ergiebig war dieser Weinberg offenbar nicht. Und der eigene Wein entsprach offenbar auch nicht den hohen Qualitätsansprüchen der Landesherren. Bei Gelagen auf dem Schloss musste der Stadtrat mit einheimischem, besonders aber mit fremdem Wein aus seiner Weinniederlassung aushelfen. Ein einziges Beispiel soll für viele gelten. Als im Jahre 1564 wieder einmal ein Landtag abgehalten werden sollte, hatte Herzog Johann aus seiner Weimarer Residenz dem Kurfürsten Friedrich mitgeteilt, „was er an Essen und Trinken auf dem Schloss Altenburg bereitzustellen hatte“. Das Essen und unendlich große Mengen und Qualitäten sollen hier ausgespart bleiben, aber gefordert wurden „130 eymer Weyn darzu in flaschen, glesern und ander gefeess, auch eyn faß Byr.“

Die Stadt Altenburg hatte in alter Zeit unter anderem ihren Weinberg im Bereich der Leipziger Straße bis zum Poschwitzer Weg. Der eigene Wein war damals die Grundlage für das Privileg des Stadtrats für den Handel mit Wein. In alten Karten ist auch ein Weinberg des Stadtrats südöstlich von Rasephas eingezeichnet. Die Rittergüter des Altenburger Landes hatten zum Teil ebenfalls eigene Weinberge. In der schon genannten Urkunde von 1066 ist festgehalten, welche der alten Güter im Pleißengau Wein anbauten, Weinbau in größerem Umfang ist nachgewiesen zum Beispiel bei Zechau, Poderschau, Windischleuba und Starkenberg. Schließlich soll stellvertretend für andere Orte noch Meuselwitz genannt werden. Der Weinberg des Rittergutes Meuselwitz lag unweit des späteren Gesellschaftshauses (Schützenloge). Dort gab es sehr gute Wachstumsbedingungen und damit reichliche Ernten. In Meuselwitz wurde auch selbst gekeltert.

(Karl Czischka, Quelle: OVZ v. 24.04.2007)