Botelstete (Buttelstedt)

 (nach „Kronfeld’s Landeskunde“)

Buttelstedt, schon 1052 in einer Urkunde Kaiser Heinrichs III. unter dem Namen „Botelstede“ erwähnt, hatte in den früheren Jahrhunderten unter den thüringischen Städten deshalb eine besonders hohe Wichtigkeit, weil hier einer der 4 größten Dingstühle bestand, d.h. eine nach echt germanischer Weise eingerichtete Gerichtsstätte.

Schon bevor Thüringen von Landgrafen regiert wurde, hielt man bei Buttelstedt zu bestimmten Zeiten im Jahre öffentlich Gericht; es existiert unter anderem noch eine bei einer Gerichtsverhandlung ausgestellten Urkunde von 1120, laut welcher Graf Wichmann, Schwiegersohn desjenigen Ludwigs, den man gewöhnlich Springer nennt, seine Güter in Sachsen und Thüringen dem Bischof Reinhard von Halberstadt übergibt, damit derselbe zu Kaltenborn bei Sangerhausen ein Kloster errichte. Noch in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts war die uralte Gerichtsstätte unter einer ehrwürdigen, mehrhundertjährigen Linde an der äußeren Umwallung erkennbar. Nachrichten in alten Akten lassen darauf schließen, dass auch die „heilige Feme“ an jener Stelle einen „Freistuhl“ (Gerichtssitz) gehabt haben muss. Die sogen. „Landgerichte“ verloren im 13. Jahrhundert ihre Bedeutung und mussten einer anderen Gerichtsform weichen.

Auffallend ist der Umstand, dass die Oberherrlichkeit über Buttelstedt dem Bischof von Naumburg zustand. 1288 wird Landgraf Albrecht von dem Bischof Bruno mit dem Schlosse Eckartsberga, mit „Botilstete“ usw. beliehen. Die Belehnung wiederholt sich 1308, in dem Bischof Ulrich von Naumburg den Landgrafen „Friedrich den Freidigen“ mit eben jenen Gütern belehnt, welche schon sein Vater als Lehen in Besitz hatte.

In die feste Burg in Buttelstedt waren zur Verteidigung Burgmannen eingesetzt und unter denselben wird Mitte des 13. Jahrhunderts besonders die Ritterfamilie „von Worm“ genannt.

1334 werden Buttelstedt durch Landgraf „Friedrich den Ernsthaften“ die Statuten bestätigt. Sie betreffen nach den im Haupt- und Staatsarchiv befindlichen Akten das Marktrecht, Krämerei und Kaufmannschaft.

1353 verschrieben die fürstlichen Brüder Friedrich der Strenge und Balthasar ihre Zinsen zu Buttelstedt an die Herren von Obringen.

Buttelstedt hatte damals bereits eine Vogtei. Das landgräfliche Thüringen war nämlich in gewisse Bezirke geteilt, über welche Vögte als Richter und Schösser gesetzt waren, und diese Vogteien waren der Anfang zu späteren Justizämtern.

1374 wird die Vogtei in Buttelstedt an Berthold Vitzthum versetzt. (Dresdener Copialbuch)

Die adligen Herren von „Bottilstede“ von denen 1379 „Apel“ urkundlich erwähnt wird, scheinen keine besondere Rolle gespielt und sich sogar von ihrem Stammorte gänzlich weggewendet zu haben; denn nach Akten des Staatsarchivs in Weimar hatte „Albrecht von Botilstede“ seinen Sitz in Golmsdorf. Buttelstedt bildete häufig ein Pfandobjekt für die Schulden der Landesherren. Der Versetzung des Ortes wurde 1374 schon gedacht; später wurde Buttelstedt an Georg von Heitingsburg (Hetschburg) verpfändet. Nachdem Buttelstedt wieder eingelöst war, versetzte „Friedrich der Friedfertige“ 1434 Schloss und Stadt mit allen Dörfern, Renten, Zinsen und Gerichten usw. für 300 Mark Silber an Leutolf, Hans und Dietrich von Gottfahrt. Schon 1432 waren dieselben mit einem Teile der Stadt beliehen worden. (Dresdener Copialbuch)

1454 verleiht Herzog Wilhelm III. von Weimar dem Orte Buttelstedt ein solches Stadt- und Bürgerrecht, wie Weißensee von seinen Vorfahren bekommen hat. 1458 wechseln die Inhaber wieder, denn Herzog Wilhelm gibt die Stadt mit dem Gerichtsbezirke an Hans von Meusebach zu Schwerstedt, der sie von den Gottfahrten für 300 Mark Silber erworben hat, zu Lehen. (Dresd. Copialb.) obwohl auch 1483 die Herren von Meusebach mit anderweiten Gütern in „Botelstete“ beliehen werden, so erscheinen doch später die Gottfahrts wieder, wenn auch nur im teilweisen Besitze der Stadt.

Noch heute zeugt ein ansehnlicher Grabstein eines Ritters von Gottfahrt in der 1486 aufgeführten Kirche davon, dass die Familie das Rittergut wohl lange in Besitz hatte. Dieser Ritter war 100 Jahre alt geworden.

Von der ehemaligen festen Burg ist heute so gut wie nichts mehr vorhanden. 1489 erneuern „Friedrich der Weise“ und „Johann der Beständige“ dem „Hans von Meusebach“ die wiederkäufliche Verschreibung über Schloss, Stadt und Amt Buttelstedt, welche Herzog Wilhelm Hans von Meusebach dem Aelteren am 29. September 1458 gegeben hat, doch so, dass derselbe ihm aus dem Amtsbezirke die Dörfer Großmölsen, Groß- und Kleinobringen und Niederreitzen abtrat, damit dieselben dem Amte Weimar einverleibt wurden. Das übrige Amt mit den Dörfern Krautheim, Schwerstedt, Weiden und Oberndorf soll derselbe unter Vorbehalt des Wiederkaufs inne haben. (Akten des Geh. Haupt- und Staatsarchivs in Weimar.)

1544 löste endlich Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige das Amt Buttelstedt von Albrecht von Meusebach wieder ein, in der Weise, dass er ihm für die auf 2750 Gld. angewachsene Schuldsumme einige Güter, Zinsen und Gerichte in den zur Pflege Schwerstedt gehörenden Dörfern Krautheim, Weiden und Schwerstedt überließ. Es blieb somit von dem ehemaligen Amte Buttelstedt nur noch die Stadt übrig. Dafür wurde der Sitz der Vogtei Brembach nach Buttelstedt verlegt.

Zu der Vogtei Buttelstedt gehörten damals die Orte Rastenberg, Olbersleben, Groß- und Kleinbrembach, Vogelsberg, Sprötau, Vippachedelhausen, Niederreitzen, Rohrbach und Nermsdorf. Der Amtsvogt hatte seinen Sitz in Buttelstedt, hier hielt er seine Amtstage ab und nahm das Geleitsgeld ein; doch stand Buttelstedt nicht unter seiner Jurisdiktion, sondern unter dem Amte Weimar. Daher die etwas befremdlich klingende Bezeichnung: „Vogtei Brembach zu Buttelstedt.“

1617 erwarb der Kanzler von Goechhausen in Weimar einen Teil des Gottfahrt’schen Besitzes in Buttelstedt, wusste die Erwerbung immer weiter auszudehnen und wurde 1633 von der Landesherrschaft wegen seiner geleisteten Dienste mit Ober- und Untergerichten, jedoch nur in Feld und Flur, begnadigt. Im Jahre 1650 erfolgte auch noch die Verleihung der Gerichtsbarkeit über die Stadt Buttelstedt, und dieselbe ist bei dem Rittergute verblieben bis zur Aufhebung der Patrimonialgerichte 1850. Neben ihm hatten auch die Gottfahrts ein Rittergut in Buttelstedt in Besitz, sodass 1633 nach Hortleders Mitteilung 2/3 den Gottfahrts zustand.

Im 30 jährigen Krieg kam die Stadt sehr herunter. 1640 waren von 152 Häusern nur noch 117 bewohnt; auf dem Gottfahrt’schen Rittergute waren von 360 Äckern nur 50 bestellt, und in ähnlichen Verhältnis stand es mit dem Grundbesitz der Bürger. Der Wochenmarkt war fast gänzlich eingegangen, weil die umliegenden Ortschaften verwüstet waren; die Bewohnerzahl war auf 445 gesunken, während dieselbe 1632 noch 635 betrug.

Bei Gelegenheit eines Berichts an die Landesregierung wird auch mit erwähnt, dass die Soldaten im Rathause alle Schränke und Kasten aufgehauen, und die brieflichen Urkunden teils zerstreut, teils in Stücke gerissen hätten. 1642 sucht Buttelstedt in Weimar nach, die Kirche verwahren zu dürfen, damit man bei herannahender Gefahr die Pferde hineinflüchten könne. 1651 betrug die Bewohnerzahl noch 360 Seelen. 1641 wurde von kaiserlichen Soldaten das nahe Oberndorf gänzlich zerstört und die Flur gehört nun als Wüstung zu Buttelstedt.

Es sei noch einer besonderen Stiftung gedacht. Der früher (1694 bis 1716) hier im Amt gewesene Pfarrer Mag. Kesselring hat von dem Vermögen seiner Frau zu Gunsten hiesiger Pfarrerwitwen eine Stiftung geschaffen, bestehend aus einem Wohnhause am Markte, als Wohnung für die Pfarrerwitwe, zwei Gärten und mehrere Äcker Land.

Ferner ist noch eines Mannes zu gedenken aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, das ist Thomas von Buttelstedt. Thomas war 10 Jahre lang bei Landgraf Friedrich IV. als Protonotarius oder Oberschreiber. Thomas erhielt beim Tode des Landgrafen von dessen Erben, Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen und Herzog Wilhelm, den Auftrag, alle Zubehörungen der Landgrafschaft aufzuzeichnen und mit Hilfe etwa vorhandener Registerbücher der einzelnen Ämter eine Übersicht über Ausgabe und Einnahme, über Vermögen und Schulden auszuarbeiten. Mit vielem Fleiße hat sich Thomas der Arbeit unterzogen und durch das noch vorhandene Schriftstück (veröffentlicht durch Dr. Karl Menzel im 8. Bande des Archivs für sächs. Geschichte, Leipzig 1870) der Nachwelt einen Einblick in die damaligen Finanzverhältnisse während der landgräflichen Regierung verschafft.

Am Eingange des Friedhofs von Buttelstedt, des ehemaligen „Safrangartens“, an dem die uralte Heerstresse vorüberführte, steht ein im Jahre 1913 errichteter Sandsteinobelisk, auf dessen drei Seiten folgende Inschriften zu lesen sind:

Gustav Adolf vor der Schlacht bei Lützen – 29. Oktober 1632“
„Friedrich der Große vor der Schlacht bei Roßbach – 28. September bis 2. Oktober 1757“
„Napoleon I. nach der Schlacht bei Leipzig – 22. Oktober 1813“.

Das schlichte Denkmal will daran erinnern, dass die genannten fürstlichen Feldherren, die den Lauf der Weltgeschichte zu ihrer Zeit in hervorragender Weise mitbestimmten, aber in besonderer Weise auch die Nichtigkeit aller Menschengröße und die Allmacht des höchsten Weltenlenkers zu fühlen bekamen, auf ihren Heereszügen auch das unscheinbare Städtchen an der Scherkonde berührt haben.

Außer den drei großen Heerführern hat Buttelstedt auch noch andere geschichtliche Größen in seinen Mauern oder vor seinen Toren gesehen. Hier sei nur noch ein Mann erwähnt, dem man auch im Orte einen Gedenkstein gesetzt hat: „Theodor Körner“. Es war am 2. Juni 1813, vierzehn Tage vor seiner Verwundung bei Kitzen. Da traf der kühne Dichterheld auf einem Streifzug im Rücken der Franzosen mit dem Führer des schwarzen Jägerkorps, dem Major von Lützow, hier zusammen und führte eine Koppel Pferde, die er im Gestüt auf dem Wendelstein erbeutet hatte, vor. Das Unternehmen hätte bald einen schlimmen Ausgang genommen. Französische Infanterie und polnische Ulanen wollten die Lützower wegschnappen. Aber durch einen Scheinritt in der Richtung Erfurt wurden sie getäuscht. Körner ritt mit seiner Schar über Ossmannstedt nach der Saale und nahm in Roda noch 400 Mann thüringische Rheinbündler gefangen.

Durch solche örtliche Erinnerungen an große Männer der Vergangenheit rücken uns diese selber doch wunderbar nahe und wird die Heimat, über die die Wogen der Weltgeschichte hingegangen sind, nicht ohne da und dort bleibende Spuren zu hinterlassen, nur noch viel lieber und teurer. (Heimatklänge Nr. 2/39)