Sitten, Bräuche und Trachten der Altenburger Bauern

Vorzeit der Altenburger Bauern

Die Altenburger Bauern stammen vom slawischen Stamm der Sorben ab. Mit anderen wendischen Völkerschaften waren sie im 5. oder 6. Jahrhundert nach Christi Gehurt in Deutschland eingedrungen. Das Land zwischen Saale und Elbe wurde zu ihrem Wohnsitz. Geschichtlich erstmals erwähnt wurde das Sorbenland im Jahre 630.

Im 9. und 10. Jahrhundert wurde das Sorbenland (auch Wendenland genannt) dem Ostfränkischen bzw. dem Deutschen Königreich durch Eroberungszüge einverleibt. Nun wanderten viele Nord- und Süddeutsche in diese Gebiete ein und wurden dort sesshaft. Auch im heutigen Altenburger Land vollzog sich eine friedliche Vermischung der ansässigen slawischen Bevölkerung mit den Deutschen, die sich natürlich auch auf die Sprache und Charaktereigentümlichlkeit bezog.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde im Pleißenland der Stamm der Sorben germanisiert. Dennoch blieben eine Menge ihrer Eigenheiten erhalten. So zeugen die hufeisenförmigen Anlagen vieler Dörfer, Ortsnamen, aber auch Sprache, Sitten und Bräuche von der wendischen Abstammung der Altenburger Bauern.

Die Altenburger Mundart und Tracht war am meisten im ehemaligen Ostkreis des damaligen Herzogtums Sachsen-Altenburg verbreitet. Diese Region umfasst im wesentlichen den heutigen Kreis Altenburger Land einschließlich der jetzt im Kreis Greiz gelegenen Ortschaften Ronneburg, Reichstädt und Pölzig.

Die Altenburger Bauerntracht schloss jedoch nicht überall mit den Grenzen des Landes ah. Man fand sie auch in den benachbarten sächsischen und preußischen Dörfern.

Natürlich veränderte sich im Laufe der Zeit die Tracht der Bewohner. Anfang des 18. Jahrhunderts begannen vor allem die jungen Leute, immer häufiger die Stadtkleidung zu tragen. Etwa um 1900 war die Zeit des Tragens der Altenburger Bauerntracht zu Ende.

Bauernwohlstand und Bauernerbrecht

Die Landwirtschaft des Herzogtums gehörte mit zu den bedeutendsten in Deutschland. Der fruchtbare Boden und seine fleißige Bewirtschaftung verhalfen den Altenburger Bauern zu hohem Wohlstand. Und der Bauer hielt etwas auf seinen Stand. So gesellte sich gleich und gleich. Dies spiegelte sich im täglichen Leben wider, besonders, wenn es sich um Vermählungen handelte.

Die Vererbung der Güter erfolgte nach dem Kurrecht. Das bedeutete, dass alles dem jüngsten Sohn vererbt wurde. Dies geschah, weil damit die Eltern ihr Gut länger bewirtschaften und alle Kinder selbst erziehen und versorgen konnten. Stets war man darauf bedacht, dass Felder, Wiesen und weitere Besitztümer des Bauern nicht geteilt wurden. Wollte sich der Bauer zur Ruhe setzen, so geschah dies nach Vereinbarung des „Auszüglers" mit dem Erben durch den Auszugsvertrag. Dieser setzte die Rechte der Eltern und der anderen Kinder fest. Jener Sitte ist es zuzuschreiben, dass sich ein bemerkenswerter Wohlstand der Bauern erhalten hat.

Gesindemarktsitte

Gedient wurde von der Pike auf. Der Knabe bzw. junge Mann rückte vom Stalljungen zum Kleinknecht, dann zum Hausknecht, Mittelknecht und zum Schluss zum Großknecht oder Schirrmeister auf. Letzterer war der Oberste und hatte alle Knechte unter sich.

Die Mädchen dienten zuerst als Stallmädchen, dann als Kleinmagd, Hausmagd, Mittelmagd und zuletzt als Großmagd. Eine weitere Sitte im Altenburger Land war, dass in der Zeit der sogenannten „Zwölfnächte" Gesindemärkte stattfanden. Hier versammelten sich Dienstboten, die für das kommende Jahr noch keine Arbeit gefunden hatten. Sie boten den Bauern ihre Dienste an.

Altenburger Bauerntracht

Die Altenburger Tracht mit dem typischen Bauernpaar „Malcher“ und „Marche“ (abgeleitet von den häufigsten Vornamen Melchior und Maria) weist ihre Eigenheiten auf.

Die alte, vielleicht noch etwas „wendisch" anmutende Tracht hielt sich mehr oder weniger starr bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Danach passte sie sich stärker der städtischen Mode an.

Um 1830 erfolgte die letzte Ausprägung der Tracht. Sie wurde allgemein dunkler.

Der Bauer (Malcher)

Er trug ein Hemd mit bortenartigem, weiß besticktem Kragen. In schwarzer Seide enthielt dieser den Namenszug des Trägers. Das Hemd wurde zu geschnallt und hatte sehr weite, bauschige Falten. Es wurde von einem breiten schwarzen Brusttuch oder einem Brustlatz bedeckt, der an den Ärmeln und am Halsausschnitt rot besetzt war. Früher trug man dazu eine sehr weite Hose, zumeist aus Bockleder. Später nahm sie engere Formen an. Solche Beinkleider wurden mit „Hosenheben" aus schwarzem Lackleder getragen. Unter den Knien wurden die Beinkleider mit Riemchen zugebunden oder mit Häkchen zugehakt. An den Fußen trug der Malcher hohe, weiche Stiefel. Über die Kleidung zog er einen weiten, langen Tuchrock oder eine kurzanliegende Jacke. Den Kopf bedeckte eine Schirm- oder Pelzmütze. Am gebräuchlichsten jedoch war das traditionelle schwarze Filzhütchen. Markant der flache, runde Kopfdeckel und die schmale, aufwärts gerichtete Krempe.

Die Bäuerin (Marche)

Sie trug einen kurzen, bis zu den Knien reichenden Faltenrock, der die Körperform betonte. Der Rock wurde meist von einer Halbschürze bedeckt. Sie hatte die Farbe des Kopftuches. Den Oberkörper umschloss ein Mieder mit Ärmeln aus gutem Stoff. An Sonn- und Feiertagen oder bei kühlerem Wetter wurde darüber eine glatt anliegende Jacke angezogen. Die Bäuerin trug lange weiße Strümpfe und flache, oftmals bunt bestickte Schuhe. In der Hofwirtschaft wurden schwarze Strümpfe oder früher sogar Leinenstrümpfe angezogen.

Vor der Brust trugen die Mädchen einen mächtigen Vorstehlatz. Er reichte vom Kinn bis zum Rockanfang und war mit starker und zäher Pappe versteift. Die Latzpappe wurde als Sondererzeugnis in der alten Papiermühle von Großstöbnitz hergestellt. Der steife aufgetragene Latz war für die Tracht der Altenburgerinnen ebenso charakteristisch wie das Kopftuch. Es bestand aus einer festsitzenden topfartigen Haube, die das Haar und die Ohren umschloss. Vom Knoten des Tuches hingen zwei breite Flügel bis weit in den Rücken.

Das Hormt

Der Kopfschmuck bei Hochzeiten, Kindtaufen oder anderen besonders festlichen Anlässen war das Hormt. Dieser Kopfschmuck hatte die Form einer hohen, zylindrischen Schachtel, war mit Damast oder Samt überzogen und oben mit silbernen Blechen besetzt, auf denen drei Reihen Silberknöpfe angebracht waren. Rund um das Hormt waren an silbernen Hängeösen kleine Schildchen in Form von vergoldeten Kirschblättern befestigt. Eine weitere Zierde bildeten die Kränzchen aus Silberlahn, die mit bunten Glasperlen geschmückt und mit grüner oder roter Seide verflochten von der Braut, Brautjungfer oder Gevatterin zwischen den Zöpfen getragen wurden. Die Zöpfe waren in einen Halbbogen über das Hormt gebunden. Die Braut und Gevatterin verwendeten rote Bänder und die Brautjungfer grüne.

Ein ungeschriebenes Gesetz - der jahrhundertealte Brauch - regelte, von wem und wann das Hormt getragen werden durfte. Weil das Hormt Kennzeichen der Jungfernschaft war, wurden seine Trägerinnen als Hormtjungfern oder mundartlich „Hormtmeede“ (Hormtmädchen) bezeichnet.

Das Hormt war für die Familien, die einen solchen Festtagsschmuck besaßen, ein wertvoller Schatz, der von Generation zu Generation vererbt und nur bei besonders feierlichen Anlässen aufgesetzt wurde. So, wenn die Jungfer zur Kommunion ging, Pate stand oder bei einer Hochzeit Brautjungfer war. Auch bei Familienfeiern, wie Silbernen Hochzeiten, trugen die jungen Mädchen ihr Hormt. Natürlich setzte eine Braut zu ihrer Hochzeit das Hormt auf. Zur Kirche und zum Altar geleitet wurde sie von den Hormtjungfern. Am zweiten Hochzeitstage (bis drei Tage wurde Hochzeit gefeiert) erschien die Neuvermählte noch einmal mit dem Hormt, trug darunter aber bereits die große seidene Haube. Denn mit der Heirat war sie „unter die Haube“ gekommen. Nach dem dritten Hochzeitstag durfte die Vermählte das Hormt nie wieder aufsetzen.

Früher sollen die „Hormtmeede“ auch rote Jacken und schwarze Tuchkittel getragen haben, die mit einem Lederband an dem Kittelmieder befestigt waren. Daneben wurden lange schwarze Mäntel, aus Kattun, Tuch oder Seidenzeug gebraucht.

Dass die Tracht nicht billig war, lässt sich denken. Meist musste eine für Wochentage und eine für Festtage das ganze Leben ausreichen.

Bauernhochzeit

Bei den Vorbereitungen der Hochzeit und am Hochzeitstag spielte der Hochzeitsbitter eine besondere Rolle. Er sorgte für die Einladungen, behielt das Kuchenbacken und die Sitzordnung der Gäste im Auge und besorgte Musik, Tanzsaal und anderes mehr. Er sprach das Tischgebet und hielt zur Unterhaltung allerhand Späße bereit.

Der Hochzeitsbitter erschien in einer besonderen Kleidung, nämlich mit schwarzem Hemd, weißem hemdartigem Oberkleid, weißen ledernen Beinkleidern und hohem rundem Hut.

Bevor es zur Kirche ging, wurden die Gäste mit Kaffee und Kuchen, Bier und Branntwein bewirtet. Unter Glockengeläut trat man dann den Weg zur Kirche an.

Auch bei der Trauung hatte man eigene Sitten. So trat das Brautpaar so eng aneinander, dass sich kein Geist des Unfriedens zwischen die beiden drängen konnte. Oft wurden bei weniger Wohlhabenden, die sich keine Ringe leisten konnten, Taler an Stelle der Trauringe ausgetauscht. Das Geldwerfen vor oder nach dem Kirchgang war im allgemeinem üblich, flachte aber später immer mehr ab.

Im Hochzeitshause wurde den Gästen nach der Trauung Kaffe und Kuchen gereicht. Die Hauptmahlzeit fand am Abend statt. Bevor die Feierlichkeiten dem Ende zugingen, wurde nochmals Kaffee und Kuchen zu sich genommen. Dabei war es Brauch, den letzten Gästen für die Familienangehörigen ein Tuch voll mitzugeben.

Eine sogenannte Hochzeitsreise gab es mit einigen Ausnahmen nicht. Außerdem war es Brauch, nicht bei abnehmenden Mond zu heiraten. Gewöhnlich dauerte die Feier einen Tag. Wenn es sich um besonders große Hochzeiten handelte, wurde auch zwei oder drei Tage gefeiert.

Ablauf einer Altenburger Bauernhochzeit in allen Einzelheiten mit ihren Sitten und Gebräuchen

(Beschrieben und zitiert werden Passagen aus „Eine Altenburger Bauernhochzeit um das Jahr 1800“ von A.F. Vollert)

Die Brautsuche

Hatte ein Allenburger Bauer einst Lust zu heiraten, sah er sich nach einer passenden Gefährtin um und erkundigte sich nach ihrer Führung, ihrem Vermögen und der Fähigkeit, der Wirtschaft vorzustehen. Hatte die Erwählte auch noch eine gewisse Schönheit als „Zugabe" zu bieten, war das um so besser. Aber, so wird berichtet, der Altenburger Bauer „legte ... auf diesen Punkt kein erstes Augenmerk". Denn: „Mehr ward darauf gesehen, dass die Braut aus guter und reicher Familie war." Glaubte der junge Mann schließlich, seine Holde gefunden zu haben, „so wurde ein naher Verwandter oder ein sonst in der Sache kundiger Mann hingeschickt, um nachzufragen, ob Vater, Mutter und Tochter zu dieser Partie Lust hätten."

Hatte der Bauer Glück, so suchte er zusammen mit einem nahen Verwandten oder dem Brautwerber selbst die Familie auf und legte den „ Kaufbrief seines Gutes“ vor, „um zu beweisen, ob selbiges schuldenfrei oder belastet war.“ Zugleich wurde die Mitgift der Braut bestimmt.

Oftmals bestimmte der Bräutigam die Summe gar selbst, die er brauchte, um seine Geschwister auszuzahlen oder sein Besitztum schuldenfrei zu machen. Kam man nicht überein, so ging der Bräutigam wieder des Weges. Erreichte er sein Ziel, so wurde der Tag bestimmt, an dem er sich bei der Tochter des Hauses das Jawort holen konnte. In der Regel waren das 14 Tage nach der ersten Anfrage.

Am Tage, an dem er sich das Jawort holen sollte, ging der Bräutigam mit einigen näheren Verwandten und dem Brautwerber zu den Eltern der Braut, wo er gewöhnlich die nächsten Freunde der Familie vorfand.

Verschiedenen Ortes war es Sitte, dass der Vater der Braut dem künftigen Schwiegersohn entgegenging und ihn zuerst in die Ställe führte, um ihm gleichsam sein Mitrecht über den vorzüglichen Viehstand zum Ausdruck zu bringen. Vater, Mutter und Braut erteilten das Jawort und bekräftigten dies durch Handschlag. Dann wurden die Ringe übergeben. Man sang ein passendes geistliches Lied und setzte sich zu Tisch. Während des Mahles wurde der Tag der Trauung bestimmt und ausgemacht, wer zu Gast geladen werden sollte“.

Die Bittrede

Drei Wochen vor der Hochzeit gingen der Brautvater und der Bräutigam zum Pfarrer des Ortes, um das dreimalige Aufgebot zu bestellen. War man in allen Teilen überein gekommen, so wurde der Hochzeitsbitter bestellt, der diesen Dienst im allgemeinen im Erbamt versah und den Auftrag hatte, sämtliche Personen zur Hochzeit zu bitten. Nach vorgetragener Bitte wurde ihm von Hausherr und Hausfrau zugesagt, zu kommen. Er wurde mit Kaffee, Bier und Branntwein, Butterbrot und dergleichen bewirtet, worauf er weiterging und seine Bitte im nächsten Haus vorbrachte. Eine Aufstellung der Personen, die als Gäste erscheinen wollten, übergab er alsdann dem Bräutigam“. Die Gäste schickten als Beitrag zum Hochzeitsmahle je nach ihrem Besitz Esswaren und Getränke jeglicher Art ins Hochzeitshaus.

Die Trauung

An dem für die Trauung bestimmten Dienstag versammelten sich die geladenen Gäste im Hause des Bräutigams, wo er sie mit Kuchen, Bier und Branntwein bewirtete. Alsdann wurde der Auszug nach der Behausung der Braut angetreten. War die Braut im Dorf daheim, so ging der Zug mit Musik paarweise zu Fuß dahin. War die Braut in einem anderen Dorfe ansässig, so fuhren alle Hochzeitsgäste nebst dem Bräutigam auf dem Wagen dahin. Voran ritten Musikanten, es folgten die nächsten Verwandten des Bräutigams, die vom Hochzeitsbitter eingeführt wurden, dann der Bräutigam zwischen seinen beiden Beiständen (Verwandte oder Brüder) und dann die übrigen Hochzeitsgäste. Die Pferde waren mit weißem, rotem, gelbem und schwarzem Riemenzeug und mit bunten Bändern geziert. Am Schweife der Pferde befand sich, mit bunten Bändern aufgebunden, ein Strauß von Buchsbaum. Der ganze Zug gewährte einen festlichen Anblick. Unterwegs wurde gesungen und musiziert.

War das Dorf der Braut erreicht, so ritten einige der Gesellschaft in voller Karriere hinein, während die anderen am Eingang des Dorfes warteten. Sie sprengten von einem Gut zum anderen und fragten an, ob es wohl einigen ehrlichen Leuten erlaubt sei, hier einzukehren, ihre Geschäfte zu verrichten und .sich mit Speise und Trank zu erquicken. Nach erhaltener Erlaubnis ritten sie zur Gesellschaft zurück, und nun bewegte sich der ganze Zug musizierend langsam zum Haus der Braut. Dort angekommen, nahm die Gesellschaft ein Frühstück ein, das in kalter Küche, Kuchen, Bier und Branntwein bestand, wobei der Hochzeitsbitter eine Rede hielt. "

Danach setzte sich der Hochzeitszug in Richtung der Kirche in Bewegung. Währenddessen wurde musiziert. „Dann folgte der Brautführer, meistens ein naher Verwandter der Braut, die Braut in festlichem Schmuck, mit dem Hormt geziert und mit schwarzem Mantel. Dann kam die Brautmutter, die nicht die Mutter der Braut, sondern eine eigens dazu gewählte Person, jedoch eine Verwandte war. In einem großen Tuche trug diese geschnittenen Kuchen, den sie nach allen Seiten unter die Zuschauer warf. Ihr folgten die Hormt- und Brautjungfern in Festkleidern, jedoch ohne Mantel. Frauen und Mädchen beschlossen den ersten Teil des Zuges. Der zweite Teil setzte sich zusammen aus Musikanten, dem Bräutigam, dem Brautdiener und dem Beistande. Ihnen folgten paarweise die übrigen Männer.

Nach einer auch bei den Wenden üblichen Sitte hielt die Braut während dieses Zuges ein weißes Tuch vor die Augen und stellte sich weinend. Der Brautführer ging auch in der Kirche vor der Braut und begleitete sie bis zu ihrem Stuhl. Neben ihr nahm die Brautmutter Platz. Die Männer, die Hochzeitsämter hatten, trugen an ihren Hüten Sträuße von künstlichen Blumen, der Bräutigam einen Strauß, einen Rautenkranz und ein kleines Kränzchen, der Brautdiener einen Strauß und einen kleinen bunten Kranz. Letzterer erhielt von der Braut nach der Schenkungszeremonie noch einen Kranz. Der Beistand und der Brautführer hatten beide auf den Hüten nur einen Strauß.

Nachdem der Zug die Kirche betreten hatte, begann der Gesang mit Orgelbegleitung, und der Trauungsakt folgte. Während der Trauung saßen Frauen und Männer getrennt links und rechts vom Altar. Braut und Bräutigam traten erst bei der Trauung hervor. Die Handlung beschloss ein geistliches Lied, worauf sich der Zug wieder nach dem Hochzeitshause bewegte.“

Die Feier

Im Hochzeitshause angekommen, wurden die Gäste vom Brautvater, der an der kirchlichen Feier nicht mit teilnahm, bewillkommnet. Bei dem nun folgenden Hochzeitsmahl erhielt der Pfarrer des Ortes als vornehmste Person den obersten Platz. Der Hochzeitsbitter verrichtete vor und nach dem Mahl das Gebet. Das Zerlegen der Speisen besorgte der Schulmeister des Ortes. Den Schenktisch hatte eine eigens dazu gewählte Person zu versorgen. ... Die Kuchenkammer hatte der Hochzeitsbitter unter sich, und zur Bereitung der Speisen war eine Köchin bestellt, der man eine Aushilfe, die Schüsselwäscherin, zur Seite gab.“

Die Beköstigung der Gäste bestand außer den ständig auf den Tischen stehenden kalten Speisen aus fünf Hauptmahlzeiten. ... Die kalten Speisen bestanden aus Kalbs- und Schweinebraten, Bratwürsten, Rotwürsten, Salaten von verschiedener Art, Gemüsen, gebackenem Obst, eingemachten Früchten, Butter, Käse und ähnlichen Dingen. Zur Befriedigung des Durstes wurden den Gästen Bier, Branntwein, Kaffee, Rindfleischbrühe oder Biersuppe gereicht.“

Nach den Tischreden wurde der Kuchen aufgetragen und auf die Gäste verteilt. Der Mantel der Braut wurde nach dem Mahl abgetanzt und der Reigen wurde von der Braut mit dem Brautdiener eröffnet, dann mit dem Beistand und zum dritten mit dem Bräutigam. Getanzt wurde im ganzen Dorf.

Die Hochzeitsnacht

Nach einigen Stunden des Tanzes ging der Bräutigam in aller Stille und allein in die erleuchtete Brautkammer ins Hochzeitshaus zurück und legte sich mit den Kleidern zu Bett. In der Brautkammer waren allerlei Erfrischungen, auch Kuchen und Wein bereitgestellt. War der Bräutigam zu Bell, wurde dem Brautdiener und dem Beistand gemeldet, dass alles zum Empfang der Braut bereit sei. Die beiden geleiteten dann die Braut unter Musikbegleitung vom Ballsaal zur Brautkammer. Dort genoss man die bereiteten Erfrischungen.

Während dieser Zeit wurde der Braut das Hormt abgenommen, die Haare aufgebunden und die Oberkleider ausgezogen. Alsdann fragte man den Bräutigam, oh er die Braut haben wolle. Im bejahenden Fall wurde sie dem Bräutigam von dem Brautdiener und dem Beistand ins Bett geworfen.“

Eh' das geschah, wurde ferner von der Brautmutter ein dünner Kuchen, „Aufläufer“ oder auch „Huckelkuchen“ genannt, auf das Bett gelegt. Die Umstehenden zerschlugen den Kuchen mit ihren Händen und riefen dabei: „So viel Stückgen, so viel Püpgen." So wurde das Schicksal nach der Zahl der Kinder aus dieser Ehe befragt.

Der Altenburger Rossmarkt

Von den bedeutenden Rossmärkten, die alljährlich im Deutschen Reich stattfanden, war der Altenburger in Mitteldeutschland einer der bekanntesten. Jährlich wurden zwei solcher Märkte abgehalten. Tausende. Besucher kamen, um sich an dem Rossmarkt zu erfreuen und die allein dafür zu Hunderten aufgetriebenen Pferde zu sehen. Es war Sitte, dass die nach Altenburg gebrachten Pferde am ersten Tag zum Herzoglichen Residenzschloss geritten oder geführt wurden. Ein imposantes Bild. Zahlreiche Vergnügungen wurden den Besuchern an diesem Tag geboten. Besondere Aufmerksamkeit galt aber dem Kartenspiel. Zu Hunderten saß man in großen Sälen und spielte Skat, Wendisch, Tippen und Sechsundsechzig.

Das Bauernreiten

Die Bauernreiten waren große, festliche Aufzüge. Mit Urnen brachte die Altenburger Bauernschaft in ihren Sitten, Bräuchen und nationalen Trachten ihre treue Anhänglichkeit zum herzoglichen Fürstenhaus Sachsen-Altenburg und die Teilnahme an seinen besonderen Ereignissen zum Ausdruck. Im 19. Jahrhundert fanden 20 große Bauernreiten zu besonderen Anlässen statt. Das waren Hochzeiten fürstlicher Personen, Jubiläumsfeiern, Einzüge von Landesfürsten oder Prinzen, kaiserliche und fürstliche Besuche und andere Festlichkeiten. Auch zur Verschönerung eigener Berufs- und Standesveranstaltungen gab es Bauernreiten.

Diese prachtvollen Aufzüge erregten nicht nur bei den Altenburgern große Aufmerksamkeit. Auch zahlreiche Fremde zog es hierher, um diese eigen- und großartigen Huldigungen mitzuerleben. Das erste überlieferte Bauern reiten fand im September 1818 und das letzte im Juli 1933 statt.

Ablauf des Bauernreitens im Jahre 1826

Im Jahre 1826 fand eines der hervorragendsten Bauernreiten statt. Anlass war, den neuen Landesherren Friedrich von Hildburghausen heim Einzug in seine neue Residenz würdig zu empfangen. Die Altenburger Bauern trugen natürlich das Ihrige dazu bei.

An der Grenze des Altenburger Landes erwarteten 80 Bauern auf ihren Pferden den herzoglichen Wagen. Als er eintraf, ritten sie dem Zug voran. Im Dorf Untschen gesellte sich dann ein Wagen mit Bauernmädchen hinzu. Sie trugen als Festtagskopfschmuck das Hormt. Die eigentliche Huldigung des Herzogs durch die Bauernschaft begann im Ort Burkersdorf in der Nähe von Altenburg.

Neben einer mit Ährenkränzen geschmückten Ährenpforte standen 28 Hormtmädchen. Ein als Hochzeitsbitter auftretender Bauer begrüßte den Herzog mit einer Ansprache. 700 Mann zu Pferde standen in ihrer Altenburger Bauerntracht seitwärts auf dem Feld. Sie waren in drei Gruppen formiert. In jeder wurde eine Standarte in den Farben des früheren Reichslandes, schwarz und gelb, geführt. Die Bezeichnung des Reiters stand in silbernen Buchstaben auf dem schwarzen Feld.

Eine 61 Mann starke berittene Trompetergruppe in Nationaltracht, mit weißen Röcken bekleidet, stand auch bereit. In die Mähnen und Schweife der Rösser waren Blumen, Buchsbaum und Bänder geflochten. Auf ihren Köpfen nickten Blumensträuße. Das Reitzeug der Bauern war mit gelben Schnallen, messingnen Buckeln und ähnlichem verziert.

Die berittene Bauernschaft wurde durch den Landesherrn gemustert. Diese setzte sich dann an die Spitze des Zuges und ritt ihm bis Altenburg voran. Hinter dem herzoglichen Wagen fuhr auch ein Bauernwagen mit Musikern, dem der Hochzeitsbitter voran ritt. Danach folgten acht Wagen mit 33 Hormtjungfrauen .

Im herzoglichen Schloss Altenburg angelangt, bog die Bauernschaft durch das hintere Tor in den Zwinger und von da in den Schlosshof ein. Noch einmal zog sie an Herzog Friedrich vorüber. Dabei brachten die Anführer eines jeden Zuges ein Hoch auf den Landesherrn aus. Unter fröhlichem Trompetenschall traten die Bauern dann den Heimweg an. Insgesamt hatte man zu diesem Empfang aus 190 Orten des Altenburger Ostkreises bäuerliche Abgeordnete entsandt.

Dörfliche Feste und Vergnügen

Der Altenburger Bauer war als geselliger, lebenslustiger, über auch sparsamer Mann bekannt. Doch die Freuden des Lebens ließ er sich gern etwas kosten. Die besondere Liebe zum Gesang mag ein Erbteil seiner wendischen Abstammung sein. Ein beliebtes Instrument war die Ziehharmonika, die auch „Brotwinsel“ genannt wurde. Der Gesang wurde in sehr vielen Dörfern durch die Gesangvereine gepflegt. Bei festlichen Gelegenheiten, Vergnügungen aller Art und auch im Kirchengesang konnte man sie hören.

Die Gemeindeschänke oder das Gasthaus wurde von den Gutsbesitzern meistens nur am Mittwoch, Samstag und Sonntag Abend besucht. Die Häusler trafen sich dort am Sonntag und Samstag Abend. Gleich und gleich setzte sich gern zusammen, und die betreffenden Tische wurden auch von den anderen respektiert. Im Wirtshaus spielte man vor allem Skat, der ja in Altenburg erfunden wurde.

Der Altenburger Rumpuff

Als ehemaliger Nationaltanz der Altenburger Bauern bekannt ist der „Rumpuff“, auch „Hauterie“ genannt. Letztere Bezeichnung scheint dem Ungarischen zu entspringen und bedeutet soviel wie „frisch auf, fröhlich, lustig“. .J. F. Meyner schrieb in der „Zeitschrift für das Fürstentum Altenburg auf das Jahr 7796“ dazu: „Was dem Spanier sein Fandango ist, das ist dem Altenburger sein Rumpuff. Eine beliebte, uralte Volkstanzmusik von so großer Wirkung, dass keiner imstande ist, stille auf beiden Fußen stehen zu bleiben, wenn er sie hört.“ J. F. Meyner wollte sich bei der Deutung des Wortes „Rumpuff" nicht festlegen, führte jedoch an, ein Freund meine, es hieße soviel wie „den Rumpf auf!“ oder „die Brust heraus!“. Unverkennbar jedoch sind die Kriterien des Ursprungs der eigentümlichen Tanzmusik der Altenburger Bauern, nämlich ihre slawische Herkunft. Mevner sagte es so: „ Und wahrlich, der altenburgische Bauer hebt den Fuß nie höher, jauchzet nie froher, fühlet sich nie mehr, ist nie mehr alter, edler Slawe, ohne dass er es weiß, als wenn er nach dem Rumpuff tanzt.“

Schmäuse in der Schänke

Die Veranstaltungen, die vom Gastwirt angezeigt wurden, nannte man „Schmäuse“. Es gab die Fastnachts-, Kirschkuchen-, Pfingst-, Oerten-, Herbst- und Einzugsschmäuse. Dann gab es noch die Frühlings-, Mai- und Sommerfeste, Bockbier- und Schlachtfeste sowie das Vogelschießen, Abendunterhaltungen, Gesangs- und andere Konzerte.

Zu den vorhin genannten Oertenschmäusen, die alljährlich einmal nach Neujahr stattfanden, noch folgende Erklärung: Dieser Name bedeutet nicht, dass ein Ortsfest abgehalten wurde. Vielmehr war es so, dass zur Bestreitung der Kosten hei einer gemeinschaftlichen Trinkerei oder einem Gelage, egal wie viel bzw. wie wenig der Teilnehmer getrunken hatte, der Betrag zu gleichen Teilen ging. (Oerte ist ein oberdeutsches Wort und heißt soviel wie Zeche).

Der Kirschkuchenschmaus

Er wurde einmal im Jahr von den Familien veranstaltet, die eine Kirschplantage besaßen. Dazu lud man alle befreundeten Bekannten ein.

Der Schiebecker

Wenn die mit der Schiebekarre kommen, reiche man ihnen Brot, Käse und ein einfaches Getränk “, hieß es früher mit dem Blick auf die altenburgischen Bauern und Handwerker, die zu Fuß, mit der Schubkarre über Land und zum Markt zogen, um ihre Ware feilzubieten. Kurz „Schiebecker“ hieß dieses Frühstücksgedeck aus Brot, Käse, Butter und Kaffee bzw. einem Gläschen Bier oder Schnaps.

Der Hammelschmaus

Hatte ein Großgrundbesitzer eine eigene Schafherde, so gab dieser nach der Weidezeit auf den Feldern, wo seine Tiere geweidet hatten, einen Hammelschmaus. In der Regel feierte man ihn aber im Wirtshaus.

Das Erntedankfest

War die Ernte beendet und alles eingebracht, spendierte der Bauer seinen Arbeitern Erntebier. An dem Sonntag, an dem das Erntedankfest stattfand, wurde die Kirche mit allen Erträgen des Feldes geschmückt. Sie wurden neben dem Altar und dem Taufstein niedergelegt. Die gesamte Gemeinde fand sich dann zum Gottesdienst ein. In der Predigt dankte man dem Schöpfer und lobpreiste ihn. Am Nachmittag bzw. Abend ging es auf der Tanzfläche hoch her. Der Kronleuchter des Tanzsaales war mit einem Erntekranz, geschmückt.

Die Kirmes

Nach vielen Tagen der Mühe und Arbeit im Jahr wurde die Kirmes gefeiert. Sie war für jedes Dorf eine Woche bestimmt. Aber in Wirklichkeit wurden viele Tage mehr daraus. Das lag daran, dass die Dörfer eng benachbart lagen und bei Besuchen Verwandte und Bekannte nochmals kräftig mitfeierten. Darauf hin hatte man das Fest für alle Dörfer in die gleiche Woche verlegt.

Zur Kirmes mussten unbedingt alle Feldarbeiten erledigt sein. Wer noch am Vortag der Kirmes zum Beispiel Futterrüben putzte, tat das heimlich. Es war eine Schande, nicht rechtzeitig zum Fest damit fertig zu sein. Die Kirmes wurde am Sonntag nach dem Martinstag in der Kirche eröffnet. Der erste Tag wurde von der Jugend dem Tanze gewidmet und mit einem Walzer eröffnet.

In dieser Zeit stand der Altenburger Ostkreis im Zeichen des Gänse-, Enten- und Hasenbratens, des Karpfens sowie des Käse-, Kümmel-, Dick-, Quark-, Apfel- und Pflaumenkuchens.

Was bei der Kirmes so vertilgt wurde, war geradezu gewaltig.

Am letzten Tag der Kirmes tanzte man einen vielerorts beliebten Volkstanz. Er hieß der „Vogelsteller“. Außerdem war es Brauch, dass die Frauen die gesamte Zeche bezahlten. Das schöne Geschlecht nahm das humorvoll hin.

Die Kengerkarmse – die Kindtaufe

Zu dieser wurden meistens drei bis vier Paten eingeladen. Es galt als Christenpflicht, eine solche Bitte nicht auszuschlagen. Gevatter (Taufpate) und Gevatterin (Taufpatin) machten sich am Tage der Taufe ihres Patchens gegenseitig Geschenke. Der Mann sandte seiner Gevatterin am Morgen ein Bukett. Sie dagegen ließ ihres am Abend in einer scherzhaften Form überreichen.

Unter Glockengeläut ging man zur Kirche. Hier erhielt der junge Weltenbürger die Taufe. Dann steckten die Paten dem Täufling den Patenbrief mit einer Geldspende als Geschenk in das Kissen. Danach wurden die Gevatter im Hause der Eltern mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Meistens ging man anschließend spazieren oder besah sich Haus, Ställe und Felder.

Vor dem abendlichen „Kindtaufschmaus" sprach der Lehrer oder der Kindtaufsbitter das Tischgebet. Hierbei war es Sitte, dass die Paten von allen Speisen kosten mussten, damit das Kind später alle Speisen essen lernt. Bis zu fortgeschrittener Stunde wurde dann gezecht, geskatet und gesungen. Je lustiger es am Abend zuging, um so aufgeweckter und munterer sollte einmal das getaufte Kind werden.

Die Konfirmation

Nach vollendetem ersten Lebensjahr erhielt der Täufling von seinen Paten ein Kleidchen. Bei der Konfirmation nahm man ihn in die Gemeinschaft der Christen auf. Dafür wurde er von seinen Paten festlich ausgestattet und erhielt ein Gesangbuch. Drei Wochen vor dem Fest lud man die Paten zum sogenannten „Konfirmationsschmaus“ ein.

Nachmittags 3 Uhr begann die Verabreichung von Kaffee und Kuchen. Man saß in gemütlicher Runde und plauderte bis zum Abendessen. Während des Mahles stand dann der Konfirmand auf und trug seine „Patenbitte" vor. Anschließend verteilte er einen mit festlichem Schmuck verzierten Briefbogen, auf dem das von ihm vorgetragenen Gedicht stand. Man saß noch einige Zeit beisammen und unterhielt sich.

Das Begräbnis

Schon vor dem Tag des Begräbnisses wurden alle Glocken der Dorfkirche in drei Pulsen geläutet. Die Beerdigung fand am Nachmittag statt. Der Verstorbene wurde mit seinem besten Anzug beigesetzt. Die Bekannten der Familie schickten meistens ihre Kinder, damit sie am Sarg die Kränze niederlegten. Für diesen Dienst gab es Kaffee und Kuchen.

Eine halbe Stunde vor dem Begräbnis fand mit einer Glocke des Kirchturmes das sogenannte „Krenzauslauten“ statt. Der Sarg wurde vor das Haus oder in den Hof gestellt. Pfarrer, Lehrer und Schulkinder trafen sich vor der Kirche, um sich zum Trauerhaus zu begeben. Dort versammelte man sich um den Sarg. Der Pastor schilderte in seiner Predigt den Lebenslauf des Verstorbenen. Dieser Teil der Feier wurde mit Gesang beendet. Unter Glockengeläut fuhr man den Sarg auf einem Wagen zum Friedhof. Junggesellen und Jungfrauen wurde die letzte Ehre dadurch erwiesen. dass sie von Gleichaltrigen zu Grabe getragen wurden.

Nachdem sich die Trauernden in Bewegung gesetzt hatten, vermieden es die Familienmitglieder des Verstorbenen, sich nach hinten umzusehen. Man nahm an, dem Toten könnte sonst bald ein anderer in die Ewigkeit folgen. Das gleiche glaubte man, wenn während des Läutens der Glocke die Kirchuhr eine volle Stunde schlug. Es hieß dann: „Es schlägt im Lauten!“

Nach der Beerdigung begaben sich die Verwandten ins Trauerhaus, wo sie mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Beim sogenannten „Trauerschmaus“ am Abend gab es meistens Suppe. Fleisch mit Meerrettich, Butterbrot und Ziegenkäse. Dazu trank man Bier.

Nachwort

Nach der Lektüre des bisherigen Textes könnte der Eindruck entstehen, dass die hier geschilderten Sitten, Bräuche und Trachten der Altenburger Bauern sämtlich der Vergangenheit angehören und heute von ihnen keine Spuren mehr vorhanden seien. Dem ist nicht so. In der Bauernstube des Altenburger Schloss- und Spielkartenmuseums, im Dorfmuseum Altkirchen in der Nähe von Schmölln, im Agrar- und Freilichtmuseum Blankenhain zwischen Schmölln und Crimmitschau, aber auch im Volkskundemuseum in Wyhra bei Borna werden zahlreiche Zeugnisse bäuerlichen Lebens im Altenburger Land ausgestellt.

Anlässlich der regelmäßig in der ersten Oktoberwoche in AItenburg stattfindenden Altstadtfeste gibt es viele Gelegenheiten, AItenburger Bauerntrachten zu sehen. Die Programme des Altenburger Folklore-Ensembles machen unterhaltsam und humorvoll mit Altenburger Mundart, Hochzeitsbräuchen und vielen anderen Überlieferungen vertraut. Altenburger „Huckelkuchen“, auch „Aufläufer“ genannt, gehört zum ständigen Angebot unserer Bäckermeister, Ziegenkäse zum ständigen Sortiment von Lebensmittelgeschäften und -märkten; „Mutzbraten“, eine Delikatesse vornehmlich aus dem Gebiet um Schmölln, wird bei Volksfesten und in mehreren Gaststätten angeboten. Butter, Brot und Ziegenkäse nannten die Altenburger „Schiebecker“, er war ihr Vesper. Gaststätten mit altenburgischen Spezialitäten haben ihn im Angebot. Erzeugnisse der Altenburger Bauern und Gärtner werden an jedem Mittwoch und Sonnabend auf dem Wochenmarkt angeboten.

Es existieren zahlreiche Heimat- und Trachtenvereine. Das Altenburger Land ist reich an Vierseithöfen, einer für Altenburger Bauern typischen Architektur. Zwei davon, in Gleina und in Schwanditz, sind als Hotel und Pension eingerichtet.

1995 und 1996 lebte die Tradition des Altenburger Bauernreitens wieder auf und wird weiter gepflegt.

(Quelle: „Sitten, Bräuche und Trachten der Altenburger Bauern“, Herausgegeben vom Fremdenverkehrsverband Altenburger Land e.V. mit Unterstützung des Fremdenverkehrs- und Heimatvereins Altenburg e.V.)