Gustav Wolf

Schnuphase'sche Buchhandlung

Der Anfang der Schnuphase'schen Buchhandlung ist gleichzeitig mit dem Ende der Richterschen Offizin unmittelbar verbunden. Die Richtersche Hofbuchdruckerei mit Buchhandlung, seit 1670 in Pacht bzw. seit 1709 in Eigentum der Familie Richter, wurde nach dem Tod von Gottlob Emanuel Richter (1788) unter dem noch unmündigen Nachfolger Karl Heinrich Emanuel Richter (1778-1800) administriert verwaltet. Der damit verbundene wirtschaftliche Verfall konnte von Richter, nachdem er volljährig wurde und die wirtschaftliche Selbständigkeit erlangt hatte, nicht mehr aufgehalten werden. So versuchte er vergeblich, von der herzoglichen Regierung am 23.1.1799 eine Konzession für eine Lotterie zu erlangen, um seine Einnahmesituation zu verbessern. Unter den Druck der Gläubiger musste die Hofbuchdruckerei 1799 verkauft werden und ging in den Besitz von Dr. Johann Friedrich Pierer (1767- 1832) über. Große Teile seiner Buchhandlung in der Johannisgasse 49 wurden an den Universitätsbuchhändler Hieronimus Wilhelm Christian Seidler aus Jena verkauft. Richter wollte sich dennoch als Buchhändler weiterhin behaupten und argumentierte damit, durch den Verkauf an Seidler nicht sein „Privilegium exclusivum" gegen ihn in Anwendung bringen zu wollen. Um weiter wirtschaften zu können, hatte er „heimlich" am 19.12.1799 seine Buchhandlung mit allen Gerechtigkeiten und verbliebenen Verlags-Artikeln unter dem Firmennamen „Richter und Comp.“ an zwei auswärtige Buchhändler als „stille Teilhaber" verkauft. Diese zwei Buchhändler waren Dr. Johann Christian Rink (1771 - 1807) aus Langensalza und Dr. Adolph Christian Schnuphase (1759 - 1823) aus Erfurt. Damit schlägt die Geburtsstunde der heutigen 200jährigcn Schnuphase'schen Buchhandlung. Nachdem sich Karl Heinrich Emanuel Richter am 25.4.1800 in Altenburg erschossen hatte, mussten beide nun an die Öffentlichkeit und erlangten mit Wirkung vom 19.10.1800 eine herzogliche Konzessions-Urkunde für die Buchhandlung Rink und Schnuphase. Da zur gleichen Zeit weitere Buchhändler konzessioniert wurden, wie Seidler und Christian Friedrich Petersen (1763 - 1831) aus Altenburg, war das alte Privilegium exclusivum von Richter nicht mehr erneuert wurden. Beide genannte Buchhandlungen hatten nur eine kurze Lebensdauer und keine große Bedeutung für den Altenburger Buchmarkt gehabt. Die anfängliche gemeinsame Buchhandlung von Rink und Schnuphase war kurze Zeit auf dem Weibermarkt (1800) sowie um 1801/05 am Markt 10 im Geschäftshaus von den Kaufleuten Hager und Schwarzenberg untergebracht. Wie lange sie dort eingemietet waren, lässt sich leider nicht näher eingrenzen. Der erste gesicherte Standortnachweis ist erst von 1814 in der Johannisgasse 46 beim damaligen Schneidermeister Georg Friedrich Elle. Doch zurück ins Jahr 1804. Am 12.3.1804 hatte Adolph Christian Schnuphase das Altenburger Bürgerrecht erlangt. Bis dahin war er seit 1798 Erfurter Stadtbürger gewesen und hatte gemeinsam mit Rink in Erfurt ein Buchhandlungsbüro geführt. Dr. Adolph Christian Schnuphase stammte aus dem Dörfchen Stödten bei Sömmerda in Nordthüringen und wurde dort als Sohn eines Schulmeisters und Kantors am 10.10.1759 geboren. Er war zunächst Churfürstlicher Mainzischer Amtsadvocat in Sömmerda, bevor er beruflich in den Buchhandel einstieg.

Ebenfalls 1804 trennten sich die geschäftlichen Wege von Rink und Schnuphase in Altenburg. Rink gründete eine eigene Buchhandlung mit Verlag in der Johannisgasse 46 bzw. später Johannisgasse 42. Am 21.10.1807 starb Dr. Johann Christian Rink plötzlich im Alter von nur 36 Jahren.

Die nunmehrige Schnuphase'sche Buchhandlung führte bereits seit 1802 eine Leihbibliothek, deren gedrucktes Verzeichnis kostenlos abgegeben wurde. Diese Leih- oder Lesebibliotheken waren in der damaligen Zeit typisch für die Buchhändler, die auch vielfach Verleger waren. Somit sind auch regelmäßige Neuerscheinungen zur Leipziger Buchmesse zu Ostern oder zu Michaelis (29.9.) für die Schnuphase'sche Buchhandlung nachweisbar.

Auch als Zeitungsverleger betätigte sich Schnuphase in den Anfangsjahren. So wurden die „Sächsischen Provinzialblätter“ vom Zeitungsgründer Graf von Beust (1761 - 1821) von 1801 bis 1804 durch die Schnuphase'sche Buchhandlung weitergeführt und herausgegeben.

Als im Jahre 1823 der Sohn von Adolph Christian Schnuphase, der Advocat und Rathsarchivar Christian Philipp Schnuphase, das Haus Weibermarkt 2 erwarb, wurde die Buchhandlung von der Johannisgasse 46 nach hier verlegt. Dr. A. Ch. Schnuphase konnte sich seines neuen Heimes bei seinem Sohn nicht lange erfreuen. Am 4.11.1823 stürzte er vormittags 10.30 Uhr aus einem Fenster der ersten Etage des Hauses Weibermarkt 2. Wenn man das Gefälle der Straße noch in Betracht zieht, kommt da schon eine beträchtliche Höhe zustande. Bereits der älteste Sohn Adam Friedrich Schnuphase (1793 - 1818) war am 24. 1. 1818 in Folge einer Nervenkrankheit früh verstorben. Er war als Buchhändler ausgebildet und sollte einmal die Buchhandlung übernehmen. So wurde der jüngste Sohn Christian Philipp Schnuphase (1798-1855), Advocat in städtischen Diensten und Rathsarchivar, Erbe der Buchhandlung. Da er sich nicht zum Buchhandel berufen fühlte, verhandelte er bereits mit einem neuen Besitzer, als er die herzogliche Konzession am 24.3.1824 ausgestellt bekam. Am 1.10.1824 kam es zum Kaufvertrag mit dem Leipziger Buchhändler Carl Rudolph Stauffer (1792 - 1855) über die Buchhandlung samt Leihbibliothek für die Summe von 4250 Rth. Stauffer blieb vorerst Untermieter im Haus Weibermarkt 2. Bereits am 6.4.1825 bekam er endgültig seine Buchhändlerkonzession für Altenburg von der damaligen Herzoglichen Gesamt-Landes-Regierung ausgestellt. Stauffer führte die Buchhandlung und den Verlag unter den Namen „Schnuphase'sche Buchhandlung, C. R. Stauffer“ weiter.

Das Spektrum der Verlagswerke reichte von lithographischen Karten des Osterlandes über die sogenannten „Reibstein-Karten“ bis zu Veröffentlichungen zur Regionalgeschichte wie die „Chronik von Altenburg 1801 bis 1813“ von dem Gründungsmitglied der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes (GAGO) Obersteuerrevisor Aug. Friedrich Karl Wagner (1792-1859) im August 1827. Nachdem das Herzogtum Sachsen-Altenburg 1826 wieder selbständig unter dem neuen Herzog Friedrich (ehem. Sachsen-Hildburghausen) wurde, war auch das Bedürfnis nach einem eigenen Staats- und Adress-Handbuch vorhanden. Dieses erschien erstmalig im August 1828 im Verlag der Schnuphase'schen Buchhandlung. Weitere folgten 1833, 1838, 1843, 1855... bis 1884. Später wurden sie von der Piererschen Hofbuchdruckerei weitergeführt.

Am 13.9.1830 verlagerte Stauffer die Buchhandlung in sein neu erworbenes Haus Ecke Kornmarkt/Moritzstraße, damals noch Breitengasse. Er hatte es für 6300 Rth. von dem Kaufmann Heinrich Hartz gekauft. Im Zuge der revolutionären Ereignisse des Jahres 1830 hatten sich der Hauptmann Gustav Jacobs, Hans Conon von der Gabelentz (1807 - 1874) und der Gymnasialprofessor Johann Ernst Huth (1801 - 1873) zusammengefunden und gaben im Verlag der Schnuphase'schen Buchhandlung die „Altenburger Blätter“ heraus. Da die Abonnentenzahl bereits 1834 auf 200 Stück gefallen war, kündigte Stauffer zu Ende des Jahres das Einstellen der Blätter an. Man hatte noch versucht, am 4.6.1834 die Altenburger Blätter durch „höchsten Spezialbefehl“ zum offiziellen Regierungsorgan zu machen, aber das Ende konnte trotz herzoglicher Unterstützung nicht mehr abgewendet werden. Unter Stauffer erschienen im Verlag der Buchhandlung weitere Altenburgica, die z.T. auch heute noch Beachtung finden. Ein Beispiel dafür sei aus dem Jahre 1841 die „Beschreibung der Residenzstadt Altenburg" von dem Pfarrer Dr. Julius Löbe (1805 - 1900); es erlebte 1848 und 1881 weitere Auflagen, wobei die letztere eine umfassende Neubearbeitung war. Ein weiteres Buch ist der „Klassiker“ unter den Altenburger Trachtenbüchern und der Volkskunde, „Sitten, Gebräuche, Trachten, Mundart der Altenburger Bauern“ 1839 mit zehn Lithographien und einem Vorwort von Zacharias Kresse (1800-1876), vom Stünzhainer Pfarrer Carl Friedrich Hempel (1769-1857) veröffentlicht. Während der Revolution von 1848/49 war auch wieder von Stauffer mit seinem Verlag der Schnuphase'schen Buchhandlung unter Herausgeberschaft von Dr. Irenäus Gersdorf (1809 - 1860) und R. Schneider versucht worden, die „Altenburger Blätter“ neu zu veröffentlichen. Gersdorf und Schneider hatten gleichzeitig schon seit Ende 1847 die „Zeitung für Stadt und Land“, die spätere „Altenburger Zeitung für Stadt und Land“, begründet. Aber schon nach relativ kurzer Zeit (21.3. - 21.6.1848) beendeten Herausgeber und Verleger mit der 27. Ausgabe die Blätter.

Zu Stauffer und seiner Schnuphase'schen Buchhandlung muss man noch erwähnen, dass in seinem Haus Moritzstraße 20 neben der Buchhandlung ca. von 1841 an die damals noch nicht über ein eigenes Gebäude verfügende höhere Mädchenschule „Karolinum“ ein Unterkommen fand. Dieses Untermieterverhältnis wurde auch bei dem Nachbesitzer Bäckermeister Franz Wilhelm Werner bis 1870 fortgeführt.

Am 7.2.1855 war Carl Rudolph Stauffer verstorben. Die Witwe und Kinder verkauften die Schnuphase'sche Buchhandlung rückwirkend zum 1.1.1855 an den Postsekretär Carl Friedrich Otto Hager (1820 - 1904) für 8.650 Rth. Der Verkauf beinhaltete u. a. die Verlagsrechte und die Leihbibliothek mit 11.118 Bänden. Otto Hager war als Quereinsteiger bereits 17 Jahre bei seinem Vater, dem Postmeister Friedrich Otto Hager (1796 - 1878), in allen Zweigen des Postwesens beschäftigt gewesen. Sein aufrichtiges Interesse an der Literatur und den damit verzweigten Geschäften hatten ihn bewogen, die Gelegenheit zum Kauf der Buchhandlung zu tätigen. Nachdem die Stauffer-Erben auch das Haus Moritzstraße 20 am 29.10,1855 zur freiwilligen Versteigerung brachten und am 5.11.1855 für 8.000 Rth. An den Bäckermeister Franz Wilhelm Werner verkauften, verlegte Otto Hager Anfang Oktober die Buchhandlung mit der dazugehörigen Leihbibliothek einschließlich des Kunst- und Musikalienhandels in das damalige Posthaus Markt 10. In diesem Gebäude befand sich schon einmal die Schnuphase'sche Buchhandlung, wenn auch nur für kurze Zeit, etwa um 1801 - 1805. Zuvor hatte Otto Hager am 14.8.1855 seine Konzessions-Urkunde von Herzog Ernst ausgestellt bekommen. Als besonders erwähnenswert eilt die vom Konsistorialrat Dr. Christian Friedrich Sachse (1785 - 1860) begründete und in großen Teilen Anfang der 40er Jahre veröffentlichte „Kirchen-Galerie des Herzogthums Sachsen-Altenburg“, deren Vollendung teils durch äußere Schwierigkeiten teils durch den Tod von Sachse am 9.10.1860 verhindert worden war. Die Geschichts- und Altertumsforschende Gesellschaft des Osterlandes hatte im Februar 1863 die vorliegenden 72 Lieferungen des Ostkreises und die 26 Lieferungen des Westkreises mit einem Inhaltsverzeichnis versehen und bei Otto Hager in der Schnuphase'schen Buchhandlung als unvollendetes Gesamtwerk herausgegeben. Im Jahre 1862 wurde die Schnuphase'sche Buchhandlung als eine der ersten in Altenburg durch Herzog Ernst I. mit dem Titel „Hofbuchhandlung“ ausgezeichnet. Zu den weiteren regionalhistorischen Verlagstiteln, die bei Hager erschienen waren, wären u. a. zu nennen:

1864 „Geschichte des Rathauses zu Altenburg“ und 1872 „Die Stadt Altenburg in den Jahren 1350 bis 1525“ vom Herzoglichen Archivrat Ernst Edler von Braun (1818 - 1878). Nachdem ganz plötzlich am 29.12. 1872 sein Sohn Otto (1845 - 72) im Alter von 27 Jahren verstarb - vom Vater im Buchhandel ausgebildet, um das Geschäft zu übernehmen - war der Buchhändler über den Verlust so niedergeschlagen, dass er die Hofbuchhandlung 1873 verkaufte. Hager war danach noch viele Jahre als Stadtrat tätig (bis 1898) und verstarb am 13.12.1904 im Alter von 84 Jahren. Die Buchhandlung wechselte am 14.1.1873 mit allem „Rechten und Pflichten“ für 9.500 Rth. Oder 28.500 RM den Eigentümer. Mit dem Verkauf der Hofbuchhandlung an Franz Friedrich Max Lippold (1845 - 1907) wurde erstmalig ein gebürtiger Altenburger Besitzer des Geschäfts. Lippold hatte auch eine 4jährige Buchhändlerlehre bei Hager in der Schnuphase'schen Buchhandlung absolviert. Er war anfangs noch für sechs Jahre im Posthaus Markt 10 eingemietet gewesen. Das Postgebäude war im Zuge der deutschen Reichseinigung 1871 von der neuen Reichspostverwaltung 1877 angekauft worden, und Lippolds Mietverhältnis wurde nicht weiter verlängert. Max Lippold suchte nun ein neues Unterkommen und kaufte 1878 das Grundstück Sporenstraße 3 mit jenem Hinter der Waage 4, alles zusammen für 66.000 RM. Das damals gut erhaltene Haus beherbergte die Wollhandlung „Gebr. Puruckherr" und war ca. 1600 von dem damaligen Altenburger Bürgermeister (1604) Christoph Walburger (gest.1626) neu erbaut worden. Dieses im Kern alte Renaissancegebäude wurde leider 1993 beim Bau des Kaufhauses „C&A" geopfert. Lippold hatte es modernisiert und gründerzeitlich umgebaut, u. a. neben der Leihbibliothek einen Musikalienhandel eingerichtet. Am 1.11.1878 wurde das neue Geschäft in der Sporenstraße 3, in dem auch Kunsthandel und Antiquariat vertreten waren, eröffnet. Zwei Hauptstützpfeiler des damaligen Buchhandels und Literaturbetriebs waren die Leihbibliothek und der sogenannte Journal-Lesezirkel. Beide Zweige waren feste Bestandteile einer damaligen modernen Buchhandlung. Öffentliche Bibliotheken waren meist nur vereinzelt vorhanden und zum Teil wissenschaftlich ausgelegt. In einer Gesellschaft ohne Radio und TV war ein heute nicht mehr vergleichbares Bedürfnis nach leichter Unterhaltung und Lesestoff vorhanden. Diese Geschäftszweige hatten teilweise bis in die 1. Hälfte unseres Jahrhunderts ihre Bedeutung behalten. Im Herbst 1883 wurde ein neues Gesamtverlagsverzeichnis (1800 - 1884) mit ca. 600 Titeln und zum Teil mit Altbeständen neu herausgegeben. Von den regionalhistorischen Verlagswerken sind u. a. zu erwähnen: von Dr. Julius Löbe die 3., gänzlich umgearbeitete und vermehrte Auflage der „Geschichtlichen Beschreibung der Residenzstadt Altenburg“ 1881 sowie im Kommission mit dem L. B. Blücher-Verlag die Herausgabe der Stadtadressbücher für 1873 und 1877. Für die Leihbibliothek, die nun ca. 20.000 Bände umfasste, wurde 1886 ein neuer Hauptkatalog herausgegeben. Am 17.1.1907 verstarb Max Lippold in Altenburg. Die Schnuphase'sche Hofbuchhandlung, die weiterhin im Haus Sporenstraße 3 verblieb, wurde am 17.3. 1907 an die Gebrüder Fischer veräußert. Mit dem Erwerb der Hofbuchhandlung durch den Buchhändler Bruno Fischer (1873 - 1949) begann eine 70jährige Tradition der Zugehörigkeit der Buchhandlung zur Familie Fischer. Auch das heutige Firmenlogo, der „Schnupfende Hase“, wurde durch die Gebrüder Fischer eingeführt. Am 1.7.1909 wurde der jüngere Bruder Wilhelm Fischer (1881 - 1942) als Teilhaber in die Schnuphase'sche Hofbuchhandlung aufgenommen. Kurze Zeit später, am 12.10.1910, verehelichte sich Wilhelm Fischer in Altenburg mit Else Förster (1885 - 1976), einer Tochter von Max Förster aus der „Hut-Förster-Familie“. Aus dieser Verbindung entstammten der Sohn Helmut (* 1.10.1911) sowie die spätere Schriftstellerin Herta Fischer (21.4.1915 - 13.4.1993). Im Jahre 1912 kauften die Gebrüder Fischer das Haus Burgstraße 14 gegenüber dem Cafe Volkstädt. Ab dem 1.4.1913 zog die Hofbuchhandlung in das neue Verkaufslokal um. Das Gebäude wurde im Laufe des Jahres 1913 noch erweitert und ausgebaut.

Nach dem 1. Weltkrieg ging die Schnuphase'sche Buchhandlung schwierigen Zeiten entgegen. Zunehmende Konkurrenz und wirtschaftliche Flaute sowie die Inflation von 1923 brachten Umsatzeinbußen und Verluste. Da die Schnuphase'sche Buchhandlung die zwei Familien nicht mehr ausreichend ernähren konnte, entschloss man sich 1928, in Gera eine Filiale zu etablieren. Das neue Geschäft wurde als Zweigstelle von der Schnuphase'schen Buchhandlung unter dem Namen „Kunst- und Bücherstube“ geführt. In der Führung des Geraer Geschäftes wechselte man sich anfangs monatlich gegenseitig ab. Da das keine Dauerlösung darstellte, zog schließlich Bruno Fischer mit Familie im Jahr 1932 nach Gera. Nach dem Tode von Bruno Fischer am 22.3.1949 in Gera übernahm seine Frau Hanna die Buchhandlungsgeschäfte und führte das Unternehmen in schwierigen Nachkriegszeiten bis 1951 weiter. Danach endete die 23jährige Geschichte der Schnuphase'schen Buchhandlung in Gera.

Zurück nach Altenburg. Die Geschäfte gingen auch in den 30er Jahren außerordentlich schlecht. Man lebte schon seit Jahrzehnten von der Substanz, und die Schulden wuchsen immer mehr an, wie Herta Fischer später in ihren Erinnerungen und Notizen feststellte. Ein Verkauf des Hauses Burgstraße 14 war schließlich die logische Konsequenz am Ende der 30er Jahre. Man fand ein neues Ladenlokal in der Johannisstraße 31. Am 1.1.1936 fand der Umzug statt.

Am 30.3.1942 verstarb in Altenburg Wilhelm Fischer. Da sich der Sohn Helmut Fischer, der einmal die Nachfolge antreten sollte, bereits im Krieg befand und auch nicht mehr zurückkehren würde, übernahm Herta Fischer die Schnuphase'sche Buchhandlung. Herta Fischer hatte als junges Mädchen bei ihrem Vater eine Buchhändlerlehre begonnen, besuchte zusätzlich einen Sonderkurs an der Altenburger Handelsschule und beendete nach zwei Jahren 1934 die Ausbildung im väterlichen Geschäft. Sie begrüßte den Umzug in die Johannisstraße 31. Da die Geschäftslage auch hie weiterhin nicht besser wurde, suchte sie sich einen Zusatzverdienst 1937 bei der Deutschen Reichsbahn als Schreibkraft. Den musste sie nach der Übernahme der Buchhandlung wieder aufgeben. In den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren fing sie an, Kinderbücher zu schreiben. Der schriftstellerische Erfolg stellte sich in den 50er Jahren mit erfolgreich veröffentlichten Kinder- und Jugendbüchern im Knabe-Verlag ein. Herta Fischers Verdienste sind nicht nur die schriftstellerischen Leistungen in den Anfangsjahren der DDR, sondern vor allem die Ermöglichung der Fortführung und damit die Lebensfähigkeit der Schnuphase'schen Buchhandlung durch die Jahre der sozialistischen Planwirtschaft.

Sie konnte die schwierigen Nachkriegsjahre überstehen, und die maßgeblichen Verkaufserfolge mit ihren Kinderbüchern ermöglichten es, eine sichere Grundlage zu schaffen, um das traditionsreiche Geschäft im zweiten Jahrhundert seines Bestehens zu stabilisieren und weiter fortzusetzen.

Im Jahr 1977 verkaufte Herta Fischer die Schnuphase'sche Buchhandlung an Albrecht Reinhold, den heutigen Eigentümer. Damit begann ein neuer Abschnitt in der fast 200jährigen Entwicklung zum heutigen modernen Buchhandel- und Dienstleistungsgeschäft. Albrecht Reinhold, Sohn des Altenburger Buchhändlers Max Reinhold (1925 - 1989), hatte 1969 in der Schnuphase'schen Buchhandlung eine Lehre begonnen und führte bereits seit dem 1.1.1975, nachdem Herta Fischer in den Ruhestand ging, die Buchhändlergeschäfte selbständig. Der am 1.1.1961 abgeschlossene Kommissionsvertrag mit dem Volksbuchhandel in Leipzig wurde auf Grund verschlechterter Rahmenbedingungen nicht mehr erneuert. Die Schnuphase'sche Buchhandlung war damit wieder eine vollständig selbst geführte Privatbuchhandlung in der damaligen DDR. Es wurde besonders das Antiquariat ausgebaut und gepflegt. Das Antiquariat war auch unter Umständen die einzige Möglichkeit, das Buchangebot zu bereichern, da unter den planwirtschaftlichen Bedingungen, wo ein neues gutes Buch fast unerreichbar war, oder einen Glücksfall darstellte, ein großes Sortimentsangebot unmöglich war. Noch mancher unter uns Bücherfreunden wird sich erinnern, dass die Buchhandlung als eine gute Adresse gehandelt wurde, wo man oft in den Antiquariatsregalen für wenig Geld ungeahnte „Schätze“ sicher stellen konnte. Allein der Besuch war schon eine Freude für sich. Die anheimelnde Atmosphäre in dem relativ dunklen Laden, die knarrenden Dielen und die Glocke an der Ladentür sind unvergängliche Jugenderinnerungen für mich und haben sich unauslöschlich eingeprägt. Dies alles sollte verschwinden mit dem geplanten Abriss des Hauses Johannisstraße 31 (Moskauer Str. 57). Im Jahr 1986 musste die Schnuphase'sche Buchhandlung nach 50 Jahren erneut umziehen, diesmal nur ein paar Häuser weiter in die Johannisstraße 35/36 (Moskauer Str. 49). Dieses Gebäude war ein Neubau der Jahrhundertwende von 1909. Das bisherige Haus Johannisstraße 31 an der Ecke Jüdengasse wurde dann aber erst am 10.3.1989 abgebrochen. Mit den neuen Möglichkeiten nach der politischen Wende in der DDR 1989 begann auch die Schnuphase'sche Buchhandlung, sich zu verändern und zu vergrößern. So erwarb Albrecht Reinhold 1991 von der Treuhand die damaligen „Volksbuchhandelsgeschäfte“ Burgstraße 2, Kunsthandlung Moritzstraße 21 und in Meuselwitz am Markt samt ihren Beständen. Das ehemalige volkseigene Geschäft Burgstraße 2 wurde großzügig ausgebaut und als neuer Hauptsitz der Schnuphase'schen Buchhandlung im Dezember 1994 eingeweiht. Seit November 1998 befindet sich die Firma Schnuphase im neu eingerichteten Geschäft in der Baderei und hat über 30.000 Bücher im Angebot und die größte Verkaufsfläche der 200jährigen Firmengeschichte vorzuweisen.

Möge dies noch lange so bleiben und eine sichere Grundlage bilden für die nächsten 200 Jahre!

Ausschnitt von der Titelseite des 1. Staats-Adress-Handbuch 1828 im damals neuen Herzogthum. Das Handbuch wurde über ein halbes Jahrhundert bei Schnuphase verlegt.

(Quelle: „Altenburger Geschichts – und Hauskalender 2000“, E. Reinhold Verlag Altenburg)