Chronik der Jenaischen Burschenschaft 1815 – 1990

1811
Friedrich Ludwig Jahn und sein Schüler Karl Friedrich Friesen entwickeln den Plan einer Burschenschaft an allen Hochschulen, die das Bewußtsein der politischen Einheit Deutschlands pflegen und das deutsche Studentenleben sittlich verbessern soll.

1812 – 1813
Freiheitskriege gegen Napoleon I., an denen im Lützowschen Freikorps auch Jenaer Studenten teilnahmen. Jahns und Friesens Ideen nehmen dort konkretere Formen an.

Beginn der Wehr- und Turnübungen in der Jenaer Wehrschaft, der auch Mitglieder verschiedener landsmannschaftlicher Studentenverbindungen angehörten. Treibende Kraft für die Gründung einer allgemeinen Verbindung war die Jenaer Landsmannschaft Vandalia (Farben Rot-Gold v. u.), deren Senior Gotttlieb Schnelle von Friesen eine Abschrift der „Ordnung und Einrichtung von Burschenschaften“ erhalten und von Berlin nach Jena gebracht hatte.

1815
Auflösung der Landsmannschaften. 113 Studenten gründen am 12. Juni vor dem „Gasthaus zur Tanne“ in Camsdorf die Jenaische Burschenschaft. Verlesung der Verfassungsurkunde, an deren Entwürfen die Jenaer Professoren Georg Kieser, Lorenz Oken und Heinrich Luden mitgewirkt hatten. Farben (nach der Uniform des Lützowschen Freikorps, dem zahlreiche Gründer angehörten): Rot und Schwarz: seit etwa 1817 (Wartburgfest), insbes.seit dem Hambacher Fest (1832), Schwarz-Rot-Gold als Farben der Burschenschaft und der deutschen Freiheits- und Einheitsbewegung. Wahlspruch (aus der Verfassung der Vandalia): „Dem Biedern Ehre und Achtung“, seit 1816 „Ehre, Freiheit, Vaterland“. Das Siegel (seit 1816) enthält das Gründungsdatum, die Zahl der Vorsteher (IX), Ausschußmitglieder (XXI) und Gründungsmitglieder (113) sowie die Anfangsbuchstaben des Wahlspruchs. Erster Sprecher: Carl Horn.

1816
Anstelle der schmucklosen (goldumsäumten?) rot-schwarzen Fahne, die erstmals am 18. Oktober 1815 und am 18. Januar 1816 in Erscheinung trat (die erste Fahne mit den deutschen Farben), erhält die Burschenschaft am 31. März 1816 von den Frauen und Jungfrauen Jenas eine bestickte rot-schwarz-rote Fahne mit goldener Einfassung und einem goldenen Eichenzweig in der Mitte. Beim Wartburgfest (1817) vorangetragen (daher oft „Wartburgfahne“ genannt), während der 1. Demagogenverfolgung (1824)sorgfältig versteckt, zu Beginn der 2. Demagogenverfolgung (1836) von dem Germanen Reinhold Leonhard Schmid (Professor der Rechte in Bern) in die Schweiz verlagert und von diesem 1858 zur 300-Jahrfeier der Universität nach Jena zurückgebracht, wurde sie - da sich die drei Jenaischen Burschenschaften über deren Besitz nicht einigen konnten – der Universitätsbibliothek anvertraut. 1935 gezwungenermaßen dem NSDStB übergeben, jedoch von dem Burgkelleraner Otto Costabell nach Jena zurückgebracht, wurde die Fahne danach treuhänderisch dem Jenaer Stadtmuseum anvertraut. In den Folgejahren bis 1945 wurde sie von den Jenaischen Burschenschaften bei bundesinternen Anlässen gezeigt (etwa bei der erzwungenen Selbstauflösung des Burgkellers am 23. Februar 1936). Am 12. Juni 1965 vom Rat der Stadt Jena der Universität übergeben, befindet sich das Original heute im Stadtmusum Jena. Die im November 1822 beim Auszug nach Kahla mitgeführte rot-schwaze goldumsäumte – wahrscheinlich identisch mit der ersten Fahne der Burschenschaft – befindet sich heute im Besitz von Arminia a.d.Burgkeller.

1817
Ostern lädt die Jenaische Burschenschaft die übrigen Hochschulen zum 18. Oktober auf die Wartburg bei Eisenach ein, um dort „ein Fest zu begehen in drei schönen Beziehungen, nämlich der Reformation, des Sieges bei Leipzig und der ersten freudigen und freundschaftlichen Zusammenkunft deutscher Burschen von den meisten vaterländischen Hochschulen“. Auf dem Wartburgfest am 18. / 19. Oktober erheben mehr als 500 Studenten von fast allen Universitäten liberale und demokratische Forderungen. Die „Grundsätze und Beschlüsse des 18. Oktobers“ nehmen das nationale Programm der nächste 50 Jahre vorweg (u.a. Forderung nach staatlicher Einheit, einheitlichem deutschen Recht, Rede- und Pressefreiheit) Außerhalb des offiziellen Festprogramms verbrennen einige übermütige Teilnehmer auf dem nahen Wartenberg symbolisch die Schriften mißliebiger Autoren (u.a. August von Kotzebue).

1818
Von insgesamt 750 Studenten in Jena gehören 569 zur Burschenschaft. Gründung der „Allgemeinen Deutschen Burschenschaft“ auf Anregung der Jenaischen Burschenschaft (10. / 18. Oktober).

1819
In Mannheim wird der Schriftsteller August von Kotzebue wegen seiner Verspottung liberaler Anschauungen und nationaler Begeisterung von dem ehemaligen Erlanger und Jenenser Burschenschaftler Karl Ludwig Sand ermordet. Annahme der „Karlsbader Beschlüsse“ (Gründung der Mainzer Zentral-Untersuchungskommission, Untersuchung und Verfolgung aller angeblich „revolutionärer“ Umtriebe und „demagogischen“ Verbindungen, Kontrolle der Universitäten, Verbot der Burschenschaften) durch den Frankfurter Bundestag, Durchführung auch in Sachsen-Weimar. Feierliche Auflösung der Jenaischen Burschenschaft am 26. November (August Daniel von Binzers Lied „Wir hatten gebauet.....“), geheimer Fortbestand, Zusammenkünfte im Burgkeller und in der „Rose“.

1820
Offizielle Rekonstitution der Burschenschaft, zunächst als Germania (4. Juni), dann als „Allgemeinheit“. Sommer 1822 20-30 Füchse. Die Burschenschaft kneipt auf dem Burgkeller, unterhält dort ein Lesezimmer und einen Fechtboden.

1821 – 1828
Von Erlangen ausgehend erstes Auftreten einer „germanistischen“ und „arministischen“ Richtung in Jena. 1827 Burschentag in Bamberg. Aufgabe des Christlichen im deutsch-christlichen Erziehungsprinzip, daher Aufnahme von Juden.

1830
Französische Julirevolution, starke Verbreitung demokratisch-republikanischer, z.T. revolutionärer Ideen, Erstarken der germanistischen Richtung.

Am 26. November kommt es zur Trennung : die sogen. „Neue Jenaische Burschenschaft“ (Arminia) zieht auf den Fürstenkeller, die „Alte Jenaische Burschenschaft“ (Germania) bleibt auf dem Burgkeller, dem traditionellen Burschenhaus in Jena.

Nach Meinung der Germanen (Schwarz-Rot v.u. mit goldener Perkussion; weiße Mützen) war die Burschenschaft berufen, selbst an einer Änderung der politischen Situation Deutschlands mitzuwirken und sich zu tätigem Eingreifen bereitzuhalten. Die Arminen (Schwarz-Rot-Gold v.u. mit goldener Perkussion; uneinheitliche, meist rote Mützen) dagegen suchten ihre Mitglieder durch geistige und körperliche Ausbildung für den künftigen Dienst am Vaterland vorzubereiten, ohne daß sich die Burschenschaft aktiv in die Politik einzumischen hätte.

Von den Jenaischen Burschenschaften haben sich im Laufe der Jahre zahlreiche Gruppen abgespalten (s. „Stammbaum“): so 1820 die Verbindung Germania (seit 1821 Corps Franconia), 1825 die Verbindung Amicitia (1825-1830 Corps Teutonia), 1827-31 die Verbindung Concordia, 1827-30 die Verbindung Constantia, 1827 die Burschenschaft Constantia (1829-33 Corps Vandalia),1828-30 die BurschenschaftTeutonia, 1848-49 die (Progreß)Verbindung Arminia.

1831
Schlägerei zwischen Arminen und Germanen in der „Rose“ (Rosenschlacht, 20. Januar).

1832
Nach einer kurzen Vereinigung von Arminen und Germanen trennen sich beide Richtungen wieder. In der Germania gewinnen radikale Kräfte die Oberhand. Sie streben das aktive Eingreifen in die Politik an und bekennen sich z. T. zu revolutionären Methoden (Attentat, Aufstand).

Hambacher Fest (27. Mai): Forderung nach Volkssouveränität und politischer Einheit, unter ca. 30 000 Teilnehmern aus fast allen deutschen Ländern auch Jenaer Burschenschafter, Farben der Burschenschaft werden zum volkstümlichen Symbol des deutschen Einheits- und Freiheitsstrebens, Burschentag in Stuttgart: Zweck der Burschenschaft ist die Erregung der Revolution.

1833
Insbesondere aufgrund der Relegation führender Mitglieder wegen politischer „Umtriebe“l löst sich die Germania am 21. Januar auf. Nach dem Scheitern des als Auftakt der Revolution gedachten Frankfurter Wachensturms (3. April – unter Beteiligung von etwa 40 meist „germanischen“ Burschenschaftern (zu den Anführern gehören die Jenenser Germanen Gustav Peter Körner und August Ludwig von Rochau) – setzen schärfste Verfolgunge ein. Der größte Teil der Germanen wird verhaftet, oft zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt ( August Ludwig von Rochau, Karl Schramm, Max Heinrich Rüder, Reinhold Leonhard Schmid u.v.a.). anderen gelingt die Flucht ins Ausland, wo sie z. T. Karriere machen (z.B. Gustav Peter Körner, später Gesandter der USA in Spanien), z.T. In Elend und Krankheit sterben. Jahrelange Haft (anschauliche Schilderung in seinem Buch „Ut mine Festungstid“) erleidet auch der Dichter Fritz Reuter (bis 1832 Mitglied der Germania). Im Mai 1833 löst sich die Arminia auf.

Die in Jena verbliebenen Arminen und Germanen finden sich zu einer streng geheimen „Gesellschaft (Verbindung) auf dem Burgkeller“ zusammen, die sich seit 1836 wieder „Jenaische Burschenschaft“ nennt. In diesem Bund wird die alte Burschenschaft fortgesetzt; in ihm wirken in gewissem Umfang sowohl das germanistische wie auch das arministische Prinzip. Im Laufe der Jahre wachsen beide Parteien wieder zu einer Einheit zusammen.

1836
Die Jenaische Burschenschaft zählt 120-170 Mitglieder.

1840
Ende Januar kommt es – mehr aus persönlichen als aus prinzipiellen Gründen - erneut zu einer Spaltung. Die Minderheit zieht auf den Fürstenkeller (Farben: schwarz-Rot-Gold v.u., schwarze Samtmützen), die Mehrheit bleibt auf dem Burgkeller (Farben: Schwarz-Rot-Gold v. u., schwarze Tuchmützen).

Die Burschenschaft auf dem Fürstenkeller erweitert ihren Wahlspruch zu „Gott-Ehre-Freiheit-Vaterland“ und symbolisiert ihn in ihrem Zirkel (auch im Zirkel der aus dem Fürstenkeller entstandenen heutigen Germania). Als straffe waffenfreudige Verbindung knüpft sie an die Germania von 1830 / 33 an, ohne jedoch zum germanistischen Prinzip der unmittelbaren politischen Aktivität zurückzukehren.

Der Burgkeller dagegen, maßgeblich an der gesamtstudentischen Bewegung des„Progreß“ beteiligt, erinnert in seiner lockeren Verbindung stark an die Arminia von 1830 / 33.

Hauptziele des „Progresses“ : Demokratisierung der Hochschulen und des studentischen Lebens, Beseitigung aller den Bürger vom Akademiker trennenden Besonderheiten des studentischen Lebens (z.B. Farben, Abzeichen, Brauchtum, Tracht, Turnen, Geselligkeiten. Mensuren, Duelle, akademische Gerichtsbarkeit).

1843
Unter dem Einfluß des Progresses schließt sich im Winter 1842 / 43 die Mehrheit des Fürstenkellers dem Burgkelleran. Die Minderheit setzt den Fürstenkeller fort.

Im Juli 1843 verläßt wiederum ein Gruppe – meist ehemalige Fürstenkelleraner – den Burgkeller und konstituiert sich als progressistische “Burschenschaft auf dem Bären“. (Der Bär ist – wie Burgkellerund Fürstenkeller – ein Lokal in Jena. Farben des Bären: Schwarz-Rot-Gold v.u.; rote Mützen mit Eichenlaub).

1844
Burgkeller und Bär vereinigen sich zu einer rein progressistischen Verbindung, die bis 1851 den Namen „Burschenschaft“ ablegt und sich „Verbindung auf dem Burgkeller“ nennt (Farben: Schwarz-Rot-Gold v.u.); rote Mützen.

1845
Sieben den Progreß ablehnende, im Juli 1844 vom Burgkeller ausgeschlossene konservative Mitglieder (Otto Sältzer, Gustav Rothe, Emil Zerbst, Otto Dresel, Theodor Hase, Friedrich Rödiger, Ernst Lochmann) gründen am 28. Februar die „Burschenschaft Teutonia“, um die Tradition des alten Burgkellers von 1840 / 44 fortzusetzen (Farben: Schwarz-Rot-Gold v.u., als besondere Kennzeichen, in Anlehnung an die Jenaer Stadtfarben, Blau-Weiß-Gold v.u.; blaue Mützen). Ihr Heim war zunächst der Burgkeller, dann das Ballhaus, später der „Goldenen Engel“.

Der Fürstenkelleraner Adolph Erdmannsdörfer (1843) wird von dem Burgkelleraner Dr. G.C. Köhler (1840 / 41) im Stoßdegen-Duell erstochen.

1844 / 45
Von den etwa 500 Studenten Jenas gehören 109 der progressistischen „Verbindung auf dem Burgkeller“ an.

1846
Am 13. Dezember rekonstituiert sich der Fürstenkeller nach Ausschluß einiger unzufriedener Mitglieder als „Burschenschaft Germania“ (Farben: Schwarz-Rot-Gold v.u., seit etwa 1849 auf weißem Grund; weiße Mützen. Wahlspruch: „Leben und Streben dem Vaterland“). Mit der Annahme des Namens, der Farben und der Mütze bekennt sich die Verbindung zu der alten Germania von 1830 / 33, ohne jedoch deren radikale politische Tendenzen zu übernehmen. Radikaldemokratische Mitglieder schließen sich im Herbst 1847 dem Burgkeller an.

1848
Unter dem Einfluß der Pariser Februarrevolution kommt es auch im Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach zu Unruhen. 2. März Sympathiekundgebung aller Verbindungen auf dem Jenaer Marktplatz, Gesang der Marseillaise, Mitführung der Tricolore, Hochrufe „Vive la republique!“. 11. März 1848 unter Führung des Burgkellers Demonstrationszug nach Weimar, Ablösung des Ministeriums Schweitzer durch den liberalen Oppositionsführer und alten Burgkelleraner Wilhelm Eberhard Otto von Wydenbrugk. Im Gegensatz zu den Germanen beteiligen sich zahlreiche Burgkelleraner (u.a. Wilhelm Adolf von Trützschler, Ferdinand Lange, Heinrich Justus Grube, August Heinrich Hullmann) aktiv an der demokratisch-republikanischen Bewegung in Deutschland.

Nach Vereinigung der progressistischen Mehrheit mit dem Burgkeller (14. März) rekonstituiert sich die konservative Minderheit der Teutonia unter Umkehrung der Farben (17. März).

16. März 1848 Zusammentritt der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt, der mehr als 150 Burschenschafter als Mitglieder und Führer der verschiedenen Richtungen angehörten, unter ihnen eine Reihe Jenaischer Burschenschafter, an ihrer Spitze Heinrich von Gagern, alter Heidelberger und Jenaer Burschenschafter. Anerkennung der burschenschaftlichen Farben als Nationalfarben des deutschen Volkes.

Pfingsten „Zweites Wartburgfest“, Höhepunkt der gesamtdeutschen studentischen Progreßbewegung, 1200 Teilnehmer von allen deutschen Hochschulen, z.T. bis heute aktuelle Forderungen (etwa Aufhebung der Fakultäten, der akademischen Gerichtsbarkeit und der Gebühren; Beteiligung der Studenten an der Wahl akademischer Behörden; Zielen der Urburschenschaft nahekommend: Gründung einer gesamtdeutschen Studentenschaft).

Germania löst sich am 9. August auf, rekonstituiert sich jedoch am 10. August als progressistische Burschenschaft und zieht im WS 1848 / 49 vom Fürstenkeller auf den Burgkeller, wo sie – von kurzen Unterbrechungen abgesehen – bis 1887 bleibt. Im WS 1848 / 49 gehörten von 421 immmatrikulierten Studenten 96 zum progressistischen Burgkeller (führende Mitarbeit im „Demokratischen Verein“).

1849
Im März schließt Germania die noch vorhandenen konstitutionell-monarchistischen Mitglieder aus.

14. August standrechtliche Erschießung des republikanischen Burgkelleraners Wilhelm Adolf von Trützschler. Bei den Kämpfen um Schleswig-Holstein fallen die Burgkelleraner Wilhelm Lucht, Detlef Michaelsen und der Teutone Adolph Fabrcius.

1850
Kurzfristige Vereinigung von Burgkeller und Germania mit anderen progressistischen Vereinigungen und Verbindungen zu einer „Allgemeinen progressiven Verbindung“.

1855 – 62
Germania löst sich vom Progreß und schließt ein Kartell mit Germania-Gießen (die von dem Jenenser Germanen Grupe mitgegründet wurde) und Arminia-Breslau. Nach kurzer Zusammenarbeit in einem Kartell mit verschiedenen süddeutschen Burschenschaften tritt die Germania 1858 dem sog. „Germanistischen (Norddeutschen) Kartell“ bei.

Als das „Norddeutsche Kartell“ sich zum Progreß hinwendet, tritt die Germania aus.

1859
Der Burgkeller, der sich zwischenzeitlich ebenfalls vom Progreß wieder gelöst hat, nimmt den Namen „Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller“ an (4. August).

1861
Teutonia Gründungsmitglied des „Süddeutschen Kartells“.

1862
Germania gibt das nach dem Scheitern der Revolution von 1848 wieder in die Verfassung aufgenommene Prinzip auf.

1869
Germania Gründungsmitglied des „Grün-weiß-roten Kartells“.

1870 – 71
Nach vielen vorangegangenen vergeblichen Einigungsversuchen finden sich die drei Jenaer Burschenschaften 1870 in einem Deputierten-Convent (DC) zusammen. Ein großer Teil der studierenden Mitglieder und Alten Herren der drei Jenaer Burschenschaften nimmt am Deutsch-Französischen Krieg teil.

1881
Gründung des „Allgemeinen Deputierten-Convents“ (ADC) au Initiative des Jenenser DC hin. Er besteht ununterbrochen bis 1935, seit 1902 als „Deutsche Burschenschaft“.

1883
Enthüllung des Burschenschaftsdenkmals (mit den Reliefs der drei Begründer der Burschenschaft: Karl Scheidler, Karl Heinrich Riemann und Karl Horn auf dem Eichplatz in Jena.

1887
Begründung der „Burschenschaftlichen Bllätter“ durch G.H Schneider (Germania). Germania erwirbt die „Heynei“ in Jena am Markt, Ausbau zu einem der ersten Korporationshäuser in Deutschland.

1889
Teutonia bezieht ein eigenes Haus am Löbdergraben.

1890
Gründung der „Vereinigung alter Burschenschafter“ (VaB), in der sich zahlreiche Burgkelleraner, Germanen und Teutonen an führender Stelle betätigt haben und betätigen.

Burgkeller Gründungsmitglied der „Vereinigung alter Burschenschafter“ (des späteren „Roten Verbandes“).

1893
Erwerb, Aufbau und Erweiterung des Burgkellers durch die Burschenschaft Arminia a.d. Burgkeller.

In den Jahren nach 1871 entwickeln sich die drei Jenaischen Burschenschaften, wie alle anderen studentischen Verbindungen, immer mehr zu „Korporationen“.

Der burschenschaftliche Geist bleibt in ihnen wie auch in wenigen anderen alten Burschenschaften zwar lebendiger als in den meisten anderen Burschenschaften, die bald von den Corps kaum noch zu unterscheiden sind, doch wenden auch sie sich verstärkt Äußerlichkeiten zu (Bierstaat, überspitztes Mensurwesen), nachdem man durch die Reichsgründung das politische Ziel der Burschenschaft als erfüllt ansah.

In den politischen Ansichten der Burschenschaft bildet sich in den Jahrzehnten nach 1871 eine scharfe Ablehnung der international eingestellten Sozialdemkratie heraus. Der größte Teil der Burschenschafter steht im Lager der Nationalliberalen, die die kostitutionelle Monarchie bejahen und durchweg entschiedene Anhänger Bismarcks sind.

- Um 1896 schließt sich die Burschenschaft in ihrer Mehrheit den antisemitischen Strömungen an, von denen vorher schon eine Reihe anderer studentischer Verbände sowie sonstiger gesellschaftlicher und politischer Gruppierungen erfaßt worden war. Diese Bestrebungen stoßen z. T. Auf scharfe Proteste in den Altherrenschaften, Im Verlauf dieser Auseinandersetzungen kommt es auch in den drei Jenaer Burschenschaften zu heftigen Disputen und zum Austritt einiger verdienter Alter Herren.

1902
Der Germane Karl Held wird von Leutnant Thieme, einem Offizier der Jenaer Garnison, im Duell erschossen (4. Januar). Auf Anregung der DB setzt eine Bewegung zur Einschränkung des Pistolenduells ein.

Einweihung des Burschenschaftsdenkmals auf der Göpelskuppe bei Eisenach (21. Mai).

1909
Germania nimmt eine überarbeitete Verfassung an.

1914
Fast die gesamte Aktivitas und ein großer Teil der Altherrenschaft nehmen am 1. Weltkrieg teil. Bei Ausbruch des Krieges zählt der Burgkeller 561 Mitglieder, 394 nahmen an Krieg teil, 66 verloren ihr Leben.

1919 – 20
Wiederaufnahme des aktiven Betriebes in zeitgemäßem Umfang. Eichplatzkneipe 1920: erstes Wiederauftreten der Jenaischen Burschenschaft in der Öffentlichkeit.

1920
Germania begründet die „Bundesnachrichten“.

1921
Der Burgkeller ruft die „Burgkellerzeitung“ ins Leben.

1930
Bekenntnis des Burgkellers zum arministischen Standpunkt. Empfehlung an die studierenden Mitglieder („Pflichtigen“), keiner politischen Partei beizutreten bzw. deren Abzeichen zu tragen.

1932
Auf fast allen Universitäten kommt es zu scharfen Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB), der seit 1929 seinen Einfluß stark ausweiten kann. Nach anfänglichen Sympathien für die nationalsozialistischen Ideen tritt die Burschenschaft ab September 1932 dem NSDStB entschieden entgegen, als dessen Bestrebungen, die abslolute Vorherrschaft in der Studentenschaft zu gewinnen, offenkundig werden.
Auf Betreiben der Burschenschaft kommt es zur Gründung der gegen den NSDStB gerichteten „Hochschulpolitischen Arbeitsgemeinschaft studentischer Verbände“.

1933
Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Erzwungene Einführung des Führerprinzips, Eingriffe in die Rechte der Einzelburschenschaften, Druck gegenüber Juden und Freimaurern führen zu verstärktem Widerstand innerhalb der Burschenschaft.

1934 – 35
Einweihung des neuen , 1933-34 aM Markt in Jena errichteten Germanenhauses.

Die Nationalsozialistenwverstärken ihren Druck auf die Korporationen. 22 ausgeschlossene oder ausgetretene Burschenschaften schließen sich im Januar zum oppositionellen „Altburschenschaftlichen Ring“ (seit 31. März „Alte Burschenschaft“) zusammen.

Herbst 1935 „Plauener Abkommen“: alle Burschenschaften sollen geschlossen als Kameradschaften („der neue Typ des nationalsozialistischen Studententums“) in den NSDStB übernommen werden.

Unter dem Druck der politischen Verhältnisse 17. Oktober 1935 in Berlin Auflösung der „Alten Burschenschaft“, 18. Oktober 1935 auf der Wartburg der „Deutschen Burschenschaft“. Burgkeller, Germania und Teutonia gehören bis zuletzt der DB an.

Im WS 1935 / 36 werden die letzten Mensuren geschlagen. Zahlreiche Inaktive fechten z.T. noch an anderen Universitäten.

2. November 1935 Aulfösung der Teutonia.

1936
Auflösung der Burschenschaft Arminia a.d. Burgkeller (23. Februar).

Die Tradition des Burgkellers wird vom WS 1937 / 38 zunächst (nach ihrem ersten Führer) als „Kameradschaft Metzel“, ab 14. März 1940 als „Kameradschaft Lützow“, die der Germania zunächst von den Kameradschaften „Theune“ bzw. „Dietrich“ (Namen der Kameradschaftsführer), ab 1939 „Wartburg“, fortgeführt; Teutonia gründet keine Kameradschaft.

Die Altherrenschaften der drei Jenaischen Burschenschaften bleiben bestehen. In beiden Kameradschaften werden – mit Unterstützung der Alten Herren – der Aktivenbetrieb und die burschenschaftliche Tradition auch nach Ausbruch des 2. Weltkrieges aufrechterhalten.

1939 – 45
Zahlreiche Burgkelleraner, Germanen und Teutonen sowie Mitglieder der Kameradschaften „Lützow“ und „Wartburg“ nehmen am 2. Weltkrieg teil.

1941
Studentenrevolte in Jena unter Beteiligung einiger „Lützower“.

1944
Hinrichtung von Paul Oswald (Burgkeller) wegen Kritik am NS-Regime.

1945
Februar und März Bombenangriffe auf Jena, Zerstörung des Gemanenhauses und des Burgkellers.

1946 – 48
Wiederbegründung der 1477 gegründeten Universität Mainz (1946). Gründung der Freien Universität Berlin (1948).

1949
Gründung der Mainzer Burschenschaften „Moguntia“ (9. Marz. Patenschaft: VaB Wiesbaden und einige Alte Herren der VaB Mainz) und „Rheno-Franconia“ (22. Juni), letztere aus einer Fusion der Vebindung „Moguntia“ (am 30. Mai 1948 von 14 Studenten aus Darmstadt an der Universität Mainz gegründet, Sitz: Darmstadt) mit einer Vereinigung von sieben Mainzer Studenten (Übernahme der Farben der „Moguntia“: Blau-Gold-Rot). Am 16. Juli 1949 beschließt „Rheno- Franconia“, die Tradition der Burschenschaft Germania-Jena in Mainz fortzusetzen (Annahme von deren Farben, Zirkel, Wahlslpruch und – in einer der Zeit angepaßten Form – Verfassungsgrundsätzen). Sie führt, da sie als Burschenschaft nicht lizensiert wird, den Namen „Verbindung Fürstenkeller zu Mainz“ (November 1949 Umbenennung in „Burschenschaft Germania-Jena zu Mainz“). Als Heim für die Germania dient seit SS 1952 eine ausgebaute Etage in der Alice-Kaserne.

Am 27. Juli 1949 rekonstituiert sich Teutonia in Berlin. Heim zunächst in der Kaiserallee 183, dann in verschiedenen Gaststätten, schließlich (ab 1956) Bretanonstraße 52.

1950
Auf einer Sitzung in Dortmund beschließt der Ehrenmitgliederbund (Altherrenschaft) der Burschenschaft Arminia a.d. Burgkeller einstimmig, sich wieder mit einer Jungburschenschaft zu verbinden (8. Januar).

Am 6. Mai übernimmt der Burgkeller die „Moguntia“ unter maßgeblicher Beteiligung von Dr. iur. h.c. Fritz Eichholz (1946-1967 Kanzler der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz) und anderer Mitglieder der VaB Mainz bzw. Wiesbaden. Mittelpunkt war zunächst das Gasthaus Johann Becker XXXIX in Gonsenheim, Mainzer Straße, dann eine Etage in der Steingasse, schließlich (ab 1956) das Haus in der Ritterstraße.

1952
Erneuerung des Grün-weiß-roten Kartells.

Die Bundesversammlung beschließt die Satzung der Altherrenschaft der Jenaischen Burschenschaft Arminia a.d. Burgkellerzu Mainz e.V. und die Ordnung für den Ehrenrat (26. Juli).

1953 – 54
Die Bundesversammlung beschließt Grundgesetz, Richtlinien und Satzung der Jenaischen Burschenschaft Arminia a.d. Burgkeller zu Mainz (1. August 1953 bzw. 31. Juli 1954)

1955
Germania verlegt die aktive Burschenschaft von Mainz nach Göttingen; das Ziel einer Fusion mit Hannovera wird nicht realisiert. Sie führt den Namen „Jenaische Burschenschaft Germania zu Göttingen“.
Vereinbarung einer engeren Zusammenarbeit zwischen den drei Zweigen der Jenaischen Burschenschaft auf dem Burschentag in Landau (erstes Fahnenabkommen).

1956
Übergabe des Hauses Ritterstraße 6 an die Jungburschenschaft des Burgkellers.

1957
Übergabe des Germanenhauses Planckstraße 2 an die aktive Burschenschaft.
Die Bundesversammlung beschließt eine neue Verfassung der Germania. In ihr werden die politischen Ziele und der Verbindungszweck neu gefaßt.

1965
150-Jahrfeier der Deutschen Burschenschaft in Berlin unter Leitung der Jenaischen Burschenschaft.

1966
Burschentag in Landau unter Leitung von Arminia a.d. Burgkeller.

1970
Die Bundesversammlung verabschiedet eine zeitgemäße Neufassung des Burgkeller-“Grundgesetzes“ und der „Burgkeller-“Richtlinien“.

1971
Erneuerung der Jenaischen Burschenschaft, gemeinsame Satzung und Verfassung.
1981 Bestätigung des Abkommens.

1980
Jena-Treffen auf Burg Saaleck an der fränk. Saale und in Hammelburg.

1982
Jena-Treffen in Hambach; Festakt, Deklaration zum 17. Oktober 1982. Geschäftsordnung für die Zusammenarbeit zwischen den Jenaischen Burschenschaften.

1983
Verabschiedung einer gemeinsamen Ehrenordnung der Jenaischen Burschenschaft sowie eine Ergänzung der Satzung und Verfassung der Jenaischen Burschenschaft von 1971 (gemeinsames Festband Schwarz-Rot v.u., Gold eingefaßt, wobei das Aufsticken des Eichenlaubs mit Gründungsdatum erlaubt ist).
Verabschiedung eines erweiterten Fahnenabkommens der Jenaischen Burschenschaft.

1985
Gemeinsames 170. Stiftungsfest der drei Jenaischen Burschenschaften in Göttingen.

1988 – 89
Vertagung des Burgkellers (1988), Wiederaufnahme von Teutonia in die Deutsche Burschenschaft und Aufhebung der Vertagung von Arminia a.d. Burgkeller (1989).

1990
10. Februar Zusammenschluß von 15 Studentenverbindungen der DDR zu einem Kartell Mitteldeutscher Verbindungen („Rudelsburger Allianz“), 24. Februar Gründung der Burschenschaft „Jenensia“ in Jena (Farben: Schwarz-Rot v.u., mensurschlagend), 31. März von der Vorsitzenden Olympia-Wien initiiertes und überwiegend von „rechten“ Burschenschaften besuchtes Wartburgtreffen mit Fackelzug in Eisenach, 4. Mai Herausgabe einer Sondermarke „175-Jahre Schwarz-Rot-Gold / Deutsche Burschenschaft“, 29. Mai – 3. Juni 175-Jahrfeier der Deutschen Burschenschaft in Berlin, 12. Juni gemeinsamer Kommers der vier Jenaischen Burschenschaften im „Schwarzen Bär“ zu Jena; 16. Juni Festakt in der Aula der Friedrich-Schiller-Universität und Kommers der „Rudelsburger Allianz“ im Volkshaus anläßlich der 175. Wiederkehr der Gründung der Urburschenschaft.

1991
23. Februar, Rückkehr der Burgkellerburschenschaft nach Jena (Otto-Schott-Straße 14),
6. April, Fuchsturmkneipe (erstes öffentliches Wiederauftreten in Jena seit 1936)
30. Mai, erster Pauktag seit 1937 (gegen Corps Thuringia in Wöllnitz)

1992

22. Februar, Beschluss über den Verkauf des Hauses in Mainz sowie über den Erwerb und Ausbau der „Grünen Tanne“ in Jena,

2. Juni, Beginn der Restaurierung der „Grünen Tanne“, Änderung der Satzung der Altherrenschaft

1993
12. Juni, Richtfest und erster Pauktag auf der „Grünen Tanne“ gegen Corps Thuringia

1994
10. Juni, akademischer Festakt in der Aula der Friedrich-Schiller-Universität anlässlich der historisch getreuen Wiedererrichtung der „Grünen Tanne“ und des Einzugs der Burgkellerburschenschaft in ihre neue Heimstätte

1995
Trennung vom RV, dessen Mitglieder (außer Burgkeller und Pflüger Münster) mit anderen Burschenschaften die "Neue Deutsche Burschenschaft“ (NDB) gründen

1996
3. Mai, Vergleichsvertrag mit der Stadt Jena, Festlegng des Eigentums des Burgkellers an den Insignien der Urburschenschaft,
12. Oktober, Festakt und Anbringung der „Heinrich-von-Gagern-Gedächtnistafel“ an der „Grünen Tanne“

1997
22. Februar, Freundschaftsverhältnis mit der Leipziger Burschenschaft Germania von 1818

2005
14. Mai, Festkommers anlässlich des 190. Stiftungsfestes der Burschenschaft Arminia a.d.B. im Hotel "Schwarzer Bär"

Der Name Jena hat auch für Nichtakademiker in ganz Deutschland einen besonderen Klang. Das liegt nicht nur daran, daß in Jena am 12. Juli 1815 die erste deutsche Burschenschaft gegründet wurde.

Das studentische Verbindungsleben läßt sich bis in die Gründungszeit von Universitäten zurückverfolgen und hinterließ auch in Jena Spuren, die demjenigen, der sie zu deuten weiß, noch heute ein Bild studentischer Lebensart vermitteln können.

Seit der Errichtung der Hohen Schule und ihrer Erhebung zur Universität 1558 sind Studenten aus dem Bild der Saalestadt und dem Lebensalltag der Menschen nicht mehr wegzudenken. Das ist nicht verwunderlich, da die Bedürfnisse der Studenten ein Bestandteil des Lebenserwerbs der Bürger Jenas waren. Das „akademische Gewerbe“ reagierte mit der Produktion von Studentika auf diesen seit der Mitte des 16. Jahrhunderts entstandenen Markt. Wie prägend die Universität für die Stadt war, wird auch auf vielen Stadtgraphiken deutlich, auf denen studentisches Treiben dargestellt ist. Höhen und Tiefen der Stadt und der Alma mater waren immer wechselseitig miteinander vebunden. Beide Körperschaften übten über Jahrhunderte hinweg eine eigenständige Gerichtsbarkeit aus, die erst dUrch den Wandell der Salana zu einer modernen Universität vereinheitlicht wurde.

Über die Frühzeit studentischer Verbindungen in Jena ist wenig bekannt. Dank umfangreicher Forschungsarbeiten, vor allem in den letzten Jahren, wissen wir mehr über die im 18. Jahrhundert existierenden Landsmannschaften und studentischen Orden. Sie waren die Vorläufer jener Verbindungen, die den Studentenalltag des 19. Jahrhunderts bestimmten.

Die aus den bis 1815 in Jena existierenden Landsmannschaften hervorgegangene erste deutsche Burschenschaft ließ Jena zu einem Begriff in der nationalen Einigungsgeschichte werden, deren Symbol, die Farben Schwarz-Rot-Gold, seinen Ursprung in Jena hatte.

Die Burschenschaft spielte im akademischen Leben der Universität eine prägende Rolle. Sie war aber nur für kurze Zeit, von 1815 bis 1819, alleiniger Repräsentant eines studentischen Korporationstyps.

Das Verbot von Burschenschaften in Gefolge der Karlsbader Beschlüsse von 1819 vermochte weder Burschenschaften noch Landsmannschaften gänzlich zu zerschlagen. In schneller Folge entstanden am Anfang der 20er Jahre einige der alten Landsmannschaften wieder neu. Sie trugen nunmehr die Bezeichnung „Corps“ und sind der zweite prägende Korporationstyp des 19. Jahrhunderts.

Der Wandel der Hochschule zu einem neuen Universitätstypus, der mit dem Aufschwung der Naturwissenschaften verbunden war, veränderte das tradierte studentische Leben sowie den Studentenbetrieb. Als Folge wandelten sich auch korporative Formen.

Neben Corps, Landsmannschaften und Burschenschaften bildeten sich Turner-und Sängerschaften, konfessionell und rein wissensschaftlich orientierte Verbindungen u.a. heraus.

Die traditionellen Verbindungen bewegten sich in ihren Strukturen zwischen Erstarrung und Wandel. So wurde der Korporierte der Wilhelminischen Ära zum Urbild des blasierten, saufenden und säbelnden Zeitgenossen.

Das aus der Freimaurerei und den studentischen Orden übernommene Lebensbundprinzip fand schnell in allen Korporationstypen Eingang und führte zur Herausbildung einer Altherrenschaft in den Verbindungen, die finanzieller Träger einer Korporation wurde.

Im 19. Jahrhundert vollzog sich das Korporationsleben in den Gaststuben Jenas; die wohl berühmteste war der Jenaer Burgkeller. Auch hier spielten die Jenaer Vororte Ziegenhain, Lichtenhain, Ammerbach, Wöllnitz und Zwätzen als Exkneipenorte der Verbindungen eine Rolle im studentischen Lebensalltag.

Dabei waren die Korporierten auch immer an ein wohlwollendes Auskommen mit dem Wirt gebunden, und nicht immer war diese Liaison von Dauer.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts und bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts erwarben die meisten Jenaer Verbindungen eigene Gebäude und bauten sie den Verbindungszwecken angemessen um. Zum Teil wurden die alten Gebäude abgebrochen.

Neue, repräsentative, vom Stil es Historizismus beeinflußte Bauten entstanden, deren Gestaltung ihrer Funktion entsprach. Hinter den Fenstern der großzügig gegliederten Fassaden befand sich im 1. Geschoß der Kneipsaal, darüber lagen zumeist Etagen mit Wohnungen für die Aktiven. Der größte Teil dieser Verbindungshäuser ist noch zu bewundern, doch müssen auch bei ihnen im 20. Jahrhundert Verluste der Bausubstanz beklagt werden.

Durch den 2. Weltkrieg ist eines der schönsten Renaissancegebäude Jenas - der Burgkeller – einst neben der Stadtkirche befindlich, in Schutt und Asche gelegt worden, so daß ein Wiederaufbau unmöglich war. Über Jahrhunderte hinweg war das Gebäude ein Mittelpunkt studentischen Lebens gewesen.

Gegen Ende 19. Jahrhunderts wurde das Haus durch den Kreditverein „Burgkeller“ gekauft. Hier tagte bis zu ihrer erzwungenen Auflösung im Jahre 1935 die Burschenschaft „Arminia a.d. Burgkeller“, die 1859 den Gebäudenamen in ihre offizielle Bezeichnung aufgenommen hatte.

Als ein weiterer Kriegsverlust ist das neben der „Göhre“ (heuteStadtmuseum)1934 erbaute Germanenhaus zu beklagen. An dieser Stelle befand sich bis zum Neubau die sogenannte Heynei, das alte Domizil der Burschenschaft Germania. Alle anderen Gebäude überstanden die Bombenangriffe des Kriegsendes.

Es ist wohl als ein Glückumstand zu betrachten, daß sich außer dem 1969 niedergelegten Hercynenhaus, Johannisplatz 30, kein weiteres altes Verbindungshaus auf dem für den Bau des Universitätsturms abgerissenen Areal befand.

Dieser einschneidendsten, baulichen Veränderung des Stadtzentrums nach 1945 fiel aber der alte Eichplatz zum Opfer, auf dem neben der alten Burscheneiche auch das 1883 von Adolf Donndorf geschaffene Denkmal des Urburschen stand.

Es ist heute an der Nordostecke des Universitätshauptgebäudes aufgestellt.
(Quelle unbekannt)