Schloss Möchhof - Geschichtliches

(Aus „Die Chronik von Siebleben“ Streifzüge durch Ort, Zeit und Natur von Uwe W. Cölln, ISBN 3-937135-49-9, bearbeitet von W. Winkelmann)

1729

Das Schloss Mönchhof wird im Barockstil erbaut. Charakteristisch fiir den Bau sind das Mansarddach mit Dreiecksgiebeln, Fenster mit Voluten (schneckenförmige Schmuckelemente), die zweiläufige Freitreppe sowie Balkon und Balustrade. Der Bauherr ist vermutlich Adolph Christian Avemann, dessen Wappen sich über dem Hauptportal befindet. Er ist „Fürstlich-Sächsischer-Gothascher Geheimer Rat und Kanzler zu Friedenstein“. (Am 4.07.1736 steigt er durch Kaiser Karl V. in den Reichsadelsstand auf und nennt sich nun Adolph Christian Avemann von Letta).

Zum Schlossbau gehören südlich und westlich des Hauptgebäudes noch Scheunen und StäIle, die wahrscheinlich auf den Grundmauern des alten Klostergutes errichtet werden.

1800

Beginn der Gestaltung der Parkanlage des Mönchhofes (Fläche 10,4 ha) durch den Dessauer Landschaftsgärtner Johann Rudolf Eyserbeck (1765-1844) als englischer Park mit Baumgruppen, Alleen und Teichen. Die Anlage wird von einer geschlossenen Sandsteinmauer umgeben. (J. R. Eyserbeck ist Sohn des bekannten Gartenarchitekten und Wörlitzer Parkgestalters Johann Friedrich Eyserbeck (1734-1818) und war Herzoglicher Gothaer Obergärtner geworden. In den Jahren zuvor hatte er schon bei der Anlage des Gothaer Scltlossparks mitgewirkt. 1826 legt er den Park bei Schloss Molsdorf an. Sein Bruder Johann August Eyserbeck (1762-180 1) gestaltet die Parkanlagen in Potsdam-Sanscoucci und Berlin-Charlottenburg.

1814

Das Schloss Möchhof, welches zuvor im Krieg als Lazarett umfunktioniert wurde, wird renoviert.

1900 – 1918

Wohnsitz des herzoglichen Hofjägermeisters v. Minckwitz

1918

Park und Schloss Möchhof wird mit allen herzoglichen Besitztümern enteignet. Die Wohnungen im Schloss werden ausgebaut.

1919 – 1922

wohnt der KPD-Funktionär und Pädagoge Hermann Duncker mit seiner Familie im Schloss.

1937

Schloss, Park und Teiche werden vom letzten Herzog Carl-Eduard v. Sachsen- Coburg-Gotha (einen Freund Hitlers) an die Stadt Gotha übertragen. Im Rahmen der Fürstenabfindung war zuvor das Anwesen wieder in den Besitz der herzoglichen Familie gekommen.

1939

Schloss Möchhof wird Hilfskrankenhaus. 5 Baracken mit Krankenzimmer ergänzen das Objekt. Bis 1943 wird das Objekt als TBC - Heilstelle genutzt. Die Baracken werden aus Seuchen-Gefahrgründen abgerissen und verbrannt.

1945

Einquartierung von Umsiedlern

1953 – 1966

Schloss und Park wird von der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) übernommen. Das Gebäude wird als Verwaltung, Wohnraum für LPG-Mitglieder und Lagerfläche genutzt.

1966-1968

Am Schloss werden Umbauarbeiten vorgenommen. Eine Nutzung des Gebäudes kommt zum Ärger vieler Siebleber nicht mehr zustande.

1973

Erfolgten viele Initiativen zur Wiederbelebung und Verschönerung des Mönchparks. Es entstanden im östlichen Teil des Parks ein Spielplatz, Vogelvolieren, eine Freilichtbühne, Finnhütten (als Verkaufsstände) und eine Kegelbahn. Die Teiche wurden entschlammt und das ursprüngliche Wegenetz wiederhergestellt. Viele Siebleber, Gothaer Betriebe und Angehörige der Nationale Volksarmee der DDR unterstützen das Vorhaben tatkräftig. Es entsteht der Ort für das traditionelle Siebleber Sommer-Volksfest, welches jährlich stattfindet.

1989

Die Entscheidung des Vorsitzenden des Rates des Kreises Gotha, das zunehmend verfallende Schloss an die DDR Jugendorganisation (FDJ) zu übergeben, um daraus ein Jugendtourist-Hotel zu bauen, kann wegen der Wende nicht realisiert werden.

2000

Das Schloss Mönchhof wird für 3,3 Mill. DM saniert. Es entstehen 8 neue Evklusiv-Wohnungen. Der Wunsch vieler Siebleber, das Schloss nicht dem Verfall preiszugeben wird erfüllt.