Nebenbahn Fröttstädt – Georgenthal

(„Waldsaumbahn“) 1896 – 1947

Schon bei der Inbetriebnahme der Friedrichrodaer Bahn gab es Überlegungen, die Bahn eventuell weiter zu führen. So existierte bereits eine „Denkschrift über die Erbauung einer Thüringischen Gebirgsbahn“, die eine Weiterführung über Tabarz – Brotterode nach Salzungen vorsah. Als einige Jahre später allerdings die Idee einer elektrischen Überland-Schmalspurbahn von Gotha nach Tabarz („Thüringer Waldbahn“) aufkam, wurde dieser Plan einer Weiterführung fallen gelassen. Die Friedrichrodaer Bahn, bisher im Besitz des Landkreises Gotha, war mittlerweile in des Besitz der Königlich Preußischen Eisenbahn übergegangen und gehörte somit zum preußischen Eisenbahnnetz. Preußen hatte sich bei der Übernahme verpflichtet, weitere Eisenbahnbauten im Herzogtum Sachsen - Coburg und Gotha zu verwirklichen. Es entsprach zudem dem Zeitgeist (Gründerjahre), die Friedrichrodaer Bahn zu verlängern. Nach unterschiedlichen Projektierungen, heftigem Widerstand der Bevölkerung und bürokratischen Hindernissen wurde die Bahn 1896 schließlich bis Georgenthal verlängert, das damit zu einem Eisenbahnknotenpunkt wurde (Gotha – Georgenthal – Gräfenroda / Georgenthal – Tambach-Dietharz / Fröttstädt – Friedrichroda – Georgenthal). Der bisherige Bahnhof Friedrichroda wurde stillgelegt. Er wurde durch den Bahnhof Reinhardsbrunn-Friedrichroda ersetzt, der zusammen mit seinem Fürstenpavillon der schönste Bahnhof der Strecke und denkmalgeschützt ist.

Der Reinhardsberg wurde untertunnelt. Der Reinhardsbergtunnel ist 279,8 m lang, befindet sich an der höchsten Stelle der Bahnlinie (412 m) und ist ebenfalls in die Denkmalliste des Landkreises Gotha aufgenommen.

Der neue Bahnhof Friedrichroda wurde hinter den Tunnel verlegt, so dass Friedrichroda nun zwei Bahnhöfe hat. Die Linienführung der Strecke war nun: Fröttstädt – Waltershausen – Schnepfenthal - Reinhardsbrunn-Friedrichroda – Friedrichroda – Haltepunkt Schweizerhof – Schönau=Ernstroda – Georgenthal. Die Strecke besaß eine Gesamtlänge von 18,84 km und wurde am 1.11.1896 in Betrieb genommen.
(Weisser/Löffler, S. 85 ff)

 Die Blütezeit dieser Bahnlinie begann, um in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts ihren Höhepunkt zu erreichen. In den Bahnhöfen Friedrichroda und Schönau-Ernstroda wurden, auch im Zusammenhang mit dem Truppenübungsplatz bei Ohrdruf, Überholmöglichkeiten für lange Güterzüge eingebaut, der Streckenabschnitt von Fröttstädt bis Schnepfenthal war zweigleisig ausgebaut. Es gab durchgehende Kurswagen nach Berlin und Leipzig. Im Bahnhof Waltershausen fuhren täglich bis zu 36 Personenzüge ab.
(Weisser/Löffler, S. 97 ff)