Das Tinzer Schloss

Am Rand der Elsteraue liegend, wird schon 1290 ein „Tyncz" als slawisches Allodium (Eigengut) erwähnt. Die Vögte von Weida verkaufen 1319 das Vorwerk Tinz an die Vögte Heinrich IV. und Heinrich V. von Gera.

Der Name „Tyn" deutet auf eine Befestigung, evtl. eine Wasserburg, hin. Auf jeden Fall stand später dort das Herrschaftliche Kammergut zu Tinz, zu dem auch die Schäfereien Ernsee und Bieblach gehörten. Die Landschaft der Elsteraue hatte es Graf Heinrich XXV. angetan und schon lange gehörte diese Gegend zu seinen Lieblingsplätzen. Also ließ er dort 1745 eine Sommerresidenz bauen und gleichzeitig einen Park anlegen. Beauftragt wurde damit der Barockbaumeister Gerardo Hoffmann. Die Steinmetzarbeiten führte der Steinmetz Daniel Schneider aus. Leider wurde für den Bau die Burgruine auf dem Hausberg in Langenberg geplündert und die dortigen Steine als Baumaterial abtransportiert und für den Schlossbau eingesetzt. Wahrscheinlich war es so, wie immer wieder Historiker berichten, einen Beweis für diese Behauptung gibt es aber bisher nicht. Dagegen ist belegt, dass die übrigen Steine in den Steinbrüchen bei Falka gebrochen und als Fronfuhren herangekarrt wurden, was mitunter zwei oder drei Tage dauerte.

Mit dem Schlossbau begann auch die Anlage des Parkes im geometrisch gegliederten französischen Gartenstil. Knapp 100 Jahre später wurde dieser zeitgemäß dem englischen Stil angepasst. Heinrich XXV. starb, und sein Sohn vollendete Schlossbau und Parkanlage. Der dreigeschossige Barockbau mit Mansarddach, Pilastergliederung der Fassade, Mittelrisalit mit Giebeldreieck, mit Festsaal und Räumen mit Rokoko-Stuckdekorationen, wirkte ansehnlich. Das Wasser der Brahme füllte die das Schloss an drei Seiten umgebenen Wallgräben. So entstand ein Wasserschloss und an vier Stellen überspannten Brücken die Wallgräben.

 Es war damals Mode, im Park eine Stätte der Einkehr, einen Rückzugsort vom Hofleben, zu schaffen. So ließ sich 1766 auch Heinrld XXX. eine Eremitage am Rande des Parkes bauen. Sie war einfach, schlicht und dem Einsiedlerdasein geweiht. Von ihr, so wird berichtet, hatte man einen sehr schonen Blick auf Gera und die Elsteraue. So war auch der große Brand von Gera im Jahre 1780 nicht zu übersehen. Heinrich XXX. stellte Räume des Schlosses und des Kammergutes als Notunterkunft für Opfer des Brandes sofort zur Verfügung. Eine Fasanerie gab es auch im Park, kleine Teiche, den Schwanenteich und einen prächtigen Baumbestand. Mitunter werden die Fasanerie und die Fasaneninsel gleichgestellt. Das ist nicht richtig. Die Fasaneninsel war eine mit Elsterwasser gefüllte Kiesgrube, ein kleiner reizvoller See, beim Gleisdreieck der Eisenbahnlinien Gera Leipzig und Gera-Weimar. Er wurde im Zuge der Elsterregulierung verfüllt und heute steht das ehemalige Geraer Kompressorenwerk darauf. Das Wasserschloss erfuhr später unterschiedliche Nutzung. Nach 1914 wurde es Jugendverbänden übergeben, war Volkshochschule, Parteischule und dann fand die NVA daran Gefallen. Immer wieder erlebte es Veränderung. Der Park wurde durch den Straßenbau vom Schloss getrennt, die Eremitage fiel 1922 einer Brandstiftung zum Opfer, Teile des Parkes mussten dem Gleisanschluss und dem Lagerplatz des Heizkraftwerkes Gera-Nord weichen und zu guter Letzt wurden die Wassergräben verfüllt. Heute wartet das einst schöne Wasserschloss auf einen Investor und damit auf bessere Zeiten. Gegenwärtig befindet sich im Tinzer Schloss eine Nebenstelle des Landgerichts Gera.

(Quelle: "Die Elsteraue bei Langenberg", Geschichte am Fluss von Jürgen Geiling.)