Die Geschichte der Kirche Langenberg

Der geistliche Mittelpunkt des Burgwardbezirkes wird anfangs die Kapelle der ehemaligen Burg auf dem Hausberg gewesen sein, deren Stelle dann im 12. Jahrhundert die Pfarrkirche an der Wegkreuzung unten im Ort übernommen hat. Ein Rest dieser erste Kirche könnte noch in dem großen Turmerdgeschoss zu finden sein. Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgten nach Abbruch der Apsis im Osten und dem Bau des zweijochigen Hochchores und des Langhauses weitergehende Veränderungsbauten. 1502 erhielt das romanische Turmerdgeschoss seinen Oberbau und den bis in die Höhe von 60 Metern aufsteigenden spitzen und in sich gedrehten, achteckigen Helm. Veränderungs- und Erweiterungsbauten des 17. und 18. Jahrhunderts haben dem Langhaus die Gestalt von heute gegeben und an der Südfront Sakristei und Patronatsloge angefügt.

Mit der Renovierung und Restaurierung der Innenausstattung von 1984/1985 hat die Langenberger Kirche eine recht würdige Gestaltung erfahren. Im ausgewogenen Spiel von lichten und bunten Farbtönen zeigen sich die Bänke, die Doppelempore, die Kanzel von 1675 und der Taufstein von 1618 und der mit Laubwerk verzierte Orgelprospekt. 1755 hatte der Geraer Orgelbaumeister Christian Ernst Frederici für die Langenberger Kirche eines seiner großen Werke geschaffen. 1898 wurde es durch ein pneumatisches Werk ersetzt; der Prospekt der alten Frederici-Orgel aus der Hand des Geraer Bildhauers Rockstroh blieb erhalten.

Der Mittelbau unter dem Turm, in dessen Bogen 1675 ein großer Kanzelbau eingefügt war, ist nun wieder ein freier Raum. An seiner Südseite öffnet sich der ehemalige Herrschaftsstand mit geschweifter Brüstung zur Kirche hin, verziert durch barocke Schnitzerei und das reußische Wappen. Mittelpunkt des gotischen Hochchores ist der Silberalter, ein Schnitzwerk aus dem Jahre 1491. Der Altarschrein, der 1680 übermalt und beiseite gestellt worden war, hat nun wieder seinen alten Platz auf dem steinernen Altarsockel. Er zeigt in seiner Mitte Maria, die das Jesuskind auf dem rechten Arm und einen Apfel in der linken Hand hält. Beiderseits von ihr sind in zwei Reihen übereinander die 14 Nothelfer dargestellt. Die gut erhaltenen Schnitzfiguren sind das Werk eines unbekannten Meisters. Er hat den männlichen Heiligen scharf profiliert, den weiblichen konventionell rundliche Gesichtszüge gegeben. Als bei einer Restaurierung im Jahre 1927 die Übermalung entfernt wurde, kam der silberne Hintergrund, vor dem die Heiligen stehen, wieder zum Vorschein. Im hohen Gesprenge über dem Mittelschrein steht auf hohem Sockel unter einem Baldachin Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Beiderseits des Sockels stehen die Apostel Andreas und Thomas. Die Aufsatzfiguren entstammen einem anderen Flügelaltar und sind wahrscheinlich 1680 als Ersatz für die ursprüngliche Bekrönung genommen worden. Die beiden Seitenflügel tragen keine Schnitzfiguren, auf ihnen sind nach Entfernung der Übermalung im oberen Teil die Verkündigung Mariä und der Besuch der Maria bei Elisabeth zu sehen. Die unteren Bilder zeigen Jesus im Gefolge von Gestalten in hellen und dunklen Gewändern und Engel und Hirten mit weißen und dunklen Schafen. Auch die Predella, die den Schrein trägt, scheint ein Ersatz zu sein. Statt der üblichen Schnitzfiguren zeigt sie das Wappen der Familie von Schauroth, die 1680 den Altar übermalen ließ.

Mit der Kirche hat der Ort Langenberg, der auf eine lange, reiche Geschichte zurückblicken kann, das einzige Baudenkmal aus großer, alter Zeit.

(Quelle: „Kirchen in Gera und Umgebung“ Evangelische Verlagsanstalt Berlin)