Dr. Felix Friedrich.

Johann Ludwig Krebs und Altenburg

Zu seinem 225. Todestag im Jahr 2005

Als knapp 43jähriger kam der bekannte Bachschüler Johann Ludwig Krebs nach Altenburg.

Zuvor hatte er als Organist in der Marienkirche in Zwickau, dem heutigen Dom, und an der Schlosskirche in Zeitz gewirkt. Mit seiner Anstellung als Hoforganist in Altenburg im Herbst 1756 sollte sein lange gehegter Wunsch in Erfüllung gehen, eine Organistenstelle an einer erstklassigen Orgel zu finden, die seinem virtuosen Spiel und seinen kompositorischen Fähigkeiten entsprach. Durch den Weggang des bisherigen Hoforganisten Johann Christian Kluge nach Dresden war die Stelle an der Trost-Orgel der Altenburger Schlosskirche frei geworden. Das Konsistorium in Altenburg schlug dem Herzog sofort Krebs vor: Es sei niemand „geschickter, als der derzeitige Schlossorganist zu Zeitz, Johann Ludwig Krebs, so in der Musik sowohl als besonders im Orgel-Schlägen viele Wißenschaft besitzet, auch wegen seines guten Lebens-Wandels bekannt ist, und diese Stelle anzunehmen sich bereits erkläret ..“ Krebs folgte diesem Ruf nach Altenburg und reiste Mitte September 1756 für 7 Tage nach Gotha, wo er sich einer Prüfung unterziehen musste, die der dortige Hofkapellmeister Georg Benda (1722 - 1795) persönlich abnahm. Dessen Urteil fiel erwartungsgemäß aus: „Auf Hochfürstl. gnädigsten Befehl habe des zu erledigten Organisten Stelle zu Altenburg in Vorschlag gekommenen Krebsens Profects unter- sucht und gefunden, dass derselbe zu sothaner Stelle überaus geschickt und der Orgel völlig mächtig ist, mithin unter gar vielen von seiner Kunst einen mercklichen Vorzug vor diene. Wobey unterthänigst zuberichten nicht ermangele, dass derselbe bey angestellter Prüfung gegen mich geäußert, was maßen er, da er vernommen, dass der Gehalt eines Organisten zu Altenburg sich fast nicht höher als dasjenige beliefe, was er seithero als Organist zu Zeitz genoßen, der unterthänigsten Hoffnung lebe, man werde ihm zu mahl er eine zahlreiche Familie und sieben Kinder am Leben habe, etwas an Korn oder sonst einige Zulage gnädigst angedcyen laßen ...“

Nach seiner Kündigung am 20. Oktober in Zeitz, trat Krebs bereits drei Tage später seinen Dienst in Altenburg an.

Die Übergabe der Schlossorgel erfolgte am 23.10. im Beisein des Calcanten Schetzer, des Hoforgelbauers Trost sowie einem Angehörigen der herzoglichen Kammer. Krebs sollte auch hier keine von ihm immer wieder begehrte Silbermann-Orgel vorfinden. Aber das von Tobias Heinrich Gottfried Trost erbaute Instrument galt bereits zu dieser Zeit als ein herausragendes Werk des mitteldeutschen Orgelbaus, über das Krebs 1767 schrieb: „... eine so schöne und vortreffliche Orgel welche doch wenig ihresgleichen hat“. Als Hoforganist hatte Krebs den Rang eines Gancellisten.

Mit Krebs' Amtsantritt sollte eine neue und sehr prägnante Etappe in der Musikgeschichte dieser Stadt ihren Anfang nehmen. Für Krebs selbst begann damit der reife und zugleich letzte Lebensabschnitt.

Der Umfang seiner dienstlichen Verpflichtungen als herzoglicher Hoforganist scheint sich in engen Grenzen gehalten zu haben: Gottesdienstliches Spiel am Sonntag und in größeren Abständen repräsentative kirchenmusikalische Aufführungen bei Anwesenheit des Herzogs in Altenburg. Sein jährliches Gehalt betrug 183 MFL. und 18 hgl. So blieb ihm Zeit für die kompositorische Betätigung, deren Schwerpunkt in Altenburg auf dem Instrumentalschaffen lag. Neben weiteren Orgelkompositionen entstanden die reizvollen, leider heute viel zu wenig beachteten Orchesterwerke, gedacht für Aufführungen am Altenburger Hofe: Die Lautenkonzerte, die Streichersinfonien und das Doppelkonzert h-Moll für Oboe, Cembalo und Streicher sowie wahrscheinlich als letztes Werk das „Divertimento per il Cembalo solo”. Es ist durchaus denkbar, dass er den Solopart der beiden Konzerte für Laute und Streicher selbst aufführte, denn das von Bach ausgestellte Zeugnis am Ende seiner Lehrzeit in Leipzig bescheinigt ausdrücklich Krebs' gutes Spiel auf der Laute.

Aber auch Kammermusik schuf Krebs in Altenburg:

6 Sonaten da Camera für Flöte (oder Violine) und Cembalo, 6 Sonaten für Violine allein. Stilistisch dem sich wandelnden Zeitgeschmack angepasst, sollten diese Werke nach seinen eigenen Worten „zur Gemüths-Ergötzung und Angenehmen Zeitvertreib“ dienen. Er habe sie „so leicht und melodieux“ geschrieben, um sie allen Musikfreunden zugänglich zu machen. Aber auch einige wenige, sehr prächtig instrumentierte Kantaten komponierte er in Altenburg. Neben seiner Tätigkeit als Hoforganist trat Krebs auch als Orgelgutachter in Erscheinung. Noch während seiner Amtszeit in Zeitz hatte er 1753 die Friderici-Orgel in der Stadtkirche zu Meerane abgenommen. Im Wechsel mit den Altenburger Stadtorganisten begutachtete und examinierte er Orgeln in der Umgebung der Residenzstadt, so beispielsweise am 26. August 1757 das von Christian Gottfried Friderici erstellte Werk in der Schlosskapelle Posterstein oder das Instrument von dessen Bruder Christian Ernst in der St. Jacobikirche zu Chemnitz im gleichen Jahr, ferner die von Donati erbaute Orgel in der Kirche zu Langenchursdorf am 17. Februar 1770 und die Mauer-Orgel in Tegkwitz am 17. Oktober 1770. Im Jahre 1758 berichtete Krebs von seiner achtköpfigen Familie, darunter von den Söhnen Johann Gottfried und Ehrenfried Christian Traugott, die später ebenfalls als Organisten an der Stadt- bzw. Schlosskirche in Altenburg als geschätzte Musiker tätig waren und die Krebssche Familientradition fortsetzten.

1768 erreichte ihn ein ausländisches Angebot für eine Organistenstelle in Livland. Er lehnte jedoch ab. Sicherlich war die Bindung an seine Altenburger Orgel der wichtigste Grund für diese Absage. Vielleicht widerstrebte aber dem 55jährigen ein Stellenwechsel.

Krankheit und Alter machten sich ab etwa 1775 in stärkerem Maße bemerkbar. Er beklagte vor allem das Nachlassen seiner Sehkraft, was ihn ebenso wie Bach besonders schlimm traf. Im gleichen Jahr bat er das Konsistorium, seinen Sohn Ehrenfried Christian Traugott als Vertreter bzw. Nachfolger bei seinem Tode zu berufen. Nach erfolgter Prüfung und einem Gutachten von Georg Benda wurde diesem Wunsche stattgegeben. In jenem Gutachten befindet sich der bedeutungsvolle Satz Bendas über Johann Ludwig Krebs, der „einer der geschicktesten Organisten in Deutschland“ sei.

1780, am Neujahrstage, starb Johann Ludwig Krebs in Altenburg in seiner Wohnung am Kornmarkt.

Eine von Günter Morgner geschaffene Relief-Gedenktafel im Eingangsbereich der Schlosskirche erinnert an den genialen Bachschüler.

(Quelle: „Altenburger Geschichts- und Hauskalender“ 2005, E. Reinhold Verlag)