Das Kloster in Bad Klosterlausnitz

In der 2. Hälfte des 11. Jh.s wurde die abendländische Kirche von einer tiefgreifenden und folgenreichen Reformbewegung erfaßt, in deren Zentrum die Kritik an den Weltgeistlichen stand. Nach den Vorstellungen der Reformer sollten auch sie kanonisch leben, das heißt nach der Art der Mönche. So entstand, ohne daß es zunächst Absicht war, der neue Orden der Regularkanoniker, oder wie seine Mitglieder später genannt wurden, die Augustiner-Chorherren. Wie die übrigen Mönche waren sie zu Armut, Keuschheit und Gehorsam verpflichtet. In Thüringen unterhielten sie mehrere Klöster, das bedeutendste in Erfurt, in das später Martin Luther eintrat. Die Augustiner-Chorfrauen dagegen ließen sich in dem damals erst dünn besiedelten und abseits der Verkehrswege gelegenen Holzland nieder.

Die Gründerin des Lausnitzer Augustiner-Chorfrauenstiftes („Cella Sanctae Mariae" - Einsiedelei der heiligen Maria) war die adelige Witwe Kuniza (12. Jh.), die lange ein frommes ^eben geführt und sich dem Einsiedler Sigeboto angeschlossen hatte. Mit der Hilfe ihres Verwandten Gerhard von Hainspitz, einem der Camburger Burgmannen, kam sie mit neun weiteren -Tauen an die mitten im Wald gelegene Quelle des Baches Lausnitz, wo sie 1138 ihr Kloster errichten ließ. Zum ersten Propst berief Kuniza den Priester Lupold von Apolda. Bald darauf wurde mit dem Bau der Kirche begonnen. Um 1180 wird sie vollendet gewe­sen sein. Seit 1230 konnte das Kloster, in dem etwa 30 Nonnen lebten, mehrere Güter und die Patronatsrechte über 15 Pfarrkirchen erwerben. Eine so große Bedeutung wie das Bürgeler Kloster erlangte das viel kleinere Lausnitzer jedoch nicht. Zum Kloster gehörte auch eine Glashütte. 1196 wird sie erstmals urkundlich erwähnt. Damit müßte sie die älteste Thüringens sein. Bei ihr handelte es sich, wie im Mittelalter üblich, um eine Wald-und Wanderhütte. Flurnamen wie „Bei der Glashütte" und „Glashüttengraben" in der Nähe von Weißenborn verweisen auf den abgelegenen Standort. Es wurde vorwiegend einfaches Tafelglas hiergestellt. Obwohl die Glasmacher Hörige waren, erlangten sie mit der Zeit eine privilegierte soziale Stellung. Durch Hütten wie in Lausnitz wurde die aus der Antike überkommene Technologie der Glasmacherei an die Neuzeit weitergegeben. 1927 wurde durch Studenten der Universität Jena nach der Hütte gesucht. Als Berater wurde Otto Schott von den Jenaer Glaswerken herangezogen. Der vermutete Standort konnte zwar bestätigt werden, Glasfunde wurden jedoch nicht gemacht. Vielleicht handelte es sich im Lausnitzer Wald nur um eine Vorschmelze, während die eigentlichen Glasprodukte anderswo hergestellt wurden. Auch war nicht festzustellen, wie lange die Hütte existiert hat. 1522 wurde das Kloster als eines der ersten in Thüringen aufgehoben, doch 1537 lebten im Lausnitzer Kloster noch fünf Nonnen. Dann verfielen die Gebäude. Die Kirche, nun von den Bewohnern des Dorfes genutzt, erwies sich als viel zu groß, so daß 1678 das Mittelschiff und die Türme abgetragen wurden. Im 19. Jh. wurden verschiedene Wiederherstellungskonzepte diskutiert. Da der Verfall aber weit fortgeschritten war, kam eine Restaurierung wie in Bürgel nicht in Frage. Schließlich rekonstruierte der mit den Arbeiten vom Altenburger Herzog Ernst I. beauftragte preußische Baumeister Ferdinand von Quast die Kirche unter Verwendung originaler Teile, insbesondere an der Ost-Partie sind noch die stilreinen romanischen Formen zu erleben. 1866 wurde die neue Kirche geweiht.

(Quelle: „An der Saale und im Holzland“ von Detlev Ignasiak; Quartus-Verlag Jena)