Dr. Felix Friedrich
Friedrich Wilhelm Stade
Eine denkwürdige Altenburger Musikerpersönlichkeit

Am 25. August 1817 in Halle geboren, besuchte Stade zunächst die Lateinschule der Frankeschen Stiftung in der Saalestadt. Danach vollendete er seine musikalischen Studien zusammen mit Robert Franz bei Friedrich Schneider in Dessau. Ein erstes Engagement führte ihn mit achtzehn Jahren 1835 als Opernkapellmeister an das Bethmannsche Theater nach Halle. Im Jahre 1845 bekam er die Stelle des Universitätsmusikdirektors in Jena zugesprochen. In der Saalestadt bahnte sich ein sehr enges und fruchtbares Verhältnis zu Franz Liszt an. Weitere nachweisbare Begegnungen Stades mit Richard Wagner und dem Dichter Rochus von Liliencron fallen ebenfalls in die Jenaer Zeit. Sein Kompositionsstil wurde natürlich durch Liszts Vorbild stark geprägt. Stade profilierte sich in Jena außerdem als bedeutender Organist und Pianist. Seine Orgelkonzerte, die er an der Stadtkirche St. Michael veranstaltete, fanden großes Interesse und wurden oft von Liszt besucht. Zusammen mit Rochus von Liliencron gab er 1854 „Lieder und Sprüche aus der letzten Zeit des Minnegesangs“ heraus. Bei seinem Weggang aus Jena verlieh ihm die Universität den Ehrendoktortitel der philosophischen Fakultät. Das Musikleben dieser Stadt hatte er nachdrücklich beeinflusst, besonders durch die von ihm begründeten so genannten „Rosen-Konzerte“.

Ab 1860 war Stade in Altenburg in der Doppelfunktion als Hofkapellmeister und Hoforganist tätig. Diese Anstellung verdankte er Herzog Ernst I. Er engagierte sich sofort mit seinem Dienstantritt in der Skatstadt für die Beförderung der Musik. Auf den beiden Tonkünstlerfesten des Allgemeinen Deutschen Musikvereins stellte er 1868 und 1876 dem Musikleben in Altenburg als Erstaufführung die Sinfonie fantastique, das Requiem und die sinfonische Dichtung Romeo und Julia von Hector Berlioz vor. Das war eine bedeutende kulturhistorische Tat, derer zu Beginn unseres Jahrhunderts Hugo Riemann in seinem Musiklexikon nachdrücklich gedachte.

Es ist überhaupt das Verdienst Stades gewesen, in seiner Altenburger Zeit eine ganze Reihe vernachlässigter Werke der Sinfonik in seinen Konzerten vorgestellt zu haben. Auch für das progressive Musikschaffen hat er sich sehr engagiert eingesetzt. Außerdem war er als Herausgeber von Werken Bachs in Händels tätig.

In Altenburg erwarb er sich neben seiner Lehrtätigkeit am Seminar bald einen Namen als Chorleiter der von ihm gegründeten Singakademie. Als Organist hatte er auch außerhalb der Grenzen der ehemaligen Residenzstadt einen hervorragenden Ruf. Ab 1874 bis zu seinem Tode am 24. März 1902 war er allerdings nur noch als Organist an der Schlosskirche in Altenburg tätig.

Als Mensch wurde Stade allgemein verehrt. Die jüngeren Künstler fanden bei ihm stets das liebenswürdigste Entgegenkommen bei seltener Bescheidenheit und Uneigennützigkeit.“

Von seinen insgesamt nicht sehr zahlreichen Kompositionen begegnet man im Zuge der gegenwärtigen Neuentdeckung des 19. Jahrhunderts ab und zu Orgelkompositionen. Sie nehmen natürlich breiten Raum im Schaffen Stades ein: Phantasien, Präludien choralgebundene Werke und Studienliteratur. Daneben ist Chor- und Kammermusik zu nennen: Sonaten für Klavier, Violinsonaten aber auch sinfonische Werke: Sinfonien, Ouvertüren sowie Musik zu „Orestes“ - ein Requiem und Kantaten. Zu seiner Zeit wurde er besonders durch die Liedschöpfung Jena (,‚Auf den Bergen die Burgen, im Tale die Saale“) für Männerchor bekannt.

Stilistisch zwischen Mendelssohn, Brahms und Liszt stehend, gebührt Stade als einem der zahlreichen aber nicht gänzlich unbedeutenden mitteldeutschen Komponisten am Ende des 19. Jahrhunderts aus Beachtung. Obwohl Stade sich bereits in seiner Jenaer Zeit mit der Veranstaltung von Orgelkonzerten dieses Instrumentes annahm, so dürfte die Orgel vor allem ab 1860 sein Leben wesentlich geprägt haben. Vermutlich schuf er ab 1860 die meisten, wenn nicht sogar alle seiner Orgelkompositionen. Als er in diesem Jahr die Stelle des Hoforganisten in Altenburg übernahm, stand ihm die nahezu unverändert gebliebene Orgel von Heinrich Gottfried Trost aus dem Jahre 1739 zur Verfügung. Mit der klanglichen Konzeption dieses Werkes dürfte jedoch Stade nur bedingt einverstanden gewesen zu sein. Regelmäßige Besuche von Liszt in Altenburg prägten sicherlich außerdem Stades Bild von einer Orgel, so dass die während seiner Amtszeit erfolgte grundlegende Veränderung der Trost-Orgel eine zwangsläufige Folge war.

Im Jahre 1880 initiierte er diesen von Friedrich Ladegast durchgeführten romantisierenden Umbau des Instrumentes. Vielleicht ging die Anregung zu diesem Umbau sogar von Franz Liszt aus. In einem Gutachten zu diesem Umbau schrieb Stade:

„… da die neuere Zeit so große Fortschritte in der Mechanik der Orgelbauer, so viele neue Erfindungen in der Construction der Orgel gemacht hat, so dass manche Stimmen des alten Werkes überflüssig, nutzlos sind, da die Intonation der Orgel an Würde, an Volumen des Tones gewinnen soll - daher ist ein Umbau der Orgel höchst wünschenswert, ja geboten.“

Nach Stades Worten sollte die Orgel nach dem Umbau eine der bedeutendsten in ganz Deutschland werden. Ladegast hatte die Trost - Orgel zu einem von fran­zösischem Geist beeinflussten dreimanu­aligen Werk umgewandelt. Unvergessen bleibt Stades Beitrag für das Musikleben in Altenburg. Auch seinen Kompositionen schenkt man zunehmend Interesse. Erst in jüngster Zeit erschien ein Band mit Orgelkompositionen im Druck und auf einer CD-Einspielung kann man seine Werke bewundern.

(Quelle: „Altenburger Geschichts- und Hauskalender 1997“, E. Reinhold Verlag Altenburg)