Der Altenburger Prinzenraub und der Sächsische Bruderkrieg

Der Altenburger Prinzenraub war ein Ereignis des Sächsischen Bruderkrieges im 15. Jahrhundert. Die Differenzen zwischen Kunz von Kauffungen und dem sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Sanftmütigen (1428–1464) gehen zurück auf den „Sächsischen Bruderkrieg“ 1446–1449. Von Kauffungen beteiligte sich, angeblich auf Bitten Friedrichs, auf der kursächsischen Seite am Krieg, und wurde bei Gera gefangen genommen. Er musste ein Lösegeld von 4000 Gulden für seine Freilassung zahlen. Nach dem Ende des Krieges (wahrscheinlich 1451–52) forderte er vom Kurfürsten eine Entschädigung für das Lösegeld und für die Zerstörungen an seinen Gütern in Thüringen. Der Kurfürst wies die Forderungen jedoch mit dem Argument zurück, dass Kauffungen als freier Ritter auf eigenes Risiko in den Krieg eingetreten sei. Nach jahrelanger Debatte wurde 1455 schließlich die Überprüfung durch ein Schiedsgericht beschlossen. Angesichts des zu erwartenden Urteils reifte bei Kunz von Kauffungen jedoch der Plan, sein vermeintliches Recht auf eigene Faust durchzusetzen. Zusammen mit den Rittern Wilhelm von Mosen und Wilhelm von Schönfels, die ebenfalls eine Rechnung mit Kursachsen offen hatten, und einem Trupp aus 30 Reitern begab er sich in der Nacht zum 8. Juli 1455 zur Burg des Kurfürsten, dass heutige Altenburger Schloss, und entführte die beiden Söhne Friedrichs, die Prinzen Ernst und Albrecht. Dabei kam ihm seine Ortskenntnis als ehemaliger Kommandant des Schlosses zugute, sowie die Umstände, dass der Kurfürst auf Reisen und der übrige Hofstaat auf einer Hochzeitsfeier war. Am Tag zuvor hatten Kauffungen, Mosen und Schönfeld Fehdebriefe (formale Kriegserklärungen) an den Kurfürsten abgeschickt. Bei der Vorbereitung seines Planes half ihm der Küchenjunge Hans Schwalbe im Schloss Altenburg, indem er eine Strickleiter herunter lies Nach vollbrachter Tat trennten sich die Entführer. Wilhelm von Mosen und Wilhelm von Schönfels zogen mit dem Prinzen Ernst über das Vogtland nach Böhmen, während Kauffungen versuchte, mit Albrecht über eine östlichere Route, über Stollberg und Thalheim seine Güter in Böhmen zu erreichen. Von dort aus wollten sie Lösegeldforderungen stellen. Noch am selben Tage gelang es Albrecht jedoch zu entkommen und Hilfe zu holen. Die herbeigerufenen Männer (nach verschiedenen Quellen: Dorfbewohner, Köhler, Mönche) stellten und überwältigten Kunz von Kauffungen und seine Reiter in der Nähe des Klosters Grünhain im Erzgebirge. Mosen und Schönfels kamen mit dem anderen Prinzen über Zwickau in den Hartensteiner Flur. Dort versteckten sie Prinz Ernst in einer Höhle (heutige Prinzenhöhle). Nachdem Mosen und Schönfels merkten, dass ihr Plan zum Scheitern verurteilt war(es war die Kunde von der Festsetzung Kunz von Kauffungens in aller Munde), nahmen sie Verhandlungen mit dem Hartensteiner Schlossherrn Friedrich von Schönburg auf und erreichten Straffreiheit und freien Abzug im Austausch gegen den anderen Prinzen. Kunz von Kauffungen jedoch wurde in Freiberg vor dem Gericht der Berggeschworenen wegen Landfriedensbruch angeklagt. In der Verhandlung berief er sich auf seine gerechtfertigte Forderung und auf den Fehdebrief, der nach damaligem Recht den Landfrieden außer Kraft setzte. Jedoch ging dieser Fehdebrief (angeblich) ebenso wie die Fehdebriefe von Mosen und Schönfeld erst am Tag nach der Entführung auf Schloss Altenburg ein. Bereits am 13. Juli 1455, also nur 5 Tage nach der Tat, wurde Kauffungen für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Bereits am folgenden Tag wurde er auf dem Freiberger Obermarkt, ebenso wie einige seiner Helfer enthauptet. Aufgrund von Zeitdruck und aus organisatorischen Gründen musste Kauffungen eine standesgemäße Henkersmahlzeit verwehrt bleiben, er soll statt dessen zwei Krug Freiberger Bier verlangt haben. Die Stelle, an die der enthauptete Kopf gerollt sein soll, ist heute noch mit einem blauen Pflasterstein gekennzeichnet. Die Augen des steinernen Kopfes am Rathauserker sind auf diese Stelle gerichtet. Der Küchenjunge Hans Schwalbe, als Gehilfe Kauffungens innerhalb des Schlosses (er lies die Strickleiter herunter) wurde ebenfalls gefangen und nach Zwickau gebracht. Dort wurde er mit glühenden Eisen grausam gefoltert. Am 28. Juli 1455 wurde Hans Schwalbe auf dem Zwickauer Markt gevierteilt. Als Sächsischer Bruderkrieg werden die kriegerischen Auseinandersetzungen bezeichnet, die von 1446 bis 1451 um die wettinischen Herrschaftsgebiete zwischen den Brüdern Herzog Wilhelm III. (der Tapfere) und Kurfürst Friedrich II. (der Sanftmütige) von Sachsen geführt worden sind. Am 16. Juli 1445 war in Altenburg zwischen beiden Brüdern die Altenburger Teilung beschlossen worden. Als Friedrich II. am 26. September 1445 in Leipzig den westlichen Teil und nicht die Markgrafschaft Meißen wählte, lehnte Wilhelm III. die Teilung rigoros ab. Er erreichte am 11. Dezember des gleichen Jahres im Kloster Neuwerk bei Halle (Saale) den so genannten Halleschen Machtspruch, an dem als Schiedsrichter der Erzbischof von Magdeburg, der Markgraf von Brandenburg und der Landgraf von Hessen aktiv mitwirkten. Dieser Machtspruch brachte die endgültige Entscheidung bei der Teilung Kursachsens in zwei Teile. Kurfürst Friedrich II. erhielt nun den östlichen und Herzog Wilhelm III. den westlichen Teil des Landes mit der alten Landgrafschaft Thüringen und Gebieten des Osterlandes. Doch auch durch diese schiedsrichterliche Landesteilung fühlte sich der junge ungestüme Herzog Wilhelm III. immer noch benachteiligt. Statt des durch die vorgenommene Teilung erhofften Friedens kam es zu einer Folge von mehreren, sich über fünf Jahre hinziehenden schwerer Fehden. Bevor die Kampfhandlungen ausbrachen, ließ Wilhelm III. am 9. Januar 1446 einen allgemeinen Landtag nach Weißensee (Thüringen) einberufen, wo er sich als neuer Herr in Thüringen huldigen ließ und die Belehnungen der Grafen und Herren in Thüringen erneuerte und sich dadurch die erforderliche Unterstützung der Stände sicherte. Aufgrund der befürchteten militärischen Invasion seines Bruders Friedrich II. wurde auf dem Weißenseer Landtag in aller Eile eine Landesordnung verabschiedet, die die erste in der Geschichte Thüringens und eine der frühesten im deutschsprachigen Raum war. Im Frühherbst 1446 eskalierten die Spannungen zwischen Friedrich II. und Wilhelm III. Obwohl sich u. a. Graf Botho zu Stolberg als Geheimer Rat Wilhelms um eine friedliche Lösung bemühte, ließ sich Letzterer durch seinen Vasall Apel Vitzthum auf Niederroßla gegen seinen älteren Bruder aufstacheln. Aus rein persönlicher Machtgier waren Apel Vitzhum und einige seiner adeligen Mitstreiter, darunter Busse Vitzthum, Friedrich von Witzleben und Bernhard von Kochberg, die treibenden Kräfte für einen mörderischen Krieg, der große Teile Thüringens, hauptsächlich zwischen Weimar, Wiehe, Merseburg und Dornburg / Saale verwüstete. Ruhe zog in Thüringen erst wieder ein, als am 27. Januar 1451 in Naumburg (Saale) der Friede zwischen Friedrich II. und Wilhelm III. wiederhergestellt und die Landesteilung von 1445 bestätigt wurde. Erst jetzt konnte sich in beiden wettinischen Landesteilen dem inneren Ausbau gewidmet werden. Das Nachspiel des sächsischen Bruderkrieges war der Sächsische Prinzenraub im Juli 1455.

(Quelle: Regina Röhner „Der sächsische Prinzenraub“ ERINNERUNGEN - ORTE, GEGENSTÄNDE, LEGENDEN UND SAGEN, Chemnitzer Verlag 1993 (4. erweiterte Auflage 2002) ISBN: 3-928678-11-6 )