Von Wenigenbuttstedt

Die allgemein verbreitete Ansicht, Wenigenbuttstedt sei im Dreißigjährigen Kriege zerstört worden, ist nicht ganz richtig. Aus den mir zur Verfügung stehenden Akten und Urkunden habe ich von einer gänzlichen Zerstörung nichts festzustellen vermocht. Wenigenbuttstedt wurde vielmehr von seinen Bewohnern verlassen.

Wie so viele Dörfer mußte auch Wenigenbuttstedt etwa von 1632 an die Greuel des Krieges über sich ergehen lassen. Wenn man die alten Schriften liest, gewinnt man Verständnis für die durch die Schweden verursachten Leiden der Wenigenbuttstedter Einwohner. Um nicht den verwahrlosten Soldaten ausgeliefert zu sein, verließen sie lieber ihr Heimatdorf, ließen Haus und Hof verfallen, suchten und fanden Schutz in Buttstädt, hinter dessen festen Stadtmauern.

Das Regentenbuch meldet darüber folgendes:

„Anno 1641 ist das Dörfflein wenigen Buttstedt, dann der Rath allhier die Gericht hatte, durch Krieg und Plünderung ganz eingegangen undt die einwohnern darinn hieher in die Stadt gezogen; und weil die Streiffdiebe der Soldaten Sich darin heimlich aufgehalten, hat der Rath etzliche noch wuest stehende Häußlein abschaffen lassen undt ist also die gemeinde vergangen, auch das Kirchspiel seine Endtschaft nehmen müssen. Der Pfarrherr ist damals gewesen Herr Heinrich Gehrlach, ein Stadt Kind, so nacher Gutenhausen vociret worden. Die zwo Kleinen Glocken seindt von bekannten Dieben heimlich von den Thurm genommen, die große anhero in die Wage beigesetzt worden.“

Quelle: Buttstädt im Wandel der Zeit
Bd. 2, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 1. Aufl.1994, Autor Paul Krämer (1931)