Sage um die Entstehung des Ortes Kummer
D-04626 Schmölln-Kummer
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Der Tegwitzer Pfarrer Sander erzählte ums Jahr 1594 seinem Monstaber Amtsbruder Tauchwitz, es sei in Schmölln, und zwar seines Erinnerns in der Kirche, noch vor wenig Jahren ein Buch vorhanden gewesen, auf dessen vorderem Blatte etwas von den Grafen zu Schmölln gestanden habe, insbesondere von dem jungen Grafen Ortwin, den ein wildes Schwein draußen vor Schmölln in dem so genannten Haine umgebracht habe.
Dieses Blatt sei, weil es Pergament gewesen, von diebischer Hand herausgeschnitten worden. Er könne sich aber an nichts erinnern, als an das alte mönchische Verslein:
Nomen erat Ortwein, quem enecat unus Eberschwein;
(d. h. Sein Name war Ortwejn, ihn tötete ein Eberschwein.)

Dieses traurige Ereignis, das ins Jahr 1126 gesetzt wird, hat der Sage nach den Anlass zur Gründung des Dorfes Kummer gegeben. Als die Knechte des Grafen an die Unglücksstätte kamen, fanden sie Ortwin (oder Öthwin, wie er auch genannt wird) in den letzten Zügen und die letzten Worte des Sterbenden waren: „Ach Himmel, wie muss ich doch hier in solchem Kummer und Elend umkommen !“ Der greise Vater, Graf Bruno, ließ im Walde in der Stelle, wo sein Sohn den Tod gefunden hatte, zum Gedächtnis eine Kapelle erbauen und daneben einige Häuser, die er denen schenkte, die sich dort ansiedeln wollten. Der Ort erhielt von dem alten Grafen selbst nach dem letzten Ausrufe seines Sohnes den Namen Kummer.
Höchstwahrscheinlich wurde Ortwin mit dem in Pforta begrabenen Ritter Reinhard Borch in Verbindung gebracht, dessen Zuname Barch (Porcus) eigentlich Eber bedeutet. Der Grabstein, auf dessen Schild sich ein laufender Eber empor bäumte, mag der Grund für die Sage gewesen sein. Der Inhalt geht auf ein Bruchstück eines in Pforta gefundenen lateinischen Gedichtes, dessen Verfasser sicher Mönche waren, zurück. Es stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts. Später wurde das Gedicht ausgebaut (Sage - Kummer). Das Dorf Kummer wird erstmals 1291 genannt, also rund 170 Jahre nach der Sagenhandlung.
(Quelle: „Sagen aus dem Kreis Schmölln“; 2. Broschüre der Publikationsreihe zur Pflege und Vermittlung des kulturellen Erbes des Kreises Schmölln)

Landkreis:
Altenburger Land


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