Prof. Philipp Heidenheim
D-99706 Sondershausen
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Prof. Philipp Heidenheim
Lehrer an der fürstlichen Realschule und Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Sondershausen (14.06.1814–14.06.1906)
Philipp Heidenheim wurde am 14. Juni 1814 als Sohn eines Hausierers in Bleicherode geboren.
Im Haus einer wohlhabenden Bleicheröder Bankiersfamilie erhielt der Knabe, der sich schon in frühester Jugend durch Begabung und Lerneifer auszeichnete, Unterricht durch einen Privatlehrer; später absolvierte er eine Ausbildung am Erfurter Lehrerseminar und trat 1834 zunächst eine Stellung als Hilfslehrer an der jüdischen Schule in Sondershausen an, übernahm aber schon 1837 die Leitung der Schule und das Predigeramt.
1839 heiratete er Lina Leser (1812-1897), Tochter des Hofagenten und früheren Gemeindevorstehers David Leser (1780-1843), die ihm in den folgenden Jahren sechs Kinder (vier Söhne und zwei Töchter) gebar. Der später weit verzweigten Familie entstammen mehrere in Wirtschaft und Wissenschaft namhafte Persönlichkeiten. Als Pädagoge und als Geistlicher war Heidenheim ungewöhnlich erfolgreich. Nach Auflösung der jüdischen Schule erhielt er 1841 eine Anstellung als Lehrer an der fürstlichen Realschule, wo er nach vierzigjähriger Dienstzeit 1881 zum Professor ernannt und 1886 hochgeehrt in den Ruhestand entlassen wurde. Privat unterhielt er ein jüdisches Knabenpensionat, das im Laufe der Jahre mehr als 300 Schüler aus dem In- und Ausland aufgenommen haben soll, darunter Moritz Lazarus (1824-1903), Philosoph und Völkerpsychologe.
Nach mehrjährigem Selbststudium legte Heidenheim 1845 in Schönlanke im Großherzogtum Posen das Rabbinerexamen ab und wurde zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde von Sondershausen ernannt. Obwohl sich die fürstlichen Behörden nicht entschließen konnten, ihm den Titel eines Landesrabbiners zu verleihen, übte er dieses Amt mit der zeitweisen Betreuung der schwarzburg-rudolstädtischen Gemeinden von Frankenhausen und Immenrode de facto aus. Als Rabbiner erwarb sich Heidenheim besondere Verdienste bei der Durchsetzung zeitgemäßer Reformen; er gilt als wesentlichster Förderer des jüdischen Emanzipationsprozesses im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen.
Nach mehr als siebzig Jahren im Dienst der Gemeinde starb er an seinem 92. Geburtstag, dem 14. Juni 1906, in Sondershausen und wurde auf dem jüdischen Friedhof der Stadt beigesetzt.
Foto: Porträt Rabbiner Prof. Philipp Heidenheim, um 1880, Schlossmuseum Sondershausen, Fotoarchiv

Landkreis:
Kyffhäuserkreis