Zum Tee nach Drackendorf

Der Spaziergang durch ein kleines Dorf am Stadtrand von Jena wird zum Streifzug durch die Historie

Von OTZ-Redakteurin Angelika Schimmel (01.09.2006)

Es gab eine Zeit, da fuhr, wer auf sich hielt, zum Tee nach Drackendorf. Die Teegesellschaften, bei denen sich große Geister wie Wieland, Schopenhauer, Herder und natürlich Goethe einfanden, wurden im Hause derer vor Ziegesar vor rund 200 Jahren veranstaltet. Deren Schloss, das eigentlich ein altes Rittergut war, befand sich in Drackendorf. Im dortigen Park war für die anregenden Gesprächsrunden eigens ein Tee-Pavillon errichtet worden. Der Pavillon steht noch - doch Tee wird dort nicht mehr ausgeschenkt...

Die Herren von Lobdeburg hatten dem Ritter Burghold etwa um 1280 "Trakendorf" zum Lehen gegeben, berichtet Hobbyhistoriker Bernd Adelski. Bis ins 16. Jahrhundert hinein war das Gut im Besitz der Familie Puster, wurde dann mehrfach verkauft und kam so in die Hände der Adelsfamilie von Ziegesar. Der Jurist Anton von Ziegesar (1783-1843) war Wieland und vor allem Goethe freundschaftlich verbunden. Dass der große Dichter zwischen 1776 und 1820 etwa 30 Mal in Drackendorf weilte, hatte jedoch nicht allein mit den Männergesprächen beim Tee zu tun, sondern vielmehr mit den Reizen der Tochter des Hauses, Silvie.

Stünde das "Schloss" von Drackendorf noch, so wäre es sicher Wallfahrtsort von Goetheverehrern. Doch im Zuge der Bodenreform nach 1949 wurden nicht nur die Drackendorfer Äcker aufgeteilt, sondern auch das Rittergut. Einige Gebäude wurden abgerissen, andere zu Wohnhäusern umgebaut. "In anderen Orten haben sich die Bürger gegen solche Pläne zur Wehr gesetzt, hier leider nicht", beklagt Adelski die Zerstörung des Gebäudeensembles. So bleibt Interessierten nur ein Besuch in der Heimatstube, wo neben historischen Zeugnissen auch ein Aquarellbild vom Rittergut hängt...