Botanischer Garten Gera

Der Botanische Garten befindet sich direkt im Stadtzentrum vom Markt in nur 5 Minuten und vom Museum für Naturkunde in 3 Minuten zu erreichen. Zugänge hat der Garten in der Schiller- und der Nicolaistraße. Unweit befinden sich die Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel und das Parkhaus Nicolaistraße.

Eine grüne Oase inmitten der Geraer Altstadt lädt zum Verweilen ein. Ein angenehmes Klima im Schatten alter Bäume, ca. 800 verschiedene Pflanzenarten, eine natürliche Quelle und historische Baulichkeiten erwarten Sie hier.

Es ist die letzte noch erhaltene bürgerliche Gartenanlage vor der östlichen Stadtmauer. Ein wirtschaftlich erfolgreiches Bürgertum förderte in Gera geistiges und kulturelles Leben. So entstand hier 1895 die Stiftung eines Botanischen Gartens durch den Textilunternehmer Walther Ferber. An diese Zeit erinnert noch das denkmalgeschützte Gartenhaus mit Turm. Von 1897 bis 1900 gestalteten Geraer Lehrer, Botaniker und Gärtner aus seinem Garten im englischen Landschaftsstil einen Botanischen Lehrgarten. Generationen von Schülern konnten hier Pflanzen aus nächster Näher kennen lernen. Die gelungene Verbindung des botanischen Gartens mit dem Museum für Naturkunde, 1947 vollzogen, verknüpft theoretisches Wissen mit praktischem Erleben. Mit Mittelpunkt steht jeweils die Ostthüringer Landschaft die vom bäuerlich genutzten fruchtbaren Hügelland bis in die Höhen des Schiefergebirges reicht. Eingeschlossen sind die an Tier- und Pflanzenwelt so reichen Muschelkalkgebiete mit ihrer mediterranen Ausstrahlung sowie kleiner Teichgebiete.

Pflanzenwelt Ostthüringen auf nur 0,7 ha

Im dichten Nebeneinander wurden natürliche Lebensräume: Laubwald, Halbtrockenrasen, Fels- und Schotterflur, Teich u.a. im Ausschnitt nachgestaltet. Wildpflanzenarten mit ihren unterschiedlichen Ansprüchen an Licht, Wasser und Boden sind hier in ihrer Anpassung an oft extreme Lebensbedingungen zu beobachten. Viele Arten sind an ihren natürlichen Standorten in den mannigfaltigen Landschaften bedroht und benötigen speziellen Schutz. 70 dieser seltenen „Rote Liste Arten“ Thüringens, wie z.B. Trollblume, Flaum, Eiche und Pechnelke können Sie hier im Garten kennen lernen.

Ein Gartenrundhang ist wie eine Wanderung durch heimische Landschaften.

Laubwald

Das Frühjahrslicht im Waldboden ermöglicht Pflanzen mit Nährstoffspeicherung in Zwiebeln, Knollen und Wurzelstöcken einen Blütenreichtum schon zeitig im Jahr, Lerchensporn, Scharbockskraut, Anemonen und später der stark riechende Bärlauch locken auch schon im Frühjahr in den Botanischen Garten. Artenreiche Laubwälder mit diesen Pflanzen sind in Ostthüringen nur noch als Reste in Flusstälern und als Edelgehölze zu finden, aber auch schon im Geraer Stadtwald.

Halbtrockenrasen

Im Frühling sind es Kuhschellen und Schlüsselblumen, später Sonnenröschen, Thymian und Flockenblumen und schließlich die Silberdisteln und Astern im Herbst, die mit ihren auffälligen Blüten Bienen, Hummeln, und Schmetterlinge anlocken. Dieser Reichtum braucht Nährstoffarmut und Trockenheit am Standort, um solche Arten aus südlicheren Regionen wachsen zu lassen. Ein Magerrasen verlangt außerdem regelmäßige Pflege durch Mahd und Beweidung. Bereits am Stadtrand von Gera kann, z.B. auf der Lasur, durch Schafe solche Pflanzenvielfalt erhalten werden.

Fels- und Schotterflur

Extreme Lebensbedingungen herrschen für Pfingstnelken, Nelken und Streifenfarne in Felsspalten an der oberen Saale, für Arten auf Felsterrassen und im herabbrechenden Gesteinsschotter. Der schwärzende Geißklee ist in Ostthüringen als seltene Art an exponierten Felsen in den Flusstälern der Elster und Saale zu finden.

Sumpf- und Wasserpflanzen

Die natürliche Quelle im Garten ist eine günstige Voraussetzung zur Gestaltung von Bachlauf, Teich und Sumpfwiese. Hier wachsen Pflanzen, die sich den extremen Bedingungen am und im Wasser hervorragend angepasst haben. In erfolgreicher Vermehrungskultur entwickelt sich am Teich die kleine Seerose, eine seltene Schwimmblattpflanze, zu einem stabilen Bestand.

Turmhaus

Das Ferbersche Gartenhaus wurde 1864 im spätklassischen Stil errichtet. Gleichzeitig entstand die bürgerliche Gartenanlage mit Landschaftscharakter. Seit 1898 wohnten im Turmhaus die Geraer Stadtgärtner. Nach der Sanierung (1990 – 1995) wird es von der „Grünen Schule“ für Vorträge und Ausstellungen genutzt. Der Turm bietet eine gute Aussicht über die Stadt.

Grüne Schule“

Pflanzen und ökologische Zusammenhänge anschaulich begreifbar machen, ist Aufgabe der „Grünen Schule“ Viele Themen werden für Gruppen angeboten.

Nisthilfen

Die „Grüne Schule“ fördert auch praktische Projekte im Botanischen Garten. Es entstand eine Anlage zum Schutz der gefährdeten Waldbienen. Die Gesellschaft von Freunden der Naturwissenschaften in Gera errichtet Nisthilfen, um gefährdete Vögel und Fledermäuse zu unterstützen. Mit seiner Pflanzenvielfalt, vor allem den alten Bäumen, dem Angebot an Wasser, Nahrung und Unterschlupf ist der Garten auch eine Oase für Tiere! Der Botanische Garten lädt zum Beobachten und Nachahmen ein.

Pflanzensystem

Pflanzen stehen in Reihe und Glied nach Pflanzenfamilien sortiert. Blütenmerkmale geben diese Ordnung vor. Zu entdecken gilt es hier auch Heilpflanzen, Faser- und Färbepflanzen. Auch Zierpflanzen und zugewanderte Wildpflanzen sind zu finden.

Gewürzkräutergarten

Aromatische Pflanzen für die Küche finden sich in Felsfluren am Mittelmeer, auf heimischem Magerrasen, auch in feuchten Staudenfluren. Von Anis bis Zitronenmelisse – nach ihren natürlichen Ansprüchen gepflanzt, sind sie mit allen Sinnen zu erleben.

Geologische Lehrwand

Eine nahezu einmalige historische Gartenanlage ist die Geologische Lehrwand. Sie wurde 1898 von Geraer Lehrern am Stollenbrunnen, einer alten Trinkwasserquelle, errichtet. Es lockt ein Exkurs in die interessante heimische Erdgeschichte anhand 20 verschiedener Gesteinsarten vom Erdaltertum bis zu Findlingen der Eiszeit.

(Quelle unbekannt)