Der Schlosspark in Poschwitz

am östlichen Stadtrand von Altenburg

Bemerkenswerte Baumgestalten in Ostthüringen

Uwe Conrad und Gisela Conrad

Im Jahre 1902 schrieb Ernst Amende in seiner „Landeskunde des Herzogtums Sachsen -Altenburg“: „Das kleine Poschwitz liegt auf der Höhe zwischen Altenburg und Windischleuba. Sein schöner Edelsitz mit dem weithin sichtbaren Turme gehört seit mehr als fünf Jahrhunderten der bekannten ‚Familie von der Gabelentz‘.“

Einen etwa doppelt so langen Abschnitt widmete Amende dem renommiertesten Bewohner des Schlosses, dem berühmten Sprachforscher Hans Conon von der Gabelentz (1807—1874).

Im Jahre 1927 setzte der bekannte deutsche Dichter Börries Freiherr von Münchhausen seinem Großvater Hans Conon von der Gabelentz im Altenburgischen Geschichts- und Hauskalender ein bleibendes Denkmal, und im Jahrgangsheft 1933 würdigte er dessen jüngste Tochter, seine Mutter Clementine Freifrau von Münchhausen geb. von der Gabelentz (1849—1913), als überragende Persönlichkeit.

Auch andere Publikationen über die Familie von der Gabelentz sind bekannt. Insbesondere hat Dr. Karl-Heinz Gehlauf in der Osterländer Volkszeitung (Heimatkurier für das Osterland Altenburg/Schmölln) das Engagement der Herren von der Gabelentz gewürdigt, die den Poschwitzer Park angelegt und erweitert haben.

Wenig bekannt ist jedoch, dass die in Poschwitz geborene Clementine Freifrau von Münchhausen geb. von der Gabelentz mindestens seit 1907 bis zu ihrem Tode 1913 der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft angehörte.

Die Mutter des Dichters hat mehrfach in den Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft publiziert. Insbesondere ihr im Jahre 1911 erschienener Aufsatz „Die Süntelbuche“ ist nicht nur durch ihre herzerfrischende Art zu schreiben lesenswert, sondern die Autorin würdigte die ehemals im Süntel beheimatete Mutation der Rot-Buche als etwas ganz Besonderes, ja, als eine Kostbarkeit. Jedenfalls ist anhand der nachfolgenden jährlichen Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft festzustellen, dass sich nun auch andere Dendrologen der damals schon seltenen Süntelbuche zuwandten und darüber veröffentlichten. Die Beiträge der Clementine Freifrau von Münchhausen geb. von der Gabelentz beziehen sich meistens auf Windischleuba, denn im Jahre 1880 hatten sie und ihr Mann Börries Freiherr von Münchhausen das ehemalige Wasserschloss gekauft. Doch 1911 wird von ihr auch Poschwitz erwähnt: „in dem ½ Stunde entfernten Poschwitz, meinem väterlichen Gut“, gedeihe eine Platane, „etwa 100jährig, in seltener Schönheit im Park“.

Diesen Baum, den ihr Großvater Hans Carl Leopold von der Gabelentz zu Beginn des 19. Jahrhunderts von seinen Reisen aus Paris mitbrachte, gibt es noch!

Die Ahornblättrige Platane ist heute, nach weiteren 100 Jahren, mit einem Stammumfang von 582 cm der stärkste Baum des Poschwitzer Parks und mit 38 m fast doppelt so hoch wie der Turm des Schlosses, der 20 m misst. Der Stamm wird nach oben, ehe er sich in mehrere Starkäste teilt, noch mächtiger durch viele wulstige Verdickungen. Im Winter ist die gewaltig breite und hohe trichterförmige Struktur der Krone gut erkennbar, die im Sommer eine Fläche von rund 800 m2 beschattet. Faszinierend sind auch die Licht- und Schattenspiele des an Ahornblätter erinnernden Laubes auf dem breiten Stamm mit seiner bunten Rinde aus sandgelben, graugrünen und grünen Platten. Die Kugelfrüchte sind besonders gut im Winter zu sehen, sie hängen an langen Stielen von den Ästen herab. In den Blättern lebt übrigens die in Ausbreitung begriffene Platanenminiermotte, ein erst in den letzten Jahrzehnten von Südosteuropa eingewanderter Kleinschmetterling.

Noch ein weiterer Baum, der das Prädikat „von seltener Schönheit“ gleichwohl verdient hätte, stand in Poschwitz am östlichen Parksaum. Ihn aber gibt es nicht mehr. Nur der etwa 3 m lange und 88 cm dicke, liegen gebliebene Stammrest bezeugt noch seinen einstigen Standort. Seit etwa 100 Jahren hatte die große Hänge-Buche am Abflussgraben des Parkteiches gestanden, bis sie im Herbst 2006 einem Sturm zum Opfer fiel. Sie war ein meisterlich gelungenes Kunstwerk der Poschwitzer Gärtner. Ihr Stamm, der 1 m vom Boden eine Pfropfungsstelle aufwies, teilte sich in etwa 8 m Höhe in drei gleichstarke Stämmlinge, die in einer Höhe von 14 m wieder zusammenwuchsen, drei wundersame Baumfenster bildend. Ob im Winter- oder im Sommerkleid, je nachdem, ob die langen, filigranen, bis zum Erdboden herabreichenden und von jedem Luftzug sacht bewegten Zweige mir Raureif bedeckt an ein Wintermärchen erinnerten oder belaubt wie ein zartgrüner Vorhang wirkten, die Hänge-Buche war ein auffälliger Blickfang im Park.

Zwischen die Platane und die Hänge-Buche hatten die Gärtner ein Eiben-Paar gepflanzt. Die weibliche Eibe, im Herbst reich mit roten Scheinbeeren geschmückt, besitzt einen beachtlichen Umfang von 164 cm und teilt sich in 1,3 m Höhe in zwei gleichstarke Stämmlinge. Die andere ist männlich, 31 cm dick.

Im Folgenden wollen wir noch einige weitere Bäume des Parks nennen.

An einer großen Rot-Buche mit einem Umfang von 456 cm, die ca. 30 m westlich der Platane wächst, sind an den Wurzelanläufen Riesenporlinge und Hallimasch vorhanden. Daneben gedeiht eine weitere 14 m hohe Eibe mit einem Umfang von 1,47 m, die weiblich ist. Zwischen dem Ostufer des Parkteiches und der Schlossparkwiese westlich des Schlosses stehen Stiel-Eichen, die stärkste mit einem Umfang von 404 cm, zwei Blut-Buchen, Rosskastanien, Rot-Buchen, Berg-Ahorne und Linden.

Am südöstlichen Parkeingang (Lindenweg) steht eine gewöhnliche Esche, deren Stammumfang 284 cm beträgt. An einem abgebrochenen Starkast sind Spechtlöcher zu erkennen. In ihrer Krone fruktifiziert in etwa 15 m Höhe der Zottige Schillerporling und am Boden wachsen Nebelgraue Trichterlinge und Safran-Schirmpilze.

An der Nordostecke des Teiches steht ein Berg-Ahorn mit panaschierten Blättern. An seinem Stamm, der 82 cm dick ist, rankt Gewöhnlicher Efeu empor.

Das Ostufer ist mit zwei Hain- oder Weißbuchen, Eibenbüschen und Gewöhnlichem Pfaffenhütchen bepflanzt. Am Teichabfluss steht eine große, im Absterben begriffene Hainbuche mit einem Stammumfang von 293 cm.

Am Süduferweg fällt eine weitere große Platane, die 140 cm dick ist, auf. Daneben wachsen Berg-Ahorne und Eingriffliger Weißdorn.

Das schmale Westufer beherbergt eine Eibe, eine Bastard-Linde, Rhododendren-Büsche und Pfaffenhütchen.

Am nördlichen Uferweg befinden sich stark eingekürzte Lindenstämme, an deren Stammfuß Flache Lackporlinge und Birnen-Stäublinge fruktifizieren. Das Pfaffenhütchen ist hier ebenfalls präsent.

An der Nordwestecke des Schlossparks stehen hauptsächlich Sommer-Linden und Berg-Ahorne.

Rechts des Weges fallen mehrere Rot-Buchenstämme auf, in die Soldaten mit kyrillischen Buchstaben die Namen ihrer Heimatstädte Odessa und Kiew eingeritzt haben. Die ehemalige Kaserne stand bis zum Jahre 2001 in unmittelbarer Nachbarschaft. Die am südlichen Wegrand stehenden Rot-Buchen sind etwa 34 m hoch und besitzen Umfänge von 322 cm, 294 cm und 319 cm. Wenn man den diagonal durch den Park führenden Weg in südöstliche Richtung weitergeht, an Eichen, Rosskastanien, Eschen und Berg-Ahornen vorbei, steht an der nächsten Wegkreuzung, nahe am Nordostufer des Parkteiches, eine 34 m hohe Rot-Buche (Zwiesel), die in etwa 14 m Höhe eine interessante Astverwachsung zwischen ihren Stämmlingen aufweist.

Im Nordteil des Parks können zwei Weymouths-Kiefern und mächtige Rosskastanien bewundert werden.

Den ältesten Einwohnern Altenburgs und Umgebung sind die gepflegten Kieswege des Poschwitzer Parks und auch die saubere Schänke und Gartenwirtschaft Beersch Leo‘n aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg noch gut in Erinnerung.

Leider lädt der Gasthof Poschwitz seit September 2007 nicht mehr zu Kaffee und Kuchen ein.

Die Autoren bedanken sich bei Frau Erna von der Gabelentz (Altenburg), Frau Gabriele Prechtl (Windischleuba) und Herrn Eberhard Hetzer (Triptis) für ihre uneigennützige Hilfe und Unterstützung.

Quelle: „Altenburger Geschichts- und Hauskalender 2008“, E. Reinhold Verlag Altenburg