Auch Ernst Haeckel schwärmte von der Trießnitz.

Um den ehemals beliebten Ausflugsort ist es still geworden.

1805 schrieb Johann Faselius in seiner Neuesten Beschreibung der Herzoglich Sächsischen Residenz- und Universitäts-Stadt Jena: „Von Lust- und Vergnügungsörtern außer der Stadt ist der vorzüglichste und im Sommer am häufigsten besuchte Ort die ... Trießnitz beym Dorfe Winzerla, wo ein neues Gebäude mit einem Tanz-Saale, auch eine Tanzlaube und mehrere andere Lauben, nebst offenen Tafeln und Sitzen errichtet sind.“ Er beschrieb die Trießnitz als „ein Buschhölzchen mit einigen freyen Plätzen an einem Berge und einer ummauerten Wasserquelle, auch einer reizenden Aussicht...“

Vor allem zu Himmelfahrt und zu Pfingsten fand man sich hier ein und genoss die herrliche Landschaft.

Als Ernst Haeckel am 22. August 1858 an seine Braut Anna Sethe vom Universitätsjubiläum berichtet, schreibt er auch über einen Ausflug in die Trießnitz: „Bei der Festhalle setzten wir über die Saale und gingen dann über frische, saftige, mit vielen zerstreuten Bäumen und Gebüschengruppen besetzten Wiesen in einer Stunde nach dem Dorfe Winzerla. Von da stiegen wir in die Triesnitz hinauf, eine reizende, kühle, wasser- und waldreiche Bergschlucht, zwischen deren moosigen Felstrümmern frische Quellen hervorsprudeln. Auf einem der hübschesten Punkte, von wo man über die Bäume ins Saaletal hinübersieht, tranken wir Kaffee und stiegen dann noch bis zu dem höchsten Punkt des Berges hinauf, von wo wir eine herrliche Aussicht das Saaletal hinauf bis Kahla hatten.

In den Jugenderinnerungen von Walter Haeckel, Jena 1931, ist u. a. zu lesen, dass auch ihm die Trießnitz aus seiner Jugendzeit in Erinnerung geblieben sei, aber „die einstige Gastwirtschaft hat das Zeitliche gesegnet. Ziel der Nachmittagsspaziergänge war nun der Forst.“ Als Grund für die Schließung der Gaststätte wurde in einer Jenaer Tageszeitung angegeben, dass die Konkurrenz zunahm. Lokalitäten in Wöllnitz und auf der Wilhelmshöhe lagen näher zu Jena und erfreuten sich eines großen Zulaufs. Auch habe sich die Stimmung nach dem Krieg von 1870/71 geändert so dass die Gemeinde das Gaststättengebäude auf Abbruch verkaufte, um Platz zu machen für den Abbau von Kalktuff. Doch gab es in späteren Jahren immer wieder Aktivitäten, an die Traditionen des 18. und 19. Jahrhunderts anzuknüpfen und in der Trießnitz zu feiern. Vor allem der Winzerlaer Männerchor trat hier immer wieder in Erscheinung.

Solche Bemühungen wurden später aber häufig zunichte gemacht, da es Mitmenschen gibt, die den Platz verunreinigen, Holzbänke und Blockhütte beschädigen. Ende der 90er Jahre bemühte sich die Jugendwerkstatt um einen Pflegevertrag, da wiederholt der Platz trotz seiner inzwischen spärlichen Ausstattung in Ordnung gebracht werden musste. Das Interesse bei allen, die den Versuch unternahmen, die Trießnitz wieder zu einem Festplatz zu machen, ist inzwischen auf dem Nullpunkt.

(Quellen: Gabriele Meister, Winzerlaer Stadtteilzeitung, 2. Jg., Nr. 8, August 2003; „Mir hat der Ort immer gefallen“ – Geschichte und Geschichten aus Winzerla, Hrsg.: Stadtteilbüro Winzerla, 2005)