Jahrhundertelang wurde der Travertin des Pennickentals genutzt. Urkundlich sind im Jahre 1501 Fuhren von Travertin aus dem Pennickentol nach Jena nachgewiesen. 1506 führten Geschirre 14 Tage lang Travertinsteine für Gewölbe zur Jenaer Stadtkirche. Die Steinbrecher Hans Huter (1503/44 belegt) und Hans Schwabe (1549/95 belegt) brachen Steine im Pennickental. In der ersten Hälfte des 16. Jhs. erwähnen die Weimarer Schloßbaurechnungen einen Transport von Travertin aus dem Pennickental für leichte Zwischenwände des Weimarer Schlosses. Nach der wichtigsten Verwendung des Materials trug der zweite Bruch unterhalb des Fürstenbrunnens den Namen Hartplattenbruch. Die in der Literatur mehrfach wiederholte Behauptung, die Jenaer Stadtmauer sei aus Travertin des Pennickentales errichtet, beruht wohl auf einem Irrtum. Die gegenwärtig zugänglichen Reste der Stadtmauer enthalten praktisch keinen Travertin.

Ab dem Ende des 19. Jhs. wird in Jena zunehmend älterer Travertin-Werkstein aus Weimar-Ehringsdorf eingesetzt, die abbauwürdigen Vorkommen im Pennickental waren erschöpft.

Die 1912 als Tuffkalkwerk gegründeten Göschwitzer Kalk- und Ziegelwerke GmbH (nicht zu verwechseln mit der 1886 gegründeten Sächsisch-Thüringischen Portland-Cement-Fabrik PRÜSSING & Co. KG in Göschwitz) brannten in Burgau östlich des Bahnhofs Göschwitz (heute Stadtwerke Jena) Travertin. Die Errichtung eines im Pennickental geplanten Travertinkalkwerkes konnte der „Heimatschutz“ um 1922 verhindern. Statt dessen wurde zum Abtransport des Travertins und des ebenfalls verwendeten Unteren Muschelkalkes vom Hang des Fränkelsgrundes nach Burgau eine Seilbahn gebaut. Die hochgesteckten wirtschaftlichen Erwartungen konnte das Werk nicht erfüllen. Zwar erwarb 1926 bei einer Zwangsversteigerung der Kaufmann Max Lisdorf, Geschäftsführer einer Baustoffgesellschaft in Jena, das Werk für 100.000 RM, doch bereits 1928 mußte der Betrieb infolge Konkurses eingestellt werden. 1930 kaufte Karl Kaempfe, Besitzer des Kalkwerkes in Weimar-Ehringsdorf, das Göschwitzer Unternehmen. Das 1937 stillgelegte Werk nahm im Mai 1947 vorübergehend wieder die Kalkherstellung auf. Seit 1922 wurden Travertin und Kalkstein in einem Ringofen gebrannt, 1925 kam zur Verwertung des kleinstückigen Kalksteins ein Doppelschachtofen dazu, der im ehemaligen Werksgelände in Burgau noch erhalten und als Technisches Denkmal eingestuft ist. Um 1925 war ein aus Travertin des Pennickentals hergestellter weißer Fugenmörtel in Thüringen sehr beliebt. Außerdem erzeugte der Göschwitzer Betrieb Graustückkalk zum Bauen und Düngen, Kalksteinschotter der Körnung 50-80 mm und Kalktuffsteine (Luftbacksteine).

Zur Produktion von Kalktuffsteinen wurde lockerer, leicht zerfallender oder zerstampfter Travertin zum Entfernen grober Beimengungen geschlämmt, gleichmäßig geknetet, 24 Stunden gelagert und anschließend mit Handpresse oder Formkasten zu Steinen im Ziegelformat geformt. Für ca. 1.000 Steine waren 2,5 m³ Kalktuff erforderlich. Die oberflächlich abgetrockneten Steine setzte man in Haufen oder brachte sie in Trockenschuppen. Die Verwendung erfolgte zumeist erst im Frühherbst, wenn die Steine ausreichend getrocknet waren. Herstellung der Masse und Formen der Steine geschahen um 1890 im Akkord, die durchschnittliche Tagesproduktion eines Arbeiters betrug ca. 800 Stück. Besonders geschickte Arbeiter erreichten bei einer Übernahme der Nebenarbeiten durch Frauen und Kinder bis 1.200 Stück täglich. Um 1880 zahlte man für die Herstellung von 1.000 Steinen einschließlich des Verladens 5 Mark. Träger des Abbaues waren im 19. Jh. wesentlich die bäuerlichen Grundeigentümer. Die Herstellung begann im allgemeinen nach der Frühjahrsbestellung und bildete eine wichtige Nebeneinnahme der ländlichen Bevölkerung.

Die Kalktuftsteine fanden als ein preiswertes und leichtes, feuerbeständiges und nur schwach wärme-leitendes Baumaterial für nichttragende Bauteile, vor allem lnnenwände, breite Verwendung. Im Fachwerkbau stand mit ihnen ein billiges und leichtes Material zum Ausbau der Gefache zur Verfügung. Ländliche Gebäude waren oft vollständig aus Kalktuffsteinen erbaut und nur die Hausecken sowie die Fenster- und Türöffnungen mit gebrannten Mauerziegeln gemauert. In Jena wurden iedoch auch mehrgeschossige Häuser aus Kalktuffsteinen gebaut, am Anfang der Kahlaischen Straße stehen verputzte massive dreigeschossige Kalktuffbauten bereits über 100 Jahre. Während 1895 in Jena 1.000 gebrannte Mauerziegel ohne Frachtkosten 27 bis 29 M kosteten, betrug der Preis für 1.000 Kalktuffsteine nur 10 bis 11 Mark. Gegenüber diesen Vorzügen wogen die Nachteile wie geringe Dauerbeständigkeit und leichtes Abbröckeln der Kanten nur gering. Jedoch war die unzureichende Wasserbeständigkeit dieser Steine eine wesentliche Ursache für die verheerenden Folgen der häufigen Sealeüberschwemmungen.

Im Pennickental bestanden um 1900 insgesamt 10 Brüche, die überwiegend der Tuffsteinfertigung dienten. Bis etwa 1930 stellten die Göschwitzer Kalk- und Ziegelwerke Luft-backsteine her. 1949 kam es im Pennickental nochmals zur Produktion. Allein im Jahre 1950 wurden etwa 1 Million Stück zu einem Gesamtpreis von ca. 40.000 DM gefertigt, doch um 1960 endete die Produktion endgültig.

Die Spritzzone der Kaskaden lieferte die im 19. Jh. in Gärten sehr beliebten Grottensteine. Untergeordnet wurde lockerer Travertin auch als Scheuersand verwendet.

Lockertravertin des Pennickentales diente seit etwa 1895 als Grundstoff für die Zahnpastafabrikation. Er wurde mit Säuren gelöst und chemisch als feinstes Pulver wieder ausgefällt. Nach den bekannten Zahnpasta-Marken trugen die Brüche zeitweilig die Namen Blendax-, Chlorodont-, Alter und Neuer Leobruch. Noch in den sechziger Jahren des 20. Jhs. baute der VEB Elbe-Chemie im Blendax- und Neuen Leobruch ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam für einige Jahre Travertin aus dem Pennickental im Jenaer Glaswerk Schott zum Einsatz. Infolge der hohen Qualitätsforderungen bei optischen Gläsern mußte der Kalk handverlesen werden, um Eisengehalte unter 0,005 % zu gewährleisten. Für optisches Glas waren nur ca. 2 bis 5 % des Travertins geeignet. Die Aufbereitung erfolgte in einem Steinkollergang mit Siebzylinder, die gebrochenen kopfgroßen Stücke trockneten in offenen luftigen Schuppen.

(Quelle: Naturwanderungen um Jena I – Der heimatkundliche Lehrpfad, Ahorn Verlag Jena)