Der schiefe Turm zu Buttstädt

In dem kleinen Helm unserer Turmbedachung sind bekanntlich die beiden Glocken untergebracht, welche mit der Turmuhr in Verbindung stehen; auf der größeren, tiefer hängenden, die auch in der guten alten Zeit als Sturmglocke diente, wird die Stunde geschlagen, eine kleinere, darüber befindliche, meldet die Viertelstunden. Die letztere Glocke zersprang. Damit das Herabfallen des Bruchstücks keinen Schaden verursacht, wurde die Glocke 1904 herabgenommen und an deren Stelle eine andere, etwas größere Glocke aufgehängt, die früher zum Geläut gehörte und im Ratsarchiv aufbewahrt wurde. Die defekte, wettergeschwärzte Glocke, aus der von der oberen Wölbung ein Stück in der Größe eines Kindskopfes herausgebrochen war, wog etwa 60 bis 70 Pfund und wurde nach der Inschrift 1684 in Erfurt gegossen. Sie hing in Zapfen und hatte auch einen Klöppel. Wegen des engbegrenzten Raumes wurde diese kleine Glocke nur mit dem Hammer der Uhr in Kontakt gebracht. In ihrer luftigen Höhe während der 220 Jahre dürfte sie nur einmal in schwingende Bewegung gekommen sein, und zwar am 24. Oktober 1690, an welchem Tage sich der Turm so stark neigte, daß, wie in Gärtners Chronik berichtet wird: „Der Viertel-Seyger an zu stürmen fing.“ Seit diesem Tage steht der Turm nicht mehr lotrecht.

(Quelle: „Buttstädt im Wandel der Zeit“, Bd. 2, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 1. Aufl.1994, Autor Paul Krämer [1931])