Rittergut Dobitschen

Mittelalter


1181/1214 erfolgte die Ersterwähnung der Ortschaft Dobitschen als „Dubscen“, im Zehntverzeichnis des Klosters Bosau bei Zeitz. 1204 wurde der pleißnische Ritter Heinrich von Dobitschen urkundlich wegen einer widerrechtlich erbauten Kapelle, der ersten Kirche in Dobitschen, genannt. Der Sitz der Dobitschener Ritter war die im Dorf und im Tal des Gerstenbaches liegende Wasserburg. Christoph von Dobitschen, der selbst als Kirchenpatron in Dobitschen seinem eigenen Pfarrer übel mitspielte und sich gegen die Visitatoren stellte, wurde am 30.11.1531 als „berüchtigter Räuber“ enthauptet. Das Verzeichnis der Ehrbaren Mannschaft von 1445 nannte die „Herren von Dobitschen“ unter dem amtsschriftsässigen Adel mit „zwei Ritterpferden“. Nachweisbar sind die Ritter von Dobitschen bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Im Jahr 1580 werden auf dem Ritterhof „der Junker mit Weib und zwei Knechten, des weiteren der Hofmeister Asmus Delman mit Weib, drei Kindern, zwei Mägden und einem Knecht“ erwähnt.

Neuzeit

1568 wurde Bernhard von Kreutzen und 1586 Georg von Kreutzen durch den Herzog belehnt. 1598 tauschte Kreutzen Dobitschen gegen das Rittergut Gauern, das sein Vetter Loth von Ende in Besitz hatte. 1605 erfolgte der Verkauf an den Schwager Heinrich von Schauroth (†1633) und dessen Frau, Anna von Dobitschen. 1621 besaß Sohn Hans Ulrich das Gut, ab 1623 dessen Vetter, Utz von Schauroth. 1632 ging das Rittergut an Hans Ernst von Schauroth (†1682). Am 29.8.1665 brannte das ganze Anwesen ab und am 25.9.1681 wurde die Ritterguts-Schäferei ein Opfer der Flammen. Da im 17. Jahrhundert in Dobitschen wegen des Altenburger Bannmeilenrechts keine Schenke oder Wirtshaus vorhanden waren, mussten die Landbewohner das Bier zu ihren „Ehrenausrichtungen“ (Taufen, Hochzeiten) in der Stadt Altenburg holen. Hans Ernst von Schauroth versuchte deshalb 1646 von seinem im Rittergut „gebrauten Tischtrunke“ auch an seine Untertanen zu verkaufen, was ihm aber ausdrücklich am 24.8.1646 durch „Fürstlich Gnädigsten Befehl“ untersagt wurde. 1693 wandelte Herzog Friedrich II. von Sachsen-Gotha und Altenburg das Gut in ein „kanzleischriftsässiges und von Diensten freies Erblehngut mit zwei Ritterpferden“ um. 1692 erwarb der Sächs.-Gothaische Geheimrat-Direktor Johann Friedrich I. Freiherr Bachoff von Echt (1643-1726) aus Gotha das Gut von den Schaurothschen Erben. In seine Zeit fielen einschneidende Veränderungen zu Gunsten des Anwesens. So erhielt er die „Hochgerichtsbarkeit über Dorf, Feld und Flur von Dobitschen“ sowie die Obergerichte über Pontewitz, Oberkossa und den Altenburger Anteil von Bethenhausen mit Hirschfeld. Zur Parochie Dobitschen kamen Dörfer hinzu, wie Pontewitz, Rolika, Meucha, Prehna und die heutige Wüstung Nasselwitzt. 1714 wurde Dobitschen mit anderen Besitzungen der Familie Bachoff von Echt zu einem Familienfideikommiß vereinigt. Der barocke Um- bzw. Neubau des Schlosses erfolgte 1696. 1702 baute man die Kirche neu und richtete das Gerichtshaus neu ein. 1705 entstand ein neues Pfarrhaus. Diese umfassende Umgestaltung des Dorfes und der Grundherrschaft bildet den Beginn einer über 200-jährigen, durch die Bachoffschen Besitzer geprägten Epoche, in Dobitschen. 1726 bis 1736 besaß Johann Friedrich II. Freiherr Bachoff von Echt (1679-1736), Sächs.-Gothaischer Geheimer Rat und Kanzler in Gotha, das Rittergut und vererbte es seinen drei Söhnen, Wilhelm Ferdinand (1718-1739), Johann Friedrich III. (1710-1781) und Ludwig Heinrich Freiherr Bachoff von Echt (1725-1792). Letzterer, Königl. Dänischer Geheimrat, war von 1781 bis 1792 Eigentümer des Gutes.

Situation vor 1800

Das Rittergut besaß die Ober- und Erbgerichtsbarkeit in Dobitschen über sieben Handgüter, 98 Häuser und eine Mühle sowie weitere Güter und Häuser in Pontewitz, Rolika, Oberkossa, Bethenhausen, Hirschfe!d und Dobraschütz. Außerdem die Erbgerichte über Güter und Häuser in Crassa (Kraasa), Mehna, Obermolbitz, Prehna, Rodameuschel, Gorma und Graicha. Der Rittergutsbesitzer verfügte auch über das Patronatsrecht über die Kirchen von Dobitschen und Göllnitz. Ein einheitliches Erbbegräbnis der Familie Bachoff von Echt gab es in Dobitschen nicht. Nach 1850 wurden die Verstorbenen der Familie auf dem Dorffriedhof beigesetzt. Außerdem nutzte man für einige Familienmitglieder ein gesondertes Erbbegräbnis auf dem Friedhof von Romschütz.

Situation um 1800

Entsprechend den Angaben im Original-Vermessungsregister von 1807 umfasste das Rittergut Dobitschen eine Grundfläche von 154,36 ha, bei einer Gesamtflurgröße von 250,92 ha. Eigentümer des Anwesens war der Sachsen-Gothaische Kammerherr und Hauptmann Johann Heinrich Joachim Gustav Freiherr Bachoff von Echt (1766-1828). In der Zeit von 1812 bis 1820 war die „Ökonomie“ des Gutes, einschließlich des Steinbruches, an Johann August Korn aus Dobra verpachtet, der die Pacht des Steinbruches 1813 vom Maurermeister Melchior Fiedler aus Neudobitschen übernommen hatte. Haubold Tittel war 1810 Revierjäger und Verwalter auf dem Rittergut. Das 1696 erbaute (Wasser)-Schloss war vollständig vom (Waal)Teich umgeben, der wiederum im Osten, Süden und Westen vom Lustgarten begrenzt wurde. Östlich vom Gut befand sich der Garten „Am Lustgarten“. An der Nordseite des (Waal)-Teiches lagen der Wirtschaftshof (Herrenhof) und daneben der so genannte Viehhof. Hier stand das Pächterwohnhaus mit Kuhställen, ein Fachwerkgebäude mit Krüppelwalmdach und Laubengang von 1788 (der im 19. Jahrhundert einem neuen Obergeschoss weichen musste) an der Hofseite. Den Viehhof begrenzten die Scheune, das Stall-Seitengebäude, wo Pferdestall und Jägerwohnung untergebracht waren, sowie die „Wohnung des Frohns“: Bei letzteren Gebäude könnte es sich um das 1702 neu erbaute Gerichtshaus handeln, denn im damaligen Brandkataster wird das Bauwerk als „Thorhaus mit Gerichtsstube“ bezeichnet. Eine in der Akte ebenfalls erwähnte „Frohnveste“ konnte allerdings bis heute nicht lokalisiert werden. Westlich neben der „Wohnung des Frohns“ stand der „Schuppen mit Thorfahrt“. Hier handelt es sich um den schon 1788 erwähnten „Gastpferdestall“ mit Hoftor und Pforte zum Viehhof. An dieses Gebäude grenzte der „Schopfen mit Thorfahrt“ (Schlosstor), daneben stand ein eingeschossiges Fachwerkgebäude der „Schopfen“, der als Pferdestall, Holzschuppen und Remise genutzt wurde.

Südwestlich begrenzten das alte Brauhaus und ein „Brandwein- oder Milchhaus“ den Wirtschaftshof.

Außerhalb des Gutes, nördlich der Kirche gelegen, stand das Kornhaus (Schütthaus). Außerdem gehörten die Ritterguts-Schäferei, der Ritterguts-Schafteich, die Teichwiese, der Ritterguts-Mühlteich und ein Teich an der Rolikaer Mühle zum Anwesen.

Bauliche Veränderungen bis 1850

1836 erhielt Ernst Adolph Freiherr Bachoff von Echt († 1876), Königl. Sächsischer Oberleutnant, das Rittergut Dobitschen von seinem Vater, Ernst Friedrich Christian, (1782-1852), Sächs.-Altenburgischer Kammerherr, als Abfindung für sein väterliches Erbteil.

In dieser Zeit wurde die Scheune abgebrochen, der Viehhof nach Osten verlängert, das große Wasserloch im großen Rittergutsgarten) eingeebnet sowie der kleine Garten zur Hoffläche umgewandelt. Ebenfalls entstand ein neuer Schafstall am östlichen Ende des großen Rittergutsgartens. Zum alten Brauhaus auf der Teichwiese kam um 1856 ein neues Malzhaus hinzu.

Entwicklung des Rittergutes bis 1945

In den Jahren 1859/1861 entstand ein Gewächshaus bzw. Treibhaus am nordöstlichen Ende des Lustgartens. 1865/66 baute man eine Ziegelei mit Zieglerwohnung. 1878 wechselte das Eigentum von Ernst Adolph Bachoff von Echt an den Königl.-Sächsischen Rittmeister und Altenburgischen Kammerherrn, Ulrich Freiherr Bachoff von Echt (†1917). 1880 bis 1912 pachtete Edwin Schellenberg aus Naundorf das Rittergut. Er war der Gründer des Dobitschener Kornhauses und Förderer der Raiffeisen-Darlehensvereine. 1880 kam es zu umfassenden baulichen Veränderungen. Ein Kuhstall mit Viehküche und Futterhaus entstand anstelle des Pächterhauses und man baute ein neues Pächterwohnhaus mit Pferdestall anstelle des alten Pferdestalls. Das Fronwohnhaus und das Torgebäude zum Viehhof brach man ab und es entstanden neue Wirtschaftsgebäude. Die Ziegelei wurde 1905 außer Betrieb genommen. 1910/11 ließ der Besitzer im Schloss Stromleitungen für elektrisches Licht verlegen, sowie WC und Bad einbauen. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges brach man Schlosstor, Pferdestall und Schuppen ab. Nach dem Tod von Ulrich Freiherr Bachoff von Echt wurde das verschuldete Rittergut 1927 Eigentum des Pächters (seit 1912) Fritz Schellenberg, der das Gut erfolgreich bewirtschaftete, so dass es kurz vor der Bodenreform im Herbst 1945, schuldenfrei war.

Heutiger Bestand

Die ehemaligen Rittergutsgebäude spiegeln den historisch gewachsenen Baubestand, mit kleinen Veränderungen aus DDR-Zeiten, wider. Das Gut ist zum größten Teil ungenutzt, nach einem Brand am 7. April 2004 ist eine Nutzung nicht in Aussicht. Damit wird das Ensemble dem weiteren Verfall ausgesetzt. Der denkmalhistorische Wert liegt nicht zuletzt in der Geschlossenheit der Anlage - vom barocken Wasserschloss bis zum Wirtschaftshof - und bildet eine der wenigen noch erhaltenen Gutsanlagen in dieser Form im Altenburger Land und darüber hinaus.

Der Garten

1696, mit dem Bau des neuen barocken Schlosses, begann man vermutlich auch mit der Anlage eines Lustgartens als Erweiterung der Schlossgemächer im Freien zur Entspannung und Kurzweil. Das Anwesen befand sich in dieser Zeit im Besitz von Johann Friedrich I. Bachoff von Echt, der 1700 auch Romschütz erworben hatte. Das Schloss, von drei Seiten von einem Waalgraben umgeben, bildete das Zentrum der Anlage. Aus den Fenstern konnte man die geometrische Wasserfläche und das eigene, von einer Mauer umgebene „Paradies“ überblicken. Wobei jenes, aus dem altpersischen übersetzte „pairi-daeza“ genau dies heißt „Rund herum“ von einer „Mauer“ umgeben. Möglicherweise umgab die Mauer bereits einen älteren Renaissancegarten an gleicher Stelle. In Zeiten des Friedens, als der Wehrcharakter mittelalterlicher Burganlagen zurückging, wuchs gleichzeitig das Bedürfnis nach Repräsentation im Freien. Ende des 14 /Anfang des 15. Jahrhunderts begann von Italien aus der Siegeszug des Renaissancegartens, der immer von einer massiven Mauer umgeben war. Ob der Lust-Garten des Johann Friedrich I. Bachoff von Echt auf eine ältere Anlage zurückging, die beim Brand 1665 zerstört wurde, ist allerdings nicht bekannt. Womit genau die Flächen zwischen den in geraden Linien verlaufenden Wegen bepflanzt waren, weiß man im Fall von Dobitschen nicht. Auf der Urkatasterkarte von 1807 sind in Reihen gepflanzte Bäume an den Seiten zum Waalgraben und zur Mauer zu sehen sowie locker dazwischen gesetzte Gehölze. Ein Solitärbaum (einzeln und frei stehender Baum) wächst in der Mittelachse des Schlosses in einem Wegrondell. An den Schlossgarten grenzte an dessen Ostseite eine große, mit Obstbäumen bestandene Gartenfläche an - „Am Lustgarten“ genannt. Hier treffen die gegensätzlichen Begriffe des „Viridariums“ (lat. für „Lustgarten, Park“) und „hortus“ („Nutzgarten“) aufeinander. Aber ohne letzteren ist nicht an den „Lust-Garten“ zu denken, denn der „hortus“ versorgte die Menschen. Bereits der Gott der Genesis (Niederschrift ca. 10. bis 6. Jh. v. Chr.) legte als Lebensgrundlage für den Menschen einen Obstgarten an. Und das Wort „cultura“ ist vom lateinischen „colere“ abgeleitet, was „pflegen“ und „ernten“ bedeutet. Zu den „Hauptprodukten von Dobitschen und den eingepfarrten Ortschaften“ gehörten „Getreide und Obst,“ so ein Autor um 1845. Zur besseren Lagerung und Frischhaltung verderblicher Güter wurde 1912 ein Eiskeller an die Scheune im großen Rittergutsgarten angebaut.

(Quelle: „… und nachmittags fuhren wir nach Nöbdenitz segeln! - Rittergüter im Altenburger Land“, Museum Burg Posterstein)