Geschichte des Renaissance-Herrenhauses in Oberzetzscha

Das Renaissance-Herrenhaus in Oberzetzscha wurde im Jahre 1567 für die Familie von Stange erbaut.

Bereits ab 1394 wird in Urkunden jedoch von einem Vorwerk Oberzetzscha berichtet. Es ist möglich, dass beim Bau des heutigen Gebäudes im Jahre 1567 im Bereich des Kellers und der Grundmauern Teile des Vorgängerbaues wieder verwandt wurde.

Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gehörten zum großzügigen Anwesen des Rittergutes ein südlich vorgelagerter Wirtschaftshof, der so genannte „Spitzgarten“ sowie ein separater „Küchengarten“ und ein „Lustgarten“.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden das Herrenhaus und die Gesamtanlage baulich verändert. Das Haus wurde in dieser Zeit im äußeren Erscheinungsbild im Stile der Neorenaissance überformt und erhielt u. a. auf der Südseite ein großes Zwerchhaus. Der alte Wirtschaftshof wurde abgetragen und durch großzügige neue Wirtschaftsgebäude östlich und südöstlich des Herrenhauses ersetzt.

Baulich hatte das Gebäude einen repräsentativen Schaugiebel auf der Ostseite. Der Westgiebel war etwas schlichter gehalten. Der Haupteingang zum Gebäude befand sich auf der Südseite.

Das ursprüngliche Raumprogramm bestand aus mehreren großen saalartigen Räumen sowie einer Treppenanlage und kleineren Nebenräumen. Später wurden die Räume durch Zwischenwände abgeteilt und die Lage der Treppe verändert. Von außerordentlicher überregionaler denkmalpflegerischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung ist die in der Südseite des Obergeschosses liegende, reich ausgestattete Stube mit Bohlendecke und inneren Bohlenwänden. Als Besonderheit der künstlerischen Ausstattung gelten hier die dekorativen Wandmalereien (u. a. Jagdszenen, Reiterdarstellungen) und die zur Zeit noch übermalten ornamentalen Deckenfassungen aus der Zeit der Renaissance.

Durch Fachleute wird diese kunstvolle Ausstattung in ihrer Qualität mit der zwischen den Jahren 1584 und 1589 entstandenen Malerei im großen Saal von Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden verglichen.

Auch in weiteren Räumen des Hauses sind an vielen Stellen bauzeitliche Farbfassungen erhalten geblieben. Im Erdgeschoss und im Obergeschoss sind Holzdecken mit mächtigen schiffskehlprofilierten Unterzügen vorhanden.

Trotz der verschiedenen baulichen Eingriffe und Veränderungen ist das Herrenhaus Oberzetzscha bis in die heutige Zeit als repräsentatives herrschaftliches Wohnhaus aus der Zeit der Renaissance erhalten geblieben.

Nur rund drei Jahre später als das berühmte Altenburger Rathaus errichtet, bietet das Haus mit seiner wertvollen Ausstattung und seinem umfangreichen Bestand an bauzeitlicher Originalsubstanz einen Einblick in die Wohnbedürfnisse und gestalterischen Ansprüche des Landadels im ausgehenden 16. Jahrhundert.

Mit dem baulichen und künstlerischen Bestand des Herrenhauses besitzt die Stadt Altenburg ein stattliches herrschaftliches Bauwerk aus der Zeit der sächsischen Hochrenaissance , wie sie ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch in den zu größerem Reichtum gekommenen Handelsstädten Görlitz, Wittenberg, Freiberg oder Torgau entstanden sind.

1206 - erstmalige Erwähnung des heutigen Ortes Oberzetzscha (laut Urkunde aus dem sächsischen Staatsarchiv in Dresden)

1350 - Erwähnung eines Ortes „Zcezcow“ im Lehnbrief des Markgrafen Friedrich

1394 - Erwähnung eines Vorwerkes Oberzetzscha (Mitteilung über \erkauf)

ab 1446 - die Hälfe des Vorwerkes im Eigentum der Familie von Stange

1567 - Neubau des Herrenhauses

bis 1609 - Erbfolge in der Familie von Stange

1609 bis 1927 im Besitz verschiedener Familien

1927 - Kauf des Rittergutes Oberzetzscha durch die Eheleute Karl-Gustav und Martha Ritter aus Merseburg

1938 - Übernahme des Hofes durch Erich Ritter (Sohn der Eheleute Ritter)

September 1955 - Erwähnung des Rittergutes im Verzeichnis der Denkmale des Kreises Altenburg

28.Mai.1980 - Denkmalerklärung für das Herrenhaus Oberzetzscha durch den Rat des Kreises Altenburg

ab 1993 - Herrenhaus und Gutsanlage werden nicht mehr genutzt und stehen leer (Beginn des starken baulichen Verfalls). Bemühungen der Unteren Denkmalschutzbehörde und des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege zur Sicherung des Herrenhauses

10. Februar 1994 - Eingemeindung des Ortes Zetzscha in die Stadt Altenburg

September 2000 - mit Vorlage der bauhistorischen Kurzdokumentation werden wesentliche neue Erkenntnisse zum Herrenhaus bekannt, durch dendrochronologische Untersuchungen an Bauteilen wird das Jahr 1567 als Baujahr des Herrenhauses ermittelt, im südöstlichen Eckraum des ersten Obergeschosses wird an den Wänden und an der Decke eine originale Ausmalung aus Zeit der Renaissance entdeckt (um 1567 mit Reiterdarstellungen und Jagdmotiven), bei weiteren Untersuchungen wird festgestellt, dass am und im Gebäude wesentliche Bauzustände, Bauteile und Raumfassungen aus der Bauzeit (1567) im Original erhalten sind.

25. Januar 2000 - Beschluss des Stadtrates der Stadt Altenburg zur Übernahme des Herrenhauses durch die Stadt Altenburg

September 2006 - Beginn umfangreicher Sicherungs- und Rekonstruktionsarbeiten zur Wiederherstellung der bauzeitlichen Fassadenstruktur (u. a. Einbau des Haupteingangsportals aus Sandstein an der Südseite des Gebäudes)

Quelle: Flyer des Fördervereins „Renaissance-Herrenhaus Oberzetzscha“ e. V.