Das Badershaus

Es wurde von Bader bewohnt, dem die öffentliche Gesundheitspflege im alten Sättelstädt oblag. Die mittelalterliche Heilfürsorge war ja noch weithin von abergläubischen Vorstellungen bestimmt. So glaubte man mit Hilfe von Bannsprüchen und Beschwörungsformeln auf die Krankheit einwirken zu können. Daneben spielte die Verwendung heilkräftiger Kräuter, wie Sarnikel, Ehrenpreis und das Tausendgüldenkraut, die man "am Kräutersonntag" in der "Apotheke" unweit des Jesusbrünnleins suchte, eine Rolle. Ein Fortschritt bedeutete in dieser Hinsicht das Aufkommen des Baderberufs und die Einrichtung öffentlicher Badestuben, die der Hygiene dienten und die er zu bedienen hatte. Auch in unserem Dorf gab es eine solche "Badstube" - sie lag an der "Badstubenecken" der Hörsel, unweit der Eisenbahnbrücke - die gegen Zahlung einer Gebühr von den Einwohnern benutzt werden konnte. 1680 zahlte der Bader Erbzins für das Baderhaus, das er bewohnte. Für die gesundheitliche Betreuung der Gemeinde erhielt er eine "Medizin-Verpflegung" in Höhe von 4 Gulden 4 gr und 8 &. Der Bader war zugleich Heilgehilfe, dem äußerliche medizinische Eingriffe erlaubt waren. So gehörte zu seinen Aufgaben das "Zur Ader Lassen", wodurch man Krankheiten vorbeugen wollte. In Leinpeters Tagebuch lesen wir unter seinen Ausgaben: "Zwei gr. dem Bader zu Satinstete, da er Ader gelassen hat“. Wie sehr freilich das Zutrauen zu dieser ärztlichen Hilfe noch durch abergläubische Vorstellungen getrübt war, zeigt der darunter stehende Ausgabenposten, wenn es da heißt: "Drei gr. 6 & für ein Batternoster (Vaterunser) bei der Frau Meng", So hatte Hans Leinpeter - um ganz sicher zu gehen, neben den Bader auch noch eine Gesundbeterin bemüht, deren Vergütung über der des Baders lag. Drei Bader-Arztfamilien haben in der Zeit von 1630 bis 1830 hier ihr Amt ausgeübt. Die Familie Schöber. Hans Schöber stirbt in Pestjahr (1636), aber sein Sohn Jakob führte das Baderamt weiter. Dessen Tochter Margarethe Christiane heiratete den 1694 aus Oberweisbach zugezogenen Badermeister Valentin Holland den Ahnherren der zweiten Baderfamilie. Sein Sohn Johann Jakob Holland, der schon mehrfach erwähnt wurde, war zunächst Bader und dann Gutspächter. Dessen Sohn war studierter Arzt am Ort, starb aber schon sehr jung am Fleckfieber 1771. Nachdem kurze Zeit ein Georg Ludwig Pöhler und dessen Schwiegervater Joh. Andreas Hoffmeyer hier als Bader tätig waren, hat die Baderfamilie Rudloff die Gesundheitsfürsorge wahrgenommen. Auf Gabriel Rudloff (geb. 1723) folgte sein Sohn David, der wohl der letzte Bader war, denn dessen Sohn Dr. Joh. Caspar Rudloff war als Arzt bis zu seinem Fortzug nach Waltershausen (1850) hier tätig.

(Quelle: Dr.Herbert Kosak in: „Aus Sättelstädts Vergangenheit“)