Baderei


Diese enge Gasse war ursprünglich ein kleines Teilstück der durch Altenburg führenden ehemaligen Reichsstraße, der Via Imperii, deren Ausgangspunkt in Jütland lag und über Norddeutschland, Nieder- und Mitteldeutschland bis nach Böhmen führte. Sie ermöglichte den Fernhandel und begünstigte dadurch mit Sicherheit die Entwicklung der kleinen Kaufmannssiedlung Altenburg im 12. Jahrhundert positiv.


Die Kaufleute mussten sich mit ihren Fuhrwerken mühevoll durch diese Gasse schlängeln und blieben so manches Mal stecken, da diese Straßen noch keineswegs ausgebaut waren. Die Baderei lag bereits im Schutze der Stadtmauer. Diese Bezeichnung ist sicherlich auf die Errichtung öffentlicher Bad(e)stuben im 13. Jahrhundert zurückzuführen. In dieser Altenburger Gasse befanden sich eine „Obere“ und eine „Mittlere Badstube“, wobei die „Obere“ die größere gewesen sein mag. Öffentliches Baden war in dieser Zeit auch ein „gesellschaftliches Ereignis“, man vergnügte sich und natürlich wurde auch dem Essen und Trinken große Aufmerksamkeit gewidmet. Die Mahlzeiten wurden festlich begangen, förmlich zelebriert und es verging eine geraume Zeit, ehe die „Tafel aufgehoben“ wurde.

Die Badstuben dienten jedoch nicht nur der körperlichen Reinigung, es wurden auch „medizinische Behandlungen“ durchgeführt. Neben Urinuntersuchungen, Zahnziehen, Geschwüre aufschneiden wurde auch „abgefleht“ (abgeflöht). Einen Großteil der Arbeit des Baders nahm das „Bartscheren“ ein. Bereits in längst vergangener Zeit mussten diese „Wohltaten“ bezahlt werden. Für Männer kostete ein Bad 4 Pfennig, für Lehrjungen und Mädchen 2 Pfennige. Weiber mußten 3 und Kinder unter 12 Jahren 1 Pfennig entrichten. Wurde eine Wanne von der ganzen Familie genutzt, wurden pauschal 6 Pfennig erhoben. Doch die Hygiene in den öffentlichen Badstuben ließ immer mehr nach und man sprach: „Mancher geht krätzig ins Bad und kommt räudig wieder heraus.“ Im 18. Jahrhundert wurden die Badstuben in der „Baderei“ wahrscheinlich geschlossen. Bis zu dieser Zeit gab es nachweislich etwa 40 Bader, deren Namen uns auch überliefert sind.

Der Name „Baderei“ blieb. In diesem kleinen Stück Altenburg waren zahlreiche Berufe und Händler vertreten: Fleischer, Schuhmacher, Bäcker, Fischer, Gerber und Wirtsleute. Später gingen auch Buchbinder, Nadler, Kupfer- und Messerschmiede ihrem Gewerbe nach. In der Baderei Nr. 5 ist noch heute ein Schlussstein vorhanden, der auf einen Bäcker hinweist. Das Kaufhaus Müller warb als „größtes Geschäftshaus am Platze“ im Jahre 1894 und über „Fisch-Block“ kann man in einer Anzeige lesen „dass Frische Seefische und 1A Räucherware erhältlich sind. Die Käufer werden dringend gebeten, Papier oder Gefäße für den Heimtransport mitzubringen!“

Bis in die heutige Zeit wird in der Baderei ein reger Handel getrieben – nun aber inmitten schön restaurierter Fassaden und liebevoll gestalteter Schaufenster.



Quelle: Altenburger Tourismusinformation