Melchior Bauer


Melchior Bauer erblickt am 19. Oktober 1733 in eben jenem kleinen Ort Lehnitzsch das Licht der Welt, das für ihn nicht gerade hell erstrahlt. Seine Eltern sind nicht sonderlich vermögend, finanzielle Sorgen bestimmen das Leben der Familie Bauer. Seinen eigenen Worten zufolge kommt er beim Lesen der Bibel auf die Idee, einen „Himmelswagen“ zu konstruieren. Denn, so Bauer, in der Heiligen Schrift prophezeit Hesekiel, dass die Menschen eines Tages fliegen könnten. Warum also nicht mit Melchior Bauers Hilfe. Entscheidend für die Flugfähigkeit des Bauerschen „Himmelswagen“ ist, dass bei dieser Konstruktion starre Tragflächen verwendet werden sollten. Doch solch ein Flugzeug kostet, will man die Konstruktion in die Tat umsetzen, Geld, für Melchior Bauer sogar viel Geld.

Doch weder der Preußenkönig Friedrich II. noch der englische König Georg III. besaßen genügend Phantasie, um die für sie vergleichsweise geringen Kosten aufzubringen. Der kühne Himmelswagenkonstrukteur hatte sich vergeblich an beide Monarchen in der Hoffnung auf eine Finanzierung für den Flugzeugbau gewandt. Zuletzt versuchte Bauer den Grafen Heinrich XI. von Reuß-Greiz für seine Idee zu begeistern, ebenfalls ohne Erfolg. Die Spuren Bauers verlieren sich ohne feste Anhaltspunkte, nicht einmal sein Sterbejahr und -ort sind bekannt.

Geblieben ist ein weit über die Zeit hinausweisendes Projekt, das, wäre es realisiert worden, schon vor 250 Jahren einen Altenburger Flugplatz nötig gemacht hätte.


Aus der Handschrift des Melchior Bauer


"Denn es ist des gerechten Gottes Rath, daß wir Menschen sollen drey Wege gehen, nemlich auf Erden, Wasser und Luft. Sein Wort ist uns Zeugniß genug und auch die Creaturen und Thiere auf Erden. Solten denn die dummen Flügen, Mücken und Heuschrecken einen ewigen Vorzug vor vernünftigen Menschen und Kindern Gottes haben? Sind denn die Menschen nicht so viel werth, als die Raben, Gänse, Schwane und Störche? Solten denn mit Gottes Hilfe dem Menschen solche Dinge nicht auch möchlich sein, sowohl als über das Wasser zu fahren? Denn gleich wie uns Gott Instrumente gegeben hat, über das Wasser zu fahren, also kan er uns auch Instrumente geben, in der Luft zu gehen. Denn er ist mächtig und weise genug darzu."

Melchior Bauer zeichnete um 1760/1765 einen hölzernen Flugapparat mit kleinen vertikalen Schlagflügeln und großen, starren, mit Seide bespannten Tragflächen. Dieser Entwurf wurde im Frühjahr 1921 in einem Archiv in Greiz südwestlich von Zwickau entdeckt.

Melchior Bauer versuchte im Jahre 1763 Friedrich den "Großen" für seinen "Cherubwagen" zu gewinnen, der es als "Narrheit" abtat.

Um 1765 wandte er sich, nachdem er an anderen Höfen schon abgewiesen wurde, an den Graf Heinrich XI. von Reuß-Greiz mit der Bitte um finanzielle Unterstützung. Auch hier wurde er abgewiesen; die Akte verstaubte im Archiv und wurde erst 1921 wiederentdeckt. 


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