Archäologische Voruntersuchungen im Hörselberggebiet

Im Zeitraum von April bis Juli 2002 wurden archäologische Voruntersuchungen an Hand von Probeschnitten entlang der geplanten Autobahntrasse vorgenommen. Die Ergebnisse wurden begutachtet und gaben Anlass, archäologische Grabungen durchzuführen. Ab November 2002 wurden archäologische Ausgrabungen und Untersuchungen durch Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes Weimar ausgeführt. So wurden insgesamt an acht Standorten Testgrabungen vorgenommen, um die bereits bekannten Fundstellen frühgeschichtlicher Besiedlungen bzw. den vermuteten Verlauf der alten Heeresstraßen im Nessetal nachzuweisen, zu ergänzen oder neue Entdeckungen zu machen. Auf einer kleinen Anhebung bei Sättelstädt hatte man beim Bau der Reichsautobahn im zweiten Halbjahr 1937 eine germanische Siedlung entdeckt.

Nachdem 1925 der Lehrer und Heimatforscher Hermann Riede aus Sondra vier Steinkistengräber in der ehemaligen Kiesgrube zu Sättelstädt entdeckte, schien dieses Gebiet für die Archäologen doch sehr interessant zu werden. Die Ausgrabungsarbeiten wurden damals vom Eisenacher Bodendenkmalpfleger und Studienrat Dr. Karcher geleitet. Die Ergebnisse seiner Arbeit befinden sich im Bestand der Fundunterlagen der Unteren Denkmalbehörde. Die Fundstücke sind auf Museen in Jena, Weimar, Gotha und Eisenach verteilt. Einige Stücke aus diesem Fundus können im Hörselbergmuseum in Schönau besichtigt werden. Als ebenfalls sehr ergiebige Fundstellen haben sich die jüngsten Ausgrabungen in der Flur Hastrungsfeld, Wenigenlupnitz und bei Neukirchen erwiesen. Während sich bei Hastrungsfeld Reste einer germanischen Siedlung befanden, kamen bei Wenigenlupnitz und Neukirchen die Überreste aufgelassener mittelalterlicher Siedlungen zum Vorschein. An Hand der Fundsachen, die meist aus verschiedenartigen Scherben bestehen, kann auf etwa 100 Jahre genau das Alter der Gegenstände bestimmt werden. Mit gezielten Ausgrabungen entlang der kartierten Trasse, die in einem Vermessungsblatt exakt mit einem elektronischen Tachymeter registriert ist, begannen die archäologischen Ausgrabungen. Zunächst wird mit Hilfe eines Baggers die Grasnarbe bzw. die Pflugschlicht etwa 30 cm abgetragen. Auf der freigeschobenen Fläche lässt sich dann meist schon auf Grund der Farbgebung des Erdreiches erkennen, wo Reste von Wohn- bzw. Wirtschaftsgebäuden zu vermuten sind. Jede erkannte Verfärbung wird markiert, abgesteckt und in aufwendiger Handarbeit von einem Grabungsmitarbeiter systematisch umgegraben, d.h. das Erdreich wird Schicht für Schicht sorgfältig abgetragen und die Fundstücke geborgen.

Germanische Siedlung östlich vom Großen Hörselberg

Die größte Grabungsstelle entlang der geplanten Nordverlegung am Hörselberg befand sich östlich von Sättelstädt im Bereich der schon bekannten germanischen Siedlung. Nachdem die anfangs südlich der vorhandenen Autobahn vorgenommenen Probegrabungen sich nur wenig ergiebig zeigten, wurde etwa zehn Monate lang eine Fläche von 1,6 ha nördlich zwischen Autobahn und Hörselverlauf systematisch ausgegraben. Das dort vorhandene Weide- und Ackerland in Hanglage zur Hörsel wurde Meter für Meter untersucht. Dabei kamen interessante Funde zu Tage, die als eindeutiger Nachweis für eine Besiedlung des l Jahrhunderts vor Christus zu bewerten sind. In einer Tiefe von ca. 30 bis 50 cm kamen dunkle Erdflecken zum Vorschein, die als Pfostenbauten und große und kleinere Grubenhäuser entlarvt werden konnten. Der Abstand der Pfosten lässt erkennen, in welcher Größenordnung die Wohnhäuser gebaut waren und wie sie sich zu einander befanden. Die entdeckten Grubenhäuser weisen Abmessungen von etwa 3 x 3 m oder 3x 4 m auf. Sie wurden wahrscheinlich für handwerkliche Zwecke genutzt. Auf handwerkliche Tätigkeiten weisen technische Anlagen wie z.B, Öfen oder Feuerstellen hin. Ebenso findet man große Vorrats- und Abfallgruben. An Hand von Tonscherben und ihren Verzierungen, Kleinfunden wie Glasarmringen und Perlenschmuck, Bronze- und Eisengegenständen lässt sich der Siedlungsnachweis eindeutig bestätigen. Aus den gefundenen Tonscherben konnten verschiedene Gebrauchsgegenstände zusammengesetzt werden. Alle Befunde innerhalb einer Grabungsstelle werden mit dem elektronischen Tachymeter vermessen, d.h. exakt nach Längen- und Breitengrad der Landeskoordinaten erfasst und kartiert. Jeder gefundene Gegenstand, der erst einmal als solcher identifiziert werden muss, denn nicht selten sind nur abgebrochene Teile von Gegenständen zu erkennen, wird gewaschen, beschriftet und mit einer Inventar-Nummer versehen. Auch die freigelegten Pfosten- und Grubenbauten werden im Foto dokumentiert und gezeichnet, um anschließend eine Hälfte des Schnittes freizulegen. Alle Fundstücke werden im Archäologischen Landesmuseum Weimar begutachtet und archiviert. Noch bis spät in den Herbst 2003 dauerten die Grabungsarbeiten bei Sättelstädt an. Die Mitarbeiter waren bei ihrer Arbeit ständig der Witterung ausgesetzt und mußten durch Zeitdruck ihren Plan einhalten. So konnte ich im Februar bei eisiger Kälte von minus 18 °C den Stand der Grabungsarbeiten begutachten, als der Boden hart gefroren war und nur in Zelten gearbeitet werden konnte. Das Arbeiten in staubiger Erde bei den heißen Sommertemperaturen bis zu über 30 °C als krasses Gegenbeispiel ist nun auch nicht gerade sehr angenehm. Etwa 15 Mitarbeiter des archäologischen Landesamtes Weimar arbeiteten unter Leitung von Herrn Dr. Klaus-Peter Wechler aus Berlin gut ein Jahr im Hörselberggebiet.

Quelle: Hörselberg-Bote