Bürgel mit Thalbürgel (Kr. Eisenberg).

Am linken Ufer der Gleiße, einem rechten Nebenfluss der Saale, und im Schutz einer Befestigung, die auf einer Anhöhe über dem rechten Gleißeufer lag und den Namen »Burgelin« führte, gründete Bertha, die Gemahlin des Markgrafen Heinrich der Niederlausitz aus dem Hause Groitzsch, 1133 das Ben.-Kloster Bürgel. Es besaß freie Abtwahl. Die Vogtrechte gingen nach dem Tod des Markgrafen (1135) auf die Wettiner über. Das Kloster wurde verm. von Paulinzella her besetzt, aus dessen Vermittlung sich auch die hirsauischen Einflüsse erklären dürften, die die im 12. Jh. entstandene romanische Kloster-Kirche St. Marien und St. Georg zeigt; ihre Reste zählen zu den hervorragendsten romanische Bau­werken Thüringens. Unsicher ist, ob — wie in Paulinzella — in Bürgel auch ein Nonnen-Kloster bestanden, sich also vielleicht das dem Kloster Bürgel unterstehende Nonnen-Kloster Remse bei Glauchau, in des­sen Umgebung alter Bürgeler Besitz lag, urspr. in Bürgel befunden hat. Kloster Bürgel gewann ausgedehnte Liegenschaften und zahlreiche Rechts­titel in einer großen Anzahl von Ortschaften, vor allem im um­liegenden Gebiet zwischen Jena-Naumburg-Eisenberg-Stadtroda; hier, aber auch westlich der Saale bis nach Erfurt und Apolda hin und in Westsachsen um Glauchau verfügte es schließlich über einen ziemlich geschlossenen Güterbesitz und errang, wie vor allem eine Anzahl von päpstlichen Aufträgen an den Abt im 14. Jh. zeigen, bedeutendes Ansehen. Im 15. und 16. Jh. besaß es die Landstandschaft. Der Bursfelder Kongregation schloss es sich 1510 an. In seiner Abhängigkeit stand auch die in An­lehnung an die eingangs genannte Befestigung über dem rechten Gleiße­ufer im 13. Jh. vom Kloster gegr. Stadt Bürgel, die urk. 1234 als oppidum, 1307 als civitas bezeugt ist. Dort ließ der Abt seine Hoheits­rechte durch Schultheißen ausüben, die von 1278-1371 erwähnt werden, deren Befugnisse aber durch die Bürgerschaft, vertreten durch ein 1360 erstmals urkundlich auftretendes Ratskollegium mit Rats­meistern an der Spitze, mehr und mehr auf die Gerichtsbarkeit eingeschränkt wurden. Im 15. Jh. gelang es dem Rat, die Wahl von Gerichtsschöppen durchzusetzen und dadurch auch Einfluss auf die Rechtspflege in der Stadt zu gewinnen. Im ganzen aber blieben infolge des Widerstands des Abts die Jurisdiktionellen Rechte, die die Stadt gewann, recht gering; sie beschränkten sich auf Polizeibefugnisse und Teile der niederen Gerichtsbarkeit. Auch die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt, deren Bewohner sich von Ackerbau und Handwerk ernährten, war bescheiden und reichte nicht über ihre engere Umgebung hinaus.

Im Bauernkrieg wurden Abt und Mönche aus Bürgel vertrieben; 1526 erfolgte die Aufhebung des Klosters. Sein Gebiet wurde in ein kurfürstlich sächsisches Amt umgewandelt, dem auch die Stadt Bürgel zugehörte. Die Kloster-Kirche war 1533 noch instand, aber unbenutzt, wenige Jahrzehnte später befand sie sich in Verfall. Damals wurde ein Teil von ihr durch Einbauten zur Kirche des Dorfes Thalbürgel hergerichtet, das in der Umgebung des Klosters entstanden war; Teile der Inneneinrichtung und Baustücke wurden abtransportiert, die Glocke nach Bobeck, das Taufbecken nach Oßmannstedt, Chor­stühle nach der Wartburg und nach Ettersburg, Baustücke zum Neubau der Kirche in Kleinlöbichau, einzelne Säulen, noch um die Wende des 18. zum 19. Jh., zur Ausschmückung der Parks nach Tiefurt und Weimar. Das Kloster-Archiv, das nach der Sequestration nach Weimar gebracht und dort geordnet worden war, wurde Anfang des 17. Jh. nach Altenburg übergeführt und ist dort bis auf geringe Reste untergegangen. 1863-66 und 1888-90 wurde die Kirche restauriert und seitdem in ihrem Bestand erhalten. Alle übrigen Kloster-Gebäude sind verschwunden. —- Bei den ernestinischen Landesteilungen kam das Amt Bürgel, das seinen Sitz in einem im ehemaligen Kloster-Bezirk 1581 errichteten Amtshaus hatte, 1603 an S.-Altenburg, 1672 an S.-Jena und 1691 an S.-Weimar. 1822 wurde es mit dem Hauptteil des Amts Tautenburg zusammen­gelegt. Seitdem befand sich das Rentamt in Frauenprießnitz, das Justizamt bis zu seiner Aufhebung 1879 in Bürgel. Die Stadt Bürgel, deren geringe jurisdiktioneile Rechte während des 17. und 18. Jh. vom Amtmann weiter eingeschränkt wurden, brannte 1754 fast ganz ab. Ihre 1243 erstmals urkundlich erwähnte Pfarrkirche St. Johannis wurde 1755-90 wiederaufgebaut, ein Rathaus-Neubau geschaf­fen, die Stadtbefestigung, die im 14. Jh. entstanden war und drei Tore besaß, zur gleichen Zeit bis auf dürftige Reste abge­brochen. Auch im 19. Jh. blieb Bürgel eine Ackerbürgerstadt von geringer Kraft. Die Bevölkerungszunahme und räum­liche Ausweitung hielt sich in bescheidenen Grenzen, zumal der Anschluss an die Eisenbahn erst 1905 erfolgte. Lediglich das Töpfergewerbe errang seit Ende des 19. Jh. über die Stadtgrenzen hin­aus einen gewissen Ruf und bildet, zusammen mit holzverarbeitender Industrie, noch heute die wichtigste wirtschaftliche Grundlage der Stadt. (IV) Hu

 

Aus Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands – Thüringen

Herausgegeben von Dr. Hans Patze

Alfred Kröner Verlag 1989