Meuselwitz wird Stadt

1677 war Meuselwitz zu einem Flecken erhoben wurden. Das Ansehen hatte es bereits, wie aus einem Bestätigungsbrief der ersten Innung aus dem Jahre 1592, in dem es hieß, dass das Flecklein Meuselwitz von alters her mit Stadtrecht begnadet worden sei. Im Jahre 1836 wurde die alleinige Vertretung durch die Altgemeinde aufgehoben und 20 Repräsentanten aus beiden Gemeinden gewählt, die den Willen der gesamten Gemeinde zum Ausdruck brachten. Schon damals meinte die Regierung, dass es angebracht sei, diesen Vertretern die Besorgung des Gemeinwesens ohne Ausnahme zu übertragen.

Im Jahre 1849 kam es zu mehreren Veränderungen in der Gemeindeverwaltung, besonders durch das Gesetz vom 17. März. Damals wurden unter anderem die Patrionalgerichtsbarkeiten der Rittergüter aufgehoben und auf den Staat übertragen. In den Jahren zwischen 1852 und 1854 wurde es immer klarer, dass ein Zusammenrufen sämtlicher Gemeindemitglieder nicht mehr sinnvoll ist. Es gab 1852 die ersten Gemeindevertreter.

1854 wurde die Wahl der Gemeindevertretung neu geregelt und eine neue Wahlordnung eingeführt. Die Gemeindevertreter wurden nicht mehr von der ganzen Gemeinde, sondern von 16 landschaftlichen Wahlmännern, die das Aktuariat bestimmten, und die in der Gerichtsstube zusammenkamen, gewählt. Jeder von ihnen bekam bei der Wahl einen Zettel, auf dem die 321 wahlberechtigten Bürger standen, von denen er 17 Gemeindevertreter auszuwählen hatte. Die Wahlen fanden aller vier Jahre statt.

Schon 1854 bat die Gemeinde darum, aus dem Marktflecken eine Stadt zu machen, ihr eine ständige Kommunalverfassung zu verleihen und den bis dahin zu delegierenden Aktuar in der Eigenschaft eines Bürgermeisters die Leitung der städtischen Verwaltung zu übertragen. Die Kommune machte aber zur Bedingung, dass die Funktion des Aktuariat nur als eine widerrufliche angesehen werde, und bei Unstimmigkeiten die Gemeinde berechtigt würde, ihren obersten Beamten selbst zu wählen.

Die Regierung war damit nicht einverstanden und vertrat den Standpunkt, dass der oberste Beamte die folgenden zwölf Jahre nach seiner Wahl nicht gekündigt werden dürfte. Da die Kommune nicht nachgab, blieb Meuselwitz ein Flecken.

Das delegierte Aktuariat wurde erst 1861 aufgehoben und die Errichtung einer selbstständigen Zivilverwaltung in Angriff genommen. Von nun an gab es eine Verbindung dieser Behörde mit der städtischen Bürgermeisterei. Es bestand damit also eine Justiziariat und en Stadtrat als eine Art Personalunion neben der alten Gemeindevertretung. An der Spitze der städtischen Vertretung stand der Herzogliche Immediatkommissarius Gustav Vater. Für diesen Justiziariat baute Meuselwitz auch 1862 das schöne Rathaus.

Einfluss auf die Besetzung der Stellen hatte die Gemeinde allerdings nicht. Diese Einrichtung bestand bis 1874. Während dieser Zeit änderte sich auch der Modus bei der Wahl der provisorischen Gemeindevertretung. Schon 1865 verlangten die Einwohner die Einführungen von direkten Wahlen, wie es sie schon in Eisenberg, Lucka und Orlamünde gab. Sie vertraten die Meinung, dass nur durch eine solche Wahl der Wille der gesamten Bevölkerung zum Ausdruck kommen könnte.

1867 kam es in Meuselwitz zu den ersten Wahlen bei der an Stelle der indirekten Wahl durch die landschaftlichen Wahlmänner die direkte Wahl durch Urwähler vorgenommen wurde.

Um 1871 nahm die Entwicklung von Meuselwitz einen großen Aufschwung. Die Weberei machte gute Geschäfte und die Gruben schossen wie Pilze aus der Erde. Die Gemeinde nahm von nun an ihre Geschicke selbst in die Hand. Am 6. Juli 1874 war es dann endlich so weit: Meuselwitz wurde Stadt.

Zum Schluss schrieb Heinrich Meyer in seinen Buch „Aus der Geschichte von Meuselwitz:“ (1924) „Von der Altgemeinde ist fast nichts mehr übrig geblieben. Die Rasenstreifen links der Altenburger Straße sind nicht von Belang. Dadurch nun, dass der letzte Besitz der Gemeinde an die Stadt überging und der Gesamtteil als Adelheid-Park zugänglich gemacht wurde, wird der Name Altgemeinde stets in angenehmer Erinnerung bleiben. Wenn man unter den alten schattigen Bäumen dieser prächtigen Anlage sitzt, so hört der Wissende im Rauschen der Blätter von alten vergangenen Tagen, und er mag nachsinnen darüber, ob sie besser waren, weil sie einfacher und ruhiger dahin flossen; und wenn der Wanderer von der Höhe im Osten ins Tal blickt und die rauchenden Schlote und dampfenden Maschinen erschaut, und goldener Ähren wogendes Leben da, wo von 54 Jahren noch Teiche und sumpfige Wiesen sich streckten, dann wird ihm die Nichtigkeit des kurzen Lebens klarer denn je und die Wahrheit, dass nichts beständiger ist, als der Wechsel.“

Claus Bräutigam; Quellennachweis: Heinrich Meyer „Aus der Geschichte von Meuselwitz“, alte Lesebücher, eigene Unterlagen.

in: „OVZ“ 11.12.2007