Die VIA REGIA und die Eisenbahn in Thüringen

Ein wichtiger Zeitabschnitt in der Geschichte des VIA REGIA-Korridors beginnt mit der Entwicklung der Eisenbahn. Prof. Ernst Kaiser schrieb 1933 in seiner „Landeskunde von Thüringen“:

Je mehr... Thüringen im Zeitalter der Eisenbahn durch Schienenwege erschlossen wurde, umso mehr verödeten die alten Handelswege und verarmten die Fuhrmannsdörfer an ihnen. Aber der Anschluß Thüringens an das moderne Verkehrsliniennetz war ein Glück für die industriereichen Landschaften, in denen die Rohstoffbasis sich mehr und mehr verschmälert und die Steinkohle die Holzkohle verdrängt hatte. Hier konnte nur die Eisenbahn die Industrie halten, denn sie ermöglichte eine Produktionssteigerung, verfeinerte die Erzeugnisse durch Bezugsmöglichkeiten ausländischer Rohstoffe, verbilligte obendrein diese in der Qualität gestiegenen Produkte und erhöhte dadurch allgemein die Bedeutung der Standorte.

Ein Blick auf das thüringische Eisenbahnnetz läßt erkennen, daß die Eisenbahnen im allgemeinen den Hauptrichtungen der alten Wege folgen, wenn sie auch im einzelnen manchmal beträchtlich von ihnen abweichen, weil die Bahn weit mehr von den orographischen Verhältnissen abhängig ist. Schon Friedrich List hatte darauf hingewiesen, daß man bei der Anlage neuer Verkehrsmittel nicht die alten Straßen des Handelsverkehrs verlassen dürfe, an denen die Kultur zur hohen Blüte gelangt sei. Wie im Mittelalter die großen Handelswege, so durchziehen heute die kontinentalen Eisenbahnhauptlinien das Thüringer Land, für die die vielen Klein- und Nebenbahnen die Zubringerlinien sind. Dem alten Königsweg entspricht die Thüringer Bahn, die 1847 eröffnet worden ist. Sie ist die Hauptschlagader des Verkehrs in Thüringen. Auf ihr verkehren täglich 11 D-Zugspaare, teils von Leipzig, teils von Berlin, das sind 32% des Gesamtdurchgangsverkehrs von Ost nach West im mittleren Deutschland.“