Das Preußengrab in Ichtershausen

Das „Preußengrab“ befindet sich östlich von Ichtershausen. Es erinnert an die Ereignisse während der Befreiungskriege 1813/14 im Gebiet von Ichtershausen. Die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. – 19. Oktober 1813 endete siegreich für die verbündeten Truppen, das napoleonische Heer war zerschlagen. In verschiedenen Gegenden befanden sich jedoch noch Stützpunkte der französischen Armee, so auch die Festung auf dem Petersberg in Erfurt mit dem Divisionsgeneral d‘ Alton als Kommandanten und ca. 2 000 Mann Besatzung. An ihrer Belagerung nahmen zahlreiche Regimenter der verbündeten Armeen teil, die sich in der näheren und weiteren Umgebung von Erfurt einquartiert hatten. Dazu gehörte auch das II. preußische Armeekorps unter General von Kleist. Bald sieben Monate, von November 1813 bis Mai 1814 währte die Belagerung der Festung. Langwierige und blutige Kämpfe lieferten sich die Gegner. Dazu kam noch die mangelnde Verpflegung in den ohnehin durch vorhergehende Truppendurchzüge ausgesogenen Ortschaften. All diese Umstände führten zu gefährlichen Krankheiten, die bald epidemische Ausmaße angenommen hatten. Auch in Ichtershausen, wo ein Teil des Kleist’schen Korps untergebracht war, füllte sich ein hier eingerichtetes Hauptlazarett mit den an einem gefährlichen Nervenfieber erkrankten Soldaten. Viele von ihnen ereilte der Tod. So starben von 12. November 1813 bis zum 3. März 1814 in Ichtershausen 700 preußische Soldaten. 20 bis 30 von ihnen wurden manchmal an einem Tag begraben.

Auch die Bevölkerung Ichtershausens blieb von dem Lazarettfieber nicht verschont. Ganze Familien starben. 152 Opfer hatte die Gemeinde insgesamt zu beklagen. Bereits kurz nach dem Ende der Befreiungskriege bepflanzte man die Grabstätte der 700 Soldaten mit Pappeln, um der Nachwelt diesen Ort in Erinnerung zu halten.

Fast zur gleichen Zeit entstand der Gedanke zur Errichtung eines würdigen Denkmals. Er konnte jedoch nicht gleich in die Tat umgesetzt werden, da in der Gemeindekasse die nötigen Mittel fehlten. Im November 1815, als von der Herzoglichen Verpflegungskommission Vergütungen für Lazarettwachen sowie Pflege- und Beerdigungsarbeiten geleitet wurden, beschloss die Gemeinde mit Genehmigung der Beteiligten einmütig, diese Beiträge in die Gemeindekasse abzuführen und als Fond für die Erbauung eines würdigen Denkmals zu verwenden. Doch erst im Oktober 1819 konnte das Vorhaben vollendet werden. Den Entwurf des Denkmals lieferte Johann Georg Wendel, Professor an der Königlichen Kunst- und Bauschule zu Erfurt. Nach diesem führte man den Bau aus. Die zum Denkmal benötigten Felssteine wurden von den Einwohnern Ichtershausens in der unweit der Grabstätte befindlichen Wolfsgrube gebrochen und zur Baustelle transportiert. Diese Arbeiten sowie Handreichungen beim Aufbau leisteten viele unentgeltlichen.

Aufgedrängt T-förmiger Grundlage wurde das Grabmal aus rohen Felsstücken als sich nach oben hin verjüngender, monumentaler Bau errichtet. Seine Höhe beträgt 3,50 m, die Breite 3 m. An der Vorderseite ist eine 1,75 m hohe und 1 m breite Platte aus Seeberger Sandstein eingelassen, die vom Steinbildhauer Raming aus Neudietendorf geschaffen wurde. Von einem Kranz aus Eichen- und Lorbeerzweigen umrahmt, trägt sie folgende, vom damaligen Oberamtshauptmann Spiller von Mitterberg entworfene Inschrift:

HIER RUHEN

DCC TAPFERE KOENIGL.

PREUSISCHE KRIEGER

SIE VOLLENDETEN IHRE

RUHMVOLLE BAHN IN DEM

KOENIGLICH PREUSISCHEN

LAZARETH ALLHIER ZUR

ZEIT DER BELAGERUNG

VON ERFURT

IN DEN JAHREN

MDCCCXIII

UND

MDCCCXIV

ZUM ANDENKEN

VON DER GEMEINDE

ICHTERSHAUSEN

Nach Fertigstellung des Denkmals wurde es mit einem Holzzaun umfriedet und um den Platz herum junge Eichen gepflanzt.

Quelle: P. Unger, Denkmal 1813, in: Denkmale im Kreis Arnstadt, Arnstadt 1988