Jüdische Bevölkerung in Arnstadt

Zwischen 1877 und 1907 wurden 26 jüdische Einwohner als Bürger der Stadt Arnstadt aufgenommen. Die Gleichberechtigung von Juden erfolgte erst mit dem von Bismarck am 3. Juli 1869 für den Norddeutschen Bund erlassenen „Gesetz, betreffend die Gleichberechtigung der Konfession in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung“. Dieses Gesetz galt nach der Proklamation des Kaiserreiches 1871 für ganz Deutschland. Die 1850 erlassene neue Gemeindeordnung für das Fürstentum Schwarzburg- Sondershausen vermerkte im Artikel 28 über die Erwerbung des Bürgerrechts, dass „Weder durch Geburt, Geschlecht, Beruf, Religion, noch durch sonstige persönliche Verhältnisse ein Unterschied in der Berechtigung und Verpflichtung zur Gewinnung des Bürgerrechts“ gemacht wird. Den Melderegistern, als Quelle zur Erforschung der jüdischen Bevölkerung Arnstadts, konnte entnommen werden, dass außer den hier als Bürger aufgenommenen Juden, noch weitere 274 jüdische Menschen, die kürzer oder länger in Arnstadt lebten, hinzukamen. Erste Familien ließen sich 1875 in Arnstadt nieder. Auffällig ist die hohe Zahl der Herkunftsorte aus dem südwestthüringischem Raum sowie dem angrenzenden Bayern und Hessen. Was diese Menschen seinerzeit bewog, nach Arnstadt zu ziehen, ist nicht bekannt. Neben guten wirtschaftlichen Bedingungen, die sie hier vorfanden, die meisten waren als Kaufleute oder als Händler tätig, spielten möglicherweise hier auch verwandtschaftliche Beziehungen der Familien untereinander eine Rolle, und man folgte seinen Verwandten hierher. Zwischen 1875 und 1910 wurden in Arnstadt 89 Kinder jüdischer Familien geboren. Jedenfalls scheint für viele Juden Arnstadt ein lebenswerter Ort gewesen zu sein, um hier zu arbeiten und Familie zu gründen, zumindest bis zu jenem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte.

(Quelle: Aus der Vergangenheit von Arnstadt und Umgebung – Heft 11, Thüringer Geschichtsverein Arnstadt e.V. 2001)