Theodor Neubauer

* 12. Dezember 1890 in Ermschwerd (heute Stadtteil von Witzenhausen an der Werra);

5. Februar 1945 im Zuchthaus Brandenburg-Görden, hingerichtet

Er war ein deutscher Parlamentarier, Kommunist und Widerstandskämpfer.

Der Sohn eines Gutsinspektors besuchte von 1901 bis 1910 das Gymnasium Erfurt und wurde kaisertreu und patriotisch erzogen. 1910 bis 1913 studierte er in Brüssel, Jena und Berlin Geschichte und neuere Sprachen, promovierte 1913 über „Die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Stadt Erfurt vor der Reformation“. Politisch engagierte er sich zunächst als Nationalliberaler und meldete sich 1914 freiwillig zum Kriegsdienst, wurde 1915 Leutnant und 1917 nach einer Gasvergiftung entlassen. Anschließend war er Hilfslehrer in Erfurt.

Im Dezember 1918 wurde er Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei, schloss sich aber im Spätsommer 1919 der USPD an. Er veröffentlichte Arbeiten, in denen er eine echte demokratische Volksbildung forderte. Im März 1920 beteiligte er sich als einziger Lehrer an seiner Schule an dem Generalstreik gegen den Kapp-Putsch.

Er verlor seine Lehrerstelle, zog nach Ruhla und ging dort Ende 1920 mit dem linken Flügel der USPD zur KPD. Als Lehrer in Ruhla wurde er im September 1921 für die KPD in den thüringischen Landtag gewählt. Im Oktober 1922 wurde er Studienrat am Realgymnasium Weimar.

Im Oktober 1923 wurde Neubauer als Staatsrat in der SPD-KPD-Landesregierung Thüringens gewählt. Er protestierte gegen den Einmarsch der Reichswehr, seine Immunität wurde aufgehoben und er musste Ende Oktober ins Rheinland flüchten, wo er unter dem Pseudonym Lorenz hauptamtlicher KPD-Funktionär wurde. Mitte 1924 leitete er als Chefredakteur die Düsseldorfer KPD-Zeitung „Freiheit“ und wurde im Dezember 1924 Reichstagsabgeordneter (bis 1933). In den Fraktionskämpfen der Jahre 1925/1926 stellte sich Neubauer zunächst auf die Seite der Ultralinken. 1927 bis 1929 war er wieder Chefredakteur der „Freiheit“. 1930 wurde er Mitarbeiter des KPD-Zentralkomitees in Berlin, schrieb 1932 ein Buch über „Deutsche Außenpolitik heute und morgen“. Er verfasste auch zahlreiche Gedichte.

Am 7. Februar 1933 nahm er an der vom ZK einberufenen Tagung der Politischen Sekretäre, ZK-Instrukteure und Abteilungsleiter der KPD im Sporthaus Ziegenhals bei Berlin teil. Im März 1933 ging er in den Untergrund, wurde aber schon am 3. August verhaftet. Beim Reichstagsbrandprozess wurde er Oktober 1933 als Zeuge aufgeboten, trotz Folterung unterstützte er die Aussagen des Angeklagten Georgi Dimitrow. Bis März 1939 war Neubauer in verschiedenen KZs inhaftiert, im KZ Buchenwald gehörte er der illegalen Lagerorganisation der KPD an.

Nach seiner Haftentlassung aufgrund eines Gnadenerlasses zog er wieder nach Thüringen, nahm seinen Wohnsitz in Tabarz/Thür. Wald und baute dort ab 1941 zusammen mit Magnus Poser ein kommunistisches Widerstandsnetz auf (Neubauer-Poser-Gruppe). Im Sinne der Einheitsfrontpolitik der KPD bereitete er aber auch eine breit angelegte antifaschistische Widerstandsorganisation vor, trat für den Zusammenschluss aller Hitlergegner ein und setzte die politische Orientierung des Nationalkomitee Freies Deutschland um.

Seine Dienstreisen als Automonteur und Lagerhalter nutze er für die illegale politische Arbeit. Im Herbst 1943 nahm seine Gruppe Kontakt zu anderen kommunistischen Gruppen auf, vor allem zur Leipziger Gruppe um Georg Schumann sowie zur Berliner Gruppe um Anton Saefkow. Am 4. Juli 1944 wurde Neubauer verhaftet, am 8. Januar 1945 in Berlin vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 5. Februar 1945 hingerichtet.

Bedeutung zu DDR-Zeiten

Zu DDR-Zeiten wurde Theodor Neubauer als Widerstandskämpfer geehrt. Es wurden in vielen Orten Straßen oder Schulen nach ihm benannt und Denkmäler aufgestellt. In der öffentlichen Darstellung wurde er als einer der bedeutendsten Widerstandskämpfer aus Thüringen bezeichnet. Nach 1990 ließ die Verehrung Neubauers nach, Straßen und Schulen wurden teilweise umbenannt

Quelle: Internet