Das Taubertsche Gut in Gardschütz

ANDREAS KLÖPPEL

Der vorliegende Text ist ein Ausschnitt einer größeren Abhandlung über Gardschütz und speziell des Taubertschen Gutes als einen der interessantesten und wertvollsten Altenburger Bauernhöfe. Unter derselben Überschrift geht der Autor bis in die Gardschützer Vorgeschichte zurück, schreibt über die Beziehungen des Klosters Grünhain im Erzgebirge zu Gardschütz und dem Altenburger Land, recherchiert die bäuerlichen Gutsinhaber seit 1544, beschreibt die Baulichkeiten und Baugeschichte und erzählt Ereignisse rund um den Hof.

Um ein solches Ereignis aus dem Jahre 1813, kurz vor der Leipziger Völkerschlacht soll es im Folgenden gehen:

Betritt man, von der Zwickauer Straße kommend, den Hof Gardschütz Nr. 2, so findet man auf der linken Seite des Hofes, gleich hinter der abgebrochenen Toreinfahrt und dem Giebel des Wohnhauses mit seinem Vorgarten gegenüber ein Wirtschaftsgebäude, das, auf einem Bruchsteinsockel stehend, aus Stampflehm errichtet worden ist. Über der Tür in der Giebelseite war eine mit einer französischen Inschrift versehene Spruchplatte, die von fünf Kanonenkugeln umrahmt wurde, eingelassen. Der Text lautet:

Ce que Vous voyes, est pour remarquer, qu‘il est passe ici ce 24. Septembre 1813 par Lefebre et Thielemann“ und in einer sinngemäßen Übersetzung: „Das, was ihr hier seht, ist um zu zeigen, was hier passiert ist am 24. September 1813 durch Lefebre und Thielemann“.

Was also war an jenem 24. September 1813, nur wenige Wochen vor der Völkerschlacht bei Leipzig in unserer Heimat geschehen?

Die wohl sicherste und umfassendste Quelle liefert der Herzogl.- Sächsische Obersteuerrevisor und Vorstand der Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft Wagner in seiner „Chronik der Herzoglichen Residenz- und Hauptstadt Altenburg vom Jahre 1801 bis zum Jahre 1825,…“

Danach wurden die am Morgen des 24. September 1813 in Altenburg angekommenen und an der Mockernschen Straße lagernden Truppen des preußischen Generals Thielemann, bestehend aus „Kosaken, Schwadronen von schlesischen Nationalhusaren, freiwilligen neumärkischen Jägern, schlesischen Husaren vom 1. Regiment, österreichische Chevauxiegers vom Regiment von Klenau, Dragonern und mehreren Stücken Geschütz, von Kosaken bedient“, insgesamt rund 4000 Mann, von den napoleonischen Truppen General Lefebres, über 5500 Mann Reiterei und Infanterie, darunter auch die Generäle Pierret, Krasinsky und Dires, die aus Richtung Lödla nach Altenburg kamen, verdrängt.

Die Verbündeten mussten sich im Laufe des Tages unter Gewehr- und Kanonenfeuer der Franzosen bis hinter die Mockernsche Pleißenbrücke in Richtung Gardschütz, Lehndorf und Heiligenleichnam zurückziehen.

Dabei hatten die Franzosen nicht nur Kanonen auf dem Altenburger Anger postiert, sondern auch auf der Höhe zwischen Altendorf und dem „Kühlen Morgen“ (Burkersdorf) in Stellung gebracht, von wo aus sie den Rückzug der alliierten Truppen unter Thielemann beschossen. Besonders Gardschütz wurde damals von dem Geschützfeuer stark mitgenommen.

Das Gefecht brachte keine militärische Entscheidung, auf beiden Seiten nur geringe Verluste und wurde in den späten Abendstunden eingestellt. Während die Thielmannschen Truppen bei Gardschütz biwakierten, quartierten sich die französischen Truppen in Altenburg ein.

Folgendes sei noch ergänzt: Nicht nur Gardschütz erhielt an jenem Tag Treffer von Kanonenkugeln; beim Neubau der Mockernschen Pleißenbrücke wurden Kugeln von dem beschriebenen Gefecht gefunden. Und auch die Stadt Altenburg erlebte an diesem 24. September 1813 erstmals selbst in diesen Kriegswirren Gewehrfeuer und einschlagende Kanonenkugeln. Eine der Kugeln wurde am Türsturz der Haustür Schmöllnsche Straße 14 angebracht.

Die in der Stadt lagernden Truppenteile der Napoleonischen Armee wurden ein paar Tage später, am 28. September im Gefecht bei Oberlödla unter hohen Verlusten auf französischer Seite, rund 500 Tote, 1380 Gefangene, darunter 56 Offiziere, 3 Kanonen und 2 Pulverwagen, durch die verbündeten Truppen Thielemanns geschlagen. Die Gardschützer Inschriftentafel erinnert also an ein für die Heimatgeschichte wichtiges Ereignis, wann und von wem sie angebracht wurde, ließ sich leider nicht ermitteln. Nachdem der Hof, der auch auf Grund der Inschriftentafel und der damit verbundenen Ereignisse unter Denkmalschutz steht, von der LPG aufgegeben wurde und ungeschützt zwielichtigen „Schatzsuchern“ zum Zerstören, Plündern und Müllabladen überlassen blieb, wurden neben anderen wertvollen Bauteilen auch mehrere der angebrachten Kanonenkugeln gestohlen, so dass die Denkmalschutzbehörde die restlichen Kugeln sowie die Tafel bergen musste.

Zur Geschichte noch ein Geschichtchen:

Wie bereits erwähnt, liegt gegenüber dem Gebäude mit der beschriebenen Tafel das Wohnhaus nebst einem früher sicher wunderschönen Vorgarten, der nach der Straße zu in Verlängerung der Toreinfahrt von einer über drei Meter hohen Bruchsteinmauer begrenzt ist. Die Geschichte vom Offiziersgrab aus den Befreiungskriegen umrankt diesen Vorgarten; in die Mauer eingelassen befindet sich eine durch natürliche Verwitterung ihrer Aussagekraft beraubte rote Sandsteintafel, bei der es sich nach mündlicher Überlieferung um die Gedenktafel für den heim oben beschriebenen Gemetzel vom 24. September 1813 verwundeten, auf dem Hof verstorbenen und an jener Stelle im Vorgarten beigesetzten Offizier handeln soll.

Das sei auch der Grund, warum der Platz unter der Tafel bis zum letzten Besitzer des Hofes, Hans Taubert, besonderer Pflege teilhaftig, von Buchsbaumrondell umgeben und stets mit Blumenschmuck versehen wurde. Möglich und vorstellbar wäre es schon, aber es wäre andererseits auch nicht die einzige Sage, die das besondere Fluidum dieses einst prachtvollen Bauernhofes ausmacht und zu weiterem Forschen anregt.

Quellennachweis beim Autor

Quelle: „Altenburger Geschichts- und Hauskalender 1994“, E. Reinhold Verlag Altenburg