Die Familie Gabelentz als Schlossherren auf Poschwitz

Im Jahre 1507 vernichtete ein Schadensfeuer den mittelalterlichen Rittersitz fast völlig und es dauerte sehr lange, bis aus dem wüstgewordenen Komplex wieder ein bewohnbares Schloss wurde. Erst im Jahre 1580 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Wo in der Zwischenzeit die Bewohner Unterschlupf gesucht hatten, ist nicht überliefert. Jedenfalls gehörte ihnen noch eine Menge weiterer Besitztümer, die sie bewohnt haben könnten. Fast 300 Jahre nach dem Wiederaufbau erfolgte ein abermaliger umfangreicher Umbau des Schlosses.

Exkursion durch Räume des Schlosses

Gabelentz hatte in seinem Schloss zu Poschwitz auch eine sehr wertvolle Spielkartensammlung mit mehr als 500 Spielen zusammengetragen. Darunter waren auch mit der Hand bemalte Unikate oder Exoten, wie zum Beispiel zwei Blätter eines indischen Spieles mit auf Bambus gemalten Figuren. Spielkarten waren das Metier vieler derer von der Gabelentz und bekanntlich wurde ja der Deutschen liebstes Spiel, der Skat, in Altenburg erfunden. In der Spielkladde von Hans Carl Leopold von der Gabelentz finden wir zum ersten Mal im Jahre1813 den Ausdruck „Spat"! und einer der „Erfinder“ war der spätere Kanzler.

Gabelentz' reichhaltige Bibliothek umfasstes Erlesenes zu Sprachen aus aller Welt, Handschriften und vieles mehr. Die wohlsortierte Bücherei war in allen Werken mit dem hier reproduzierten Exlibris - dem sogenannten Bucheignerzeichen - gekennzeichnet.

Werfen wir an dieser Stelle einen Blick ins Arbeitszimmer des weltbekannten Sprachforschers Conon von der Gabelentz auf Schloss Poschwitz:

Die Wände hatten einen grünen Ölfarbenanstrich, Sofa und Stühle waren mit grobem Wolldamast überzogen. Vor dem Stehpult, an dem täglich von 8 bis 12 Uhr gearbeitet wurde, stand ein lederner Drehschemel. Am Fenster war ein Messingtischchen mit Bergen von Zeitschriften aller Art platziert. Es gab hier außerdem für die nachmittäglichen Mußestunden einen sogenannten Großvaterstuhl.

Wissenswertes zu den Schlossherren von der Gabeletz

Es soll vorangestellt werden, dass die adelige Familie Besitztümer in allen Ecken des Altenburger Landes ihr Eigen nannte. Einiges davon ist hier aufgelistet: Dietrich von der Gabelentz war im Jahre 1397 als Pfarrer in Oberlödla tätig. Heinrich von der Gabelentz erhielt 1499 in Gieba (Kybaw) die Lehen über sieben Groschen bei Michel Brix. 1503 verkaufte Georg von der Gabelentz seine Zinsen in Lutschütz an Dietrich von Zschadraß auf Ronneburg. Hans und Georg von der Gabelentz verkauften 1488 Zinsen auf Gütern zu Selwitz an den Gleitsmann Conrad Triller in Altenburg. 1477 verkaufte Hans von der Gabelentz Zinsen aus dem Dorf Nobitz an den Altenburger St. Georgenstift.

Eines der beiden Güter in Nobitz war von 1400 an etwa 200 Jahre lang ununterbrochen im Besitz derer von der Gabelentz auf Poschwitz und seit 1455 auch auf Windischleuba.

Albrecht von der Gabelentz wurde 1400 vom Burggrafen Albert von Leisnig mit „Hof und Vorwerk Nobitz“ beliehen.

1435 folgten ihm seine Söhne Hans und Georg, die 1467 „mit dem Forberg (Vorwerk Nodeditz das der Kitzscher gewest ist)“ vom Burggrafen von Leisnig beliehen worden sind und denen 1468 als Entschädigung für einen zu ihrem Burglehn in Altenburg gehörigen und zum Witwensitz der Kurfürstin Margarethe gezogenen Teil des Schlosshofes, die Obergerichte „in vndt außwendigk dem Dorffe vndt Forberge zu Nabditz“ vom Kurfürsten Ernst verliehen worden.

1502 erhielt Georg von der Gabelentz vom Bergerkloster ein anderes Kirchenpatronat im Tausch gegen das von Gödern. Wolf Albrecht von der Gabelentz, ab 1621 alleiniger Besitzer von Nobitz, verkaufte das dortige Rittergut an den Hofmarschall von Zechau. 1497 verkauften Heinrich und Georg von der Gabelentz Zinsen in Kauerndorf an den St. Georgenstift. 1420 erhielt Albrecht von der Gabelentz in Schelditz ein Lehn vom Burggrafen von Starkenberg. Friedrich von der Gabelentz verkaufte Zinsen in Saara ans Nonnenkloster Altenburg „die auf dem mittleren Kretzschmar lagen“.

Die von der Gabelentz hatten 1528 Zinsen im wüstgewordenen Dorf Celuben bei Primmelwitz. 1455 kaufte Hans von der Gabelentz das Gut Windischleuba, nach ihm folgten seine Söhne Hans und Georg. Hans gab 1481 „Forberg und Ort zur wenigen Luben“ (Windischleuba) an seine Gemahlin Elisabeth. Georg von der Gabelentz hatte Besitz in dem wüsten Dorfe Neuendorf, das unter jenem Besitzer bis 1578 erwähnt ist.

Mehrere Familienmitglieder starben im Krieg

Die erste urkundliche Erwähnung der Familiengeschichte derer von der Gabelentz beginnt mit der Unterschrift als Zeuge auf einem Lehnbrief des Jahres 1388 des Albrecht von der Gabelentz. Er war damals Burgmann auf dem Altenburger Schloss. Nur die wichtigsten Persönlichkeiten hier abzuhandeln wäre zu umfangreich und kann deshalb auch nur stichwortartig und in groben Zügen geschehen.

Als Albrecht von der Gabelentz um 1388 hier residierte, hatte er gleich dreifache militärische Aufgaben zu lösen. Er musste seine eigene Burg in verteidigungsfähigem Zustand halten, ebenfalls war er als Burgmann mit verantwortlich für die Sicherheit der Altenburger Burg und in Kriegszeiten musste er „Militär“ stellen, wenn es auch nur ein einziger bewaffneter Mann war.

Haubold von der Gabelentz, der Sohn von Wolf Albrecht II, war seit 1667 Mitbesitzer von Poschwitz. Er zog als sächsischer Hauptmann mit den Venetianern gegen die Türken und starb 1687 nach vielen weiteren Schlachten auf dem Schiff bei der Rückkehr nach Deutschland. Somit fand er letztlich seine Ruhestätte im Mittelländischen Meer. Auch dessen Bruder Wolf Balthasar verlor sein Leben als kurbayerischer Leutnant im Krieg. Und auch sein zweiter Bruder, Wolf Albrecht, starb 1683 als Fähnrich. Hans Georg II. starb 1773 als Oberlandjägermeister in Altenburg. Dessen Sohn Wilhelm Ludwig starb 1805. Er war herzoglich-gothaischer Kammerherr. Dessen Sohn war herzoglicher altenburgischer Geheimrat, Obersteuerdirektor und Kanzler. Er starb 1831.

Der Bedeutendste des Geschlechts derer von der Gabelentz aber war Hans Conon von der Gabelentz, geboren 1807, gestorben 1874. Er erlangte als Sprachforscher Weltruhm, aber wie sein Vater begann auch er eine politische Laufbahn. Seine Titel waren unter anderem Auditor im Kreisamt, Assessor am Kammerkollegium, Herzoglicher Kammerrat, Geheimer Rat, Ministerpräsident, Präsident der Landschaft. Es war seine berufliche Entwicklung gewesen, aber nicht sein Hobby!

Mit rastlosem Eifer widmete er sich der Erforschung von etwa 200 Sprachen und 83 Grammatiken. Dabei untersuchte er solch seltene und komplizierte Sprachen wie zum Beispiel der Dajak-, Dakota- und Kiririsprache und dem Suaheli. Er war Dr.h.c. der Universität Leipzig, Ehrenmitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, der Akademien Berlin, Pest und Petersburg, Mitglied etlicher wissenschaftlicher Gesellschaften. 1838 wurde er Mitbegründer und Präsident der „Geschichts- und Altertumsforschenden Gesellschaft des Osterlandes“.

Nach ihm trat sein Sohn Georg (1840 - 1893) in seine Fußstapfen.

Er schrieb die „Chinesische Grammatik“, er schuf das grundlegende Werk „Die Sprachwissenschaft“. Zusammen mit Löbe war er der Übersetzer der erhaltenen Teile der „Ulfilas“. 1878 wurde er außerordentlicher Professor für ostasiatische Sprachen an der Universität Leipzig und 1889 wurde er an die Universität Berlin berufen.

Quelle. Karl Czischka in: „OVZ“ vom 28.09.2004, Heimatseite