Hussiten in Altenburg

Bereits im Jahre 1429 zogen die Hussiten in raschem Zuge durch die Lausitz auf Dresden, Riesa, Strehla, Belgern, Torgau bis in die Nähe von Magdeburg. Dann bogen sie, durch brandenburgisches Gebiet marschierend, wieder nach der Lausitz ab und kehrten Mitte November nach Prag zurück. Die Hussiten zogen nach einer einmonatigen Rast über die erzgebirgischen Pässe auf Dresden, Pirna und Meißen, dann über Oschatz, Mügeln zur Mulde. Am 6.Januar 1430 gingen sie bei Grimma über die Mulde, wandten sich in Richtung Leipzig und trafen am Donnerstag, dem 12. Januar, vor Altenburg ein. Hinter der Leiste (ein sich in Richtung Leipziger Straße ziehendes Gehölz) bezogen sie auf den Probsteifeldern, in der Nähe des Magdalenenstiftes, ihr Lager. Die mit großen Vorräten gefüllte Stadt fanden sie verlassen, da die Bewohner mit Weib und Kind in die benachbarten Städte oder in die dichten Wälder der Umgebung geflohen waren oder auf dem gut befestigten Schloss eine Zuflucht gefunden hatten. Am Tage nach ihrer Ankunft drangen sie in die Stadt ein, verwüsteten sie und plünderten hier ohne jede Störung. Es wurden kirchliche Geräte und Bilder, Kranke und Alte, die nicht mehr fliehen konnten, und, wie einige Geschichtsschreiber meldeten, auch neun Mönche auf Scheiterhaufen verbrannt. Ein Sturm auf das feste Schloss wurde abgewiesen oder gar nicht erst gewagt.

Die Hussiten zogen nach einem viertägigen Aufenthalt am 16. Januar früh wieder ab, sollen aber zuvor die Stadt „an allen vier Ecken“ angezündet haben. Die Überlieferung, dass die Stadt mit Ausnahme der drei Klöster, des Johannitersitzes und eines einzigen großen Hauses vollständig niedergebrannt worden sei, ist sicherlich stark übertrieben. Die Zerstörung der Bartholomäikirche und des angrenzenden Viertels ist geschichtlich nachweisbar. Die Kirche musste sich einer vollständigen Erneuerung unterziehen, Der Schaden muss aber dennoch sehr groß gewesen sein, denn noch im Rechnungsjahr 1467/68 stellte der Kurfürst Ernst der Stadt Altenburg 100 Stämme zum Wiederaufbau der im Hussitenkrieg zerstörten Häuser zur Verfügung.

Raubend zogen die Zerstörer von Altenburg über Schmölln hinauf ins Vogtland, dann wieder nach Franken und Bayern. Erst am 21. Februar 1430 kehrten sie mit reicher Beute wieder nach Prag zurück. Gewaltigen Eindruck hat der Hussitenzug auf unser Land gemacht. So lebt die Bezeichnung „Hussitengraben" noch heute im Volksmund fort.

(Quelle: „Chronik der Stadt Altenburg“, Steffen Sell, Heimat-Verlag)