Der Musenhof der Herzogin von Kurland im Schloss zu Löbichau

Das Herzogtum Kurland (heute Lettland) ging wie Ostpreußen, Litauen, Estland und Livland aus deutschem Ordensland hervor. Auf Grund des Vertrages von Wilna (1561) mit Polen kam das Land nördlich der Düna unmittelbar zu Polen – Litauen und das Land südlich der Düna wurde als Herzogtum Kurland polnisches Lehen. Von den Auswirkungen der Französischen Revolution und den folgenden Auseinandersetzungen in Europa blieb das kleine Kurland zunächst verschont. Polen, als zwar ökonomisch aufstrebender, aber durch die Adelspolitik zerrissener und von Russland abhängiger Staat, wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts schrittweise von Russland, Preußen und Österreich annektiert. Nach der Niederschlagung des polnischen Nationalaufstandes unter Führung von Tadeusz Kościuszko im Frühjahr 1794 durch russische und preußische Truppen folgte die dritte Teilung Polens. Russland erhielt Kurland sowie die restlichen Teile Weißrusslands und der Ukraine, Österreich das restliche Galizien mit Krakow, Preußen Masowien mit Warschau. Polen verschwand 1795 ganz von der Landkarte und Kurland geriet unter russischen Einfluss.

Herzog Peter von Kurland (1724-1800) wurde jedoch von der russischen Zarin Katharina II. annehmbar für den Verlust seines Herzogtums entschädigt. Er blieb damit auch nach seiner Abdankung einer der reichsten Männer in Europa.

Er galt als kunstsinnig und besaß ansehnliche Sammlungen von Gemälden und Kunstwerken. Schon sehr bald nach Beginn der Auseinandersetzungen im eigenen Land verlegte der Herzog von Kurland seine Interessen ins Ausland und tätigte zahlreiche finanzielle Transaktionen. Dazu gehörte auch der Erwerb von Immobilien – so beispielsweise des Schlosses Friedrichsfelde bei Berlin, womit Peter in den Stand eines preußischen Großgrundbesitzers gelangte. Er erwarb das Herzogtum Sagan, wohin er sich nach seiner Abdankung zurückzog, mit der ausdrücklichen Genehmigung der weiblichen Erbfolge im Hinblick auf seine älteste Tochter Wilhelmine, außerdem die Güter Nachod und Ratiborschitz in Böhmen.

Die Herzogin (1761-1821) wurde als Anna Charlotte Dorothea von Medem in Mesothen in Kurland geboren, wo sie gemeinsam mit ihrer Stiefschwester Elisa von der Recke aufwuchs. Als Herzogin erhielt Anna Dorothea dann Zugang zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen, besonders zu den königlichen Höfen in Berlin und Paris. In Petersburg und Warschau war sie bemüht, den Streit zwischen ihrem Herzogtum und Russland diplomatisch beizulegen.

Im Kurländischen Palais unter den Linden in Berlin (der heutigen russischen Botschaft) führte sie einen bekannten aristokratischen Salon, in dem sich die Berliner Gesellschaft, Künstler und Gelehrte, wie Wilhelm von Humboldt oder Gottfried Schadow trafen.

Ihre kosmopolitische Weltsicht schlug sich nieder in einem unsteten Reiseleben, welches nach dem Tod des Herzogs Peter (1800) begann und sie zeitlebens durch ganz Europa führte mit längeren Aufenthalten in Rom, Wien, Petersburg, Berlin, Paris, Valençay, Karlsbad, Dresden, Weimar und Löbichau.

Bekanntschaften pflegte sie mit Geistesgrößen wie Goethe, Schiller und Herder; an den europäischen Höfen und in den Fürstenhäusern von Rang war die Herzogin von Kurland gern gesehener Gast.

Die wichtigsten Politiker der damaligen Zeit, unter ihnen solche bedeutenden Männer wie Zar Alexander I. von Russland, Friedrich Wilhelm III., Napoleon, Talleyrand oder Metternich, kannte sie persönlich. Berühmtester Gast in Löbichau war zweifellos Zar Alexander I. von Russland (1777-1825), welcher der Herzogin 1808 im Zusammenhang mit seiner Teilnahme am Erfurter Fürstenkongress einen Besuch abstattete.

Eine besondere Beziehung entwickelte Anna Dorothea zu Paris, Napoleon und dem berühmten Talleyrand. Seit 1809 lebte sie regelmäßig in Frankreich. Ihre Affäre mit dem mehrmaligen Außenminister Charles Maurice de Talleyrand-Périgord (1754-1838) ist im Austausch von Billetts und Briefen der Nachwelt überliefert.

Ihre anfängliche Begeisterung für Napoleon entwickelte sich allerdings zunehmend und vor allem unter dem Einfluss Talleyrands zu einer entschiedenen Gegnerschaft. Nach dem 31. März 1814, der Kapitulation von Paris und dem Einzug der Alliierten, gab es verschiedene Verhandlungen zur politischen Lage im Hause Talleyrand. Letztlich fand in Wien der berühmte Kongress zur Neuordnung Europas statt. Die Herzogin und ihre Töchter konnten all diese Konferenzen aus nächster Nähe verfolgen.

In den folgenden Jahren reiste die Herzogin Dorothea wieder quer durch Europa. Wien, Karlsbad, Löbichau, Valençay und Paris waren nur einige ihrer Stationen. In Schloss Löbichau führte sie in den Sommermonaten einen bekannten Salon. Die Gutsherrschaft Löbichau hatte Reichsgraf Johann Friedrich von Medem im Jahr 1794 für seine Schwester Anna Dorothea erworben. Man ließ das alte Rittergut umbauen, ein neues Schloss errichten und einen englischen Park anlegen. Gleiches galt für das zum Anwesen gehörende Tannenfeld.

Anna Dorothea von Kurland starb am 20. August 1821 im Alter von 60 Jahren in Löbichau.