Auszug aus der Marktordnung von 1695


Eine vom Bürgermeister Joh. Caspar Hendrich signierte und später vom Herzog Friedrich II. bestätigte Marktordnung vom 14. August 1695 trägt (in die Gegenwartssprache übertragen folgenden Wortlaut:


1. An den ordentlichen Markttagen Mittwoch und Sonnabend dürfen Einwohner der Stadt unter dem Wisch allerlei Getreide einkaufen.

2. Dasselbe ist Amtseinwohnern gestattet, doch bedürfen diese bei dem Einkauf größerer Mengen eine Bescheinigung der „Obrigkeit“.


3. Für Nahrungsmittel steht der Wisch bis 12 Uhr, für Getreide und Holz bis 10 Uhr.


4. Stadt- und Amtsfremde dürfen vor Werfen des Wisches kein Getreide kaufen.


6. Den Getreidehändlern ist der heimliche Vorkauf untersagt, ehe der Wisch geworfen ist.


8. Händlern ist es untersagt, auf dem Lande Getreide aufzukaufen. Sie dürfen das nur auf dem Markt nach Fallen des Wisches.


10. Außerhalb der Markttage dürfen die Stadtbewohner für den Haushalt und zum Brauen das Getreide in die Stadt einführen.


11. Die Getreidehändler dürfen nur das Getreide verkaufen, das sie selbst angebaut haben oder das sie nach Fallen des Wisches im Handel erworben haben. Es ist ihnen verboten, vor Fallen des Wisches Getreide zu kaufen und sofort wieder zu verkaufen.


12. Stadtbewohner dürfen selbst angebautes Getreide jederzeit verkaufen.


13. Die Stadtbewohner sollen für die Getreidehändler keinen heimlichen Getreideaufkauf unter dem Wisch vornehmen.


14. Alle haben das Recht, nach dem Werfen des Wisches Getreide zu kaufen oder mit Getreide zu handeln


16. Alle vorher genannten Punkte finden auch auf andere Lebensmittel ihre Anwendung.


17. Der Buttereinkauf für den Hof oder hohe Beamte ist nur mit einer Bescheinigung der fürstlichen Kammer gestattet.


18. Es wird angeordnet, dass die Bauern ihre Waren nicht direkt auf dem Lande, sondern auf dem Markt in Altenburg verkaufen. Davon bleibt ausgenommen, was Untertanen ihren Lehn- oder Gerichtsherren zu geben haben.


19. Fuhrleute vom Lande und Butterhändler dürfen Butter und Käse nicht auf dem Land oder den Bauern auf dem Wege in die Stadt abkaufen. Sie dürfen erst nach dem Fallen des Wisches aufkaufen.

23. Alle vorher genannten Punkte finden auch auf die zum Markt gebrachten Schweine, auf Wollgarn, Leinengarn und Leinewand bis 12 Uhr ihre Anwendung


24. Bei Nichteinhaltung der genannten Verordnungen werden nicht nur die Käufer, sondern auch die Verkäufer bestraft, wenn sie wissentlich an unerlaubte Personen verkaufen.


25. Alle hier nicht berücksichtigten Vergehen werden bestraft.


26. Es sind nur geeichte Maße und Gewichte zu verwenden.


Damit wird in dieser Marktordnung zum wiederholten Male die Klage der Bauern angewiesen, ihre Produkte auf den Dörfern verkaufen zu dürfen. Schon Kurfürst Johannes Friedrich I., der Großmütige /1532 – 1554), hatte angeordnet, dass die bäuerlichen Erzeugnisse auf den Markt nach Altenburg gebracht werden müssen.

Eine bestimmte Regulation des Marktgeschehens erfolgte bereits in gezielter Weise 1483, wie es eine Eintragung im Stadtbuch Altenburgs (Stadtarchiv, CL 81, Blatt10) beweist.So sollte beispielsweise nicht vor der sonnabendlichen Messe gehandelt werden. Außerdem war auch damals schon der Handel bevor „der wysch abegnomen wert“ untersagt.


Quelle: 800 Jahre Altenburger Markt – E. Reinhold Verlag Altenburg