Adolf von Nassau - Deutscher König 1292 – 1298

WOLFGANG ENKE

1296 weilte mit Adolf von Nassau für lange Zeit letztmalig ein deutscher König in Altenburg.

Waren die Besuche der Staufer Friedrich I., Heinrich VI.. Philipp von Schwaben und Friedrich II. und des Welfen Otto IV. meist eindrucksvolle Höhepunkte in der Geschichte der Stadt, so ist das bei Adolf von Nassau anders. Wer war dieser Fürst und was bewog ihn, so zu handeln, wie es bei Karl Schneider in der „Geschichte der Stadt Altenburg und ihrer nächsten Umgebung“ heißt?

Wie sehr er auf persönlichen Gewinn aus war, zeigt der Umstand, dass er das von Rudolf von Habsburg dem Reich zurückgewonnene Pleißenland mit den Städten Allenburg, Chemnitz und Zwickau dem König Wenzel von Böhmen für 10.000 Mark Silber verpfändete. Als aber Adolf seine Anwartschaft auf Thüringen... durch dessen Besetzung sicherstellen wollte, stieß er auf den Widerstand des Bruderpaares Friedrich und Diezmann (Wettiner, Söhne Albrechts des Entarteten, d. V.), so dass er zu deren Niederwerfung 1294 in Thüringen einbrach.“

Nachdem der König zu Beginn des Jahres 1295 nach dem Süden des Reiches gezogen war, kam er am Jahresende mit Heeresmacht ins Pleißenland nach Altenburg zurück. Hier war eine Zusammenkunft zwischen ihm und Friedrich geplant. Ein Attentat eines Gefolgsmannes des Königs auf Friedrich, Anfang 1296, vereitelte das aller. Ein Freiberger Bürger hatte, der Überlieferung zufolge, unter Einsatz seines Lebens den Mordversuch verhindert.

Adolf führte daraufhin den Feldzug erfolgreich zu Ende und sandte im April / Mai 1296 von Altenburg aus Briefe in das übrige Reich mit der Meldung, dass er im zentralen Teil Deutschlands die Gebiete sich wieder unterworfen habe.“ Wenn wir uns vergegenwärtigen. dass in verschiedenen Linien die Wettiner über 700 Jahre in diesem Gebiet regierten, ist es natürlich naheliegend. dass sie und ihre Handlungsweise in der regionalen Geschichtsschreibung zumeist eine positive Bewertung erfahren haben. Blenden wir deshalb noch einmal zurück!

1273 wurde durch die Wahl Rudolf von Habsburgs die schreckliche kaiserlose Zeit, das Interregnum, beendet. Dieser Fürst schien die Gewähr zu bieten, wieder geordnete Verhältnisse herzustellen, ohne dabei den Aufbau fürstlicher Landesherrschaften zu gefährden. Er versuchte jedoch, mit seiner Rückforderung von Reichsgut, das sich einige Fürsten inzwischen angeeignet hatten, dem Königtum eine notwendige Machtgrundlage zu schaffen. Das veranlasste einflussreiche Fürsten in Deutschland, an ihrer Spitze stand der Erzbischof von Köln, Siegfried von Westerburg, die Wahl seines Sohnes Albrecht zu hintertreiben. Sie wünschten eine schwache Zentralgewalt und erwählten am 5. 5. 1292 Adolf von Nassau, dem der Erzbischof von Mainz, Gerhard II., erniedrigende Bedingungen für seine Wahl diktierte. Die meisten zusätzlichen Privilegien sicherte sich der Erzbischof von Köln, aber auch die anderen Fürsten hatten ihre Zustimmung zur Wahl an die Erfüllung weiterer Wünsche geknüpft. Durch diese Art der Kür konnten die Fürsten fast unbehindert ihre landesfürstliche Macht ausbauen und verhindern, dass durch ein erbliches Königtum diese Bestrebungen ernsthaft in Gefahr geraten könnten. Die Interessenlage des so gewählten Königs musste demnach genau entgegengesetzt sein.

Um ein Gegengewicht gegen die Habsburger zu schaffen, vermählte Adolf seinen Sohn Ruprecht mit Agnes, der Tochter des Königs Wenzel von Böhmen. Dieser zahlte die abgesprochene Mitgift von 10.000 Mark für seine Tochter im voraus, wofür ihm bis zum Termin der Vermählung, die 1296 stattfand, wie bereits genannt, das Pleißenland mit den Städten Altenburg, Chemnitz und Zwickau sowie das Egerland verpfändet wurden. Das Geld brauchte der König ja dringend, um seine „Wähler“ wenigstens teilweise zu entschädigen sowie Verbündete zu gewinnen. Adolf war also bemüht, und das spricht nicht unbedingt gegen ihn, sich sehr bald von dieser drückenden Abhängigkeit zu lösen und strebte aus diesem Grunde den Erwerb einer eigenen Hausmacht in Form eines zusammenhängenden Länderbesitzes an.

Er hatte bestimmt nicht ernsthaft beabsichtigt, alle eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen. So sorgte er bald dafür, dass besonders der Erzbischof von Köln, der die umfassendsten Forderungen an ihn zu stellen hatte, durch von ihm veränderte politische Verhältnisse in Brabant „beschäftigt“ wurde. Daraufhin nahm Adolf die Pläne Rudolf von Habsburgs in Bezug auf die mitteldeutschen Gebiete wieder auf. Vom völlig verschuldeten Landgrafen Albrecht dem Entarteten erkaufte er sich die Anwartschaft auf Thüringen.

Da Markgraf Tuto von Landsberg 1291 gestorben war, ohne einen Sohn zu hinterlassen, und die Wettiner nach dem Tode Rudolfs die günstige Gelegenheit nutzten, ihre Probleme selbst zu lösen, erkannte Adolf von Nassau später die dort ohne königliche Zustimmung vorgenommene Erbteilung nicht an und zog das Gebiet als erledigtes Reichslehen ein.

In den gesamten Feldzügen 1294-96 besetzte er militärisch diese Gebiete. Das Geld für die Söldner des Heeres stammte wohl größtenteils aus Subsädienzahlungen der Engländer, deren König Eduard I. sich damit Adolfs Hilfe gegen Frankreich sichern wollte. Plünderung, Verwüstung, Raub und Brandschatzung markierten den Weg der königlichen Truppen, so dass es nach seinem Abzug für die „angestammten“ Wettiner sicher nicht schwierig war, wieder Fuß zu fassen und den Einfluss des königlichen Verwandten, Heinrich von Nassau, den Adolf während seiner Abwesenheit in Meißen und im Osterland eingesetzt hatte, zu untergraben.

Die Hilfe für England kam dann nicht mehr zustande, weil in der Zeit, als die Engländer 1297 auf dem Festland erschienen, Adolf durch eine starke Fürstenopposition bereits in seiner Regierungstätigkeit wesentlich eingeschränkt war.

Der Habsburger Albrecht sah seine Chance gekommen und verbündete sich mit dem Böhmenkönig Wenzel II. und dem Mainzer Erzbischof, denn sie betrachteten die Hausmachtspolitik Adolfs im mitteldeutschen Raum mit Sorge.

Eine Kurfürstenversammlung in Mainz, der zwei Kurfürsten fernblieben, Pfalzgraf Rudolf und der Erzbischof von Trier, setzte den glücklosen König am 23. Juni 1298 ab.

Nur wenige Tage später, am 2. Juli 1298, fiel er in einer Schlacht gegen das Heer Albrechts. Damit hatten sich die Landesfürsten in offener Auseinandersetzung mit dem Königtum durchgesetzt.

Quelle: „Altenburger Geschichts- und Hauskalender 1996“, E. Reinhold Verlag Altenburg