Der Jenaer Kunstverein

Der Jenaer Kunstverein gründete sich am 20. Dezember 1903 und entwickelte sich sehr bald zu einem Vorkämpfer der klassischen Moderne. Er begründete Jenas Ruf als Kunststadt weit über die Region hinaus. Mehr als drei Jahrzehnte blieb er eine tragende kulturelle Instanz in dieser Stadt.
Zu seinen Gründungsmitgliedern zählen der Maler Ernst Biedermann, der Buchhändler Eckard Klostermann, der Oberlandesgerichtsrat Dr. Max Porzig, der bekannte Universitätsprofessor Eduard Rosenthal, Marie Straubel, der Architekt Carl Timler, der Lehrer Dr. Otto Unrein, Hedwig Vollers, Margarethe Wagenmann und der Kunsthistoriker und Gründer des Jenaer Stadtmuseums Professor Paul Weber. Den kunstbegeisterten Begründern ging es „...nicht um ein Bekenntnis zu dieser oder jener Kunstrichtung, sondern darum, daß in Jena überhaupt Kunst gedeihe..“. (Jenaische Zeitung, 4.6.1904). Es wurde zu einer anspruchsvollen Tradition, dem interessierten, wenn auch nicht immer aufgeschlossenen Jenaer Publikum in regelmäßigen Expositionen die aktuellsten Strömungen des modernen internationalen Kunstlebens zu präsentieren und ausführlich in der Lokalpresse beziehungsweise in hochkarätigen Vorträgen zu besprechen. Im Gegensatz zu der im Februar 1904 gegründeten Gesellschaft der Kunstfreunde von Jena und Weimar, zu deren prominenten Mitgliedern im Weimarer Kreis beispielsweise Harry Graf Kessler, Henry van de Velde und Ludwig von Hofmann gehörten, waren die Bemühungen nicht allein auf eine intellektuelle Oberschicht beschränkt. Der Verein wollte mit seiner Tätigkeit vielmehr der Bildung aller Volksschichten dienen.
Die Durchsetzung eines modernen Ausstellungsprofils unter Berücksichtigung neuester Tendenzen in der Kunstentwicklung war oft mühevoll, denn nicht alle Ausstellungen trafen in Jena auf ein verständnisvolles Publikum.
Es wurden abwechselnd Ausstellungen der konservativen und der modernen Strömung durchgeführt. Neben Vertretern der älteren Generation wie Max Klinger, Christian Rohlfs, Ludwig von Hofmann, Hans Olde, Käthe Kollwitz, Emil Orlik und Hans Thoma wurden die "Modernen" wie Heinrich Vogeler, Emil Nolde, Erich Heckel, Karl Schmitt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky und Paul Klee präsentiert. Von den bildenden Künstlern aus Jena sind hauptsächlich Erich Kuithan, Hermann Haack und Ernst Biedermann zu nennen. Bereits bis zum Ersten Weltkrieg hatte sich der Jenaer Kunstverein mehr und mehr zu einem begehrten Podium der Künstler des Expressionismus entwickelt.
Mit der Etablierung der Macht der Nationalsozialisten wurde im Rahmen der Aktion "Entartete Kunst" auch dem Kunstverein 1937 ein vorläufiges Ende gesetzt. Der im Februar 1990 neu gegründete Jenaer Kunstverein bemüht sich, die Tradition der Präsentation zeitgenössischer Kunst und Künstler durch Ausstellungen, Vernissagen, Gespräche, Vorträge und literarisch-musikalische Veranstaltungen fortzusetzen.
(Quelle: www.jena.de/sixcms/detail.php?id=11190)