Schlöpitz

 

Der kleine Ort Schlöpitz an der Blauen Flut nahe Kosma hatte eine interessante und leider nur lückenhaft überlieferte Geschichte. Heute gibt es diesen Ort nicht mehr Es waren die Slawen, die sich hier ihren Wohnplatz wählten. Bei Schlöpitz mündet auch ein Muldentälchen, das bei Gödissa beginnt und hier in die Blaue Flut mündet. Diese Blaue Flut war bekanntlich in alter Zeit ein Bach mit reinem Quellwasser, bis er blau wurde durch die Einleitung der Abwässer von Färbereien und anderen Schadstoffen.

1580 wohnten im Ort 42 Einwohner, 1672 aber nur noch 18, weil die Pest auch hier Opfer forderte. Diese Einwohnerzahl erhöhte sich dann auch im Laufe der Zeit nur wenig. Im Jahre 1831 gab es hier ein Gartengut, ein Rittergut, zwei Anspanngüter und die zum Rittergut gehörige Mühle. Schon zu dieser Zeit war das verträumte Dorf recht gut an die Verkehrswege angebunden. Gleich fünf fast sternförmig vom Ort ausgehende Verbindungswege führten nach Kürbitz, Burkersdorf, Jauern, Göldschen, Romschütz und Göhren, es war fast so etwas wie ein Knotenpunkt im Wegenetz des Altenburger Landes. Trotzdem begann 1985 der völlige Abriss des Dorfes, und das war dann auch der Anfang des Wüst- und Vergessenwerdens.

Im März 1968 lebten nur noch sechs Bürger im Ort und W. Gehlert war der letzte Bewohner des früheren „Sonnenlehns“, er verließ den Ort im Jahre 1972.

Schlöpitz zählte zu den ältesten Siedlungen in der Region, seine erste Nennung in Urkunden finden wir im so genannten Zehntverzeichnis des Klosters Bosau, das die Jahre 1181 bis 1214 umfasst. Der Ort hat schon sehr lange vorher bestanden. Die erste urkundlich nachweisbare Herrenschaft auf Rittergut Schlöpitz/Slepicz bis 1415 ist die Familie von Hopfgarten. Dieser „Hof vnd vorwerk Slepis“ war ein Allodium, das in einem besonderen Lehnsverhältnis zum Landesherrn stand und das als Sonnenlehn / Sunnlehn bezeichnet wurde. Es hatte auch die Erbgerichtsbarkeit inne.

Als „Sonnenlehn“ bezeichnete man in alter Zeit ein Erbgut, das von Diensten und Abgaben jeder Art auf landesherrlichen Befehl befreit war.

Die Familie von Hopfgarten wird erstmals 1278 erwähnt, als Siegfried von Hopfgarten dem Altenburger Bergerkloster „zwei Talente Zinsen im wüst gewordenen Dorf Celuben bei Primmelwitz“ schenkte. Natürlich war diese Familie nicht die erste, die hier saß, aber die Urkunden schweigen über die Zeit vor ihnen.

Nicht überliefert ist, ob sich jemals ein pleißnerisches Adelsgeschlecht nach dem Ort nannte. Dazu sagt Löbe in „Geschichte der Kirchen und Schulen des Herzogtums Sachsen-Altenburg ...„  dass der Conradus monetarius dictus de Siepyce, der 1296 im Dienste des Altenburger Burggrafen Dietrich genannt wird und später als Bürger von Altenburg genannt wird, kein Adeliger war“. Andere Quellen sind aber doch der Meinung, auch dieser war ein Adeliger des Pleißenlandes gewesen. Er war nach einer Urkunde vom 14. April 1296 „als Münzmeister und Gast des Burggrafen auf der Burg Altenburg. Und es ist kaum anzunehmen, dass der Burggraf als Vertreter des Kaisers im reichtumsmittelbaren Pleißenbau andere als solche „von Adel“ um sich scharte.

Das Rittergut kam von der Familie von Hopfgarten im Jahre 1415 durch Tausch an Henczel Forster und dessen Stiefsohn Johann von Werde und der Letzte „scheint auch der noch 1437 lebende Hans von Schlepitz zu sein, der auch kein Adeliger war“. Im Jahre 1445 gab es „drei besetzte Höfe“ im Ort, die alle Leute zum kurfürstlichen Kontingent zu stellen hatten und von diesen drei zahlte „Hopfgartens Gut“ eine Mark und 52 Groschen Geschoss“ an das Amt Altenburg.

Im Jahre 1477 wird ein Caspar von Slepicz genannt, der außer „Vorwerk Slepicz auch in Großenstein, Zschaiga, Pauritz und Lossen Besitzungen hatte“, die er teilweise verkaufte. Dieser Caspar von Slepicz verkaufte auch 1503 Zinsen in Lossen von Firmen, die damals Brosig Ziller bewirtschaftete, an den Stadtrat von Altenburg. Und dieser Caspar von Slepicz war auch oft knapp bei Kasse. Um 1500 borgte er hundert Gulden beim Johannishospital in Zwickau, die erst 1698 zurückgezahlt wurden.

Seit 1534 findet sich in den Archiven als Besitzer des Rittergutes Joachim von Libenhain, der in diesem Jahr Güter an das Altenburger Nonnenkloster verkaufte. Im Kontrakt ist vermerkt, dass diesen Libenhain das „Lehen von Slepz auf dessen untertheniges Bitten und Ersuchen“ übergeben wurde. Um diese Zeit bestand das Rittergut als so genanntes Mannslehn „aus elf Hufen Acker, drei Wiesen, drei Gärtnergütern und aus Zinsen aus vielen Dörfern“.

1556 gelangte das Gut Schlöpitz an die Familie von Ende. Gottfried von Ende erwarb es und Utz von Ende gab dann die Grundstücke an den damaligen Müller Blasius Zimmermann zu Selleris, die Gerichtsbarkeit und Zinseinkünfte verblieben jedoch weiterhin dem Rittergut. Dieser Verkaufsvorgang lautete im Kontrakt:

   umb und vor fünfhalbtausend Gulden Kaufsumme das Rittergut Schlöpitz an der Behausung, Ställen und Gebäuden, Gärthen, Wassergräben und Teichen mit allem Ackerbau samt Wintersaat, allen Wiesen, auch der Mühle und Fischbach…“

Als weitere Rittergutsbesitzer sind hier nachgewiesen von 1646 bis 1652 die Familie von Creutzen, danach Oberst Hans Martin von Oettinger auf Breitenhain und schließlich finden wir das Gut „als erledigtes Lehn zurück an den Landesherrn“.

Der hohe Herr bewirtschaftete das Gut natürlich nicht selbst, er gab es an den Obersteuereinnehmer zu Altenburg und im Jahre 1685 kam es von dort an Veit Ludwig von Seckendorff in Meuselwitz. Bei Seckendorff, dem Rittergutsbesitzer von Meuselwitz und Kanzler des Herzogtums, war das völlig anders als bei bisherigen Besitzern. Er musste nicht „unterthänigst bitten“, er erhielt das nunmehrige Kammergut Schlöpitz „... umb seiner dem gesamten Fürstlichen Hause hier bevor geleisteten und noch überhabenden Dienste gewährt als freyes Eigenthum, das keine Steuern, Präsentgeld, Ritterdienste, keine anderen Abgaben zu entrichten hatte

Nach Seckendorff findet man als Besitzer schon 1688 den Considtoralpräsidenten Döhler in Altenburg, 1710 dessen Sohn, den Justizrat Georg Friedrich Döhler, 1737 Johann Ludwig Gotter, ab 1760 dessen Töchter Christiane W. Knobloch und Johanna Sybille Gotter und ab 1810 an die Familie Porzig.

Als Caspar Porzig das Gut und die Gerechtsame erwarb, ging die Besonderheit einer Trennung von Gut und Lehnsvorrechten zu Ende. Dann folgten ab 1888 noch weitere Besitzer des Gutes Schlöpitz, bis um 1948 wahrscheinlich Gertrud Lohs hier „das Licht ausmachte“ und schon bald begannen Verfall und Ruin des ehemaligen „Sonnenlehns“.

 

Wasserburg stand im Teich

Bei den Teichen im Ort finden wir die Stelle, an der in sehr alter Zeit eine Burg der Herren von Slepz stand beziehungsweise gestanden haben soll. Urkunden dazu sind nicht vorhanden, sodass über Aussehen, Entstehung und Untergang dieser vormittelalterlichen Wehranlage nichts bekannt ist. Diese Wasserburg soll auf der Insel im größeren der Teiche gestanden haben. Hier bildete also der Teich den Burggraben, der anderswo künstlich angelegt werden musste und sicher führte über diesen natürlichen Graben eine Brücke oder vielleicht sogar eine Zugbrücke.

Diese Burg soll es im 11. beziehungsweise 12. Jahrhundert gegeben haben, als es im Pleißengau einige ähnliche Wasserburgen gab, wie zum Beispiel in Nobitz, Breitenhain und anderen Orten, wo die Burg auf einem „Bühl“, also auf einer natürlichen oder künstlichen Insel stand. Sie boten in damaliger Zeit der primitiven Waffen den Feudalherren guten Schutz vor feindlichen Einfallen, aber auch vor den ausgebeuteten Untertanen. Bei vielen Burgen war es aber auch üblich, dass die Untertanen dort bei Gefahren Unterkunft fanden. Das war hier aber nicht der Fall. Dafür war diese Wehranlage doch etwas zu klein.

Und die alten Burgen hatten auch die Aufgabe, alte Handelswege zu schützen. Aber auch das traf hier nicht zu, denn Handelswege führten damals an Schlöpitz nicht vorbei.

 

Karl Czischka

 

Quelle: „OVZ“ vom 22. / 29. Mai 2007