Herzogin Agnes und ihre Grablege

 

Friederike Amalie Agnes kam am 24. Juni 1824 in Dessau als älteste Tochter des Herzogs Leopold IV. Friedrich von Anhalt-Dessau (1794 -1871) und dessen Gemahlin Friederike von Preußen (1796 -1850) zur Welt.

 

Sie entstammte einem Geschlecht des deutschen Hochadels, den Askaniern, deren Wurzeln bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen.

 

Mit 28 Jahren verlobte sie sich am 12.10.1852 mit dem zwei Jahre jüngeren damaligen Erbprinzen Ernst von Sachsen-Altenburg (1826 – 1908), dessen Großvater Herzog Friedrich  von Sachsen-Hildburghausen (1763 – 1834), der Begründer der neuen Altenburger Linie 1826 war.

 

Herzog Georg von Sachsen-Altenburg (1796 -1853) und seine Frau Marie (1803 - 1862) waren die Eltern des Prinzen Ernst. Am 28.4.1853 fand die Hochzeit in Dessau statt. Durch das Ableben seines Vaters Herzog Georg am 3.8.1853 kam eine frühzeitige Regierungsverantwortung auf das frisch vermählte Paar zu.

 

Am 2.8.1854 wurde die einzige Tochter Prinzessin Marie geboren, die am 19.4.1873 den Prinzen Albrecht von Preußen (1837-1906) heiratete. Sie starb mit nur 44 Jahren am 8.10.1898 in Kamenz. Nach der Tochter Marie wurde am 1.2.1856 der einzige Sohn, der erhoffte Erbprinz Georg, geboren. Doch der Junge verstarb knapp vier Wochen später am 29.2.1856.

 

Herzogin Agnes hatte sich als Landesmutter in vielfältiger Weise um ihre Landeskinder bemüht. So gründete sie u. a. am 23.6.1866 den Agnes-Frauenverein zur Pflege verwundeter Krieger, ein Vorläufer des späteren Roten Kreuzes im damaligen Herzogtum Sachsen-Altenburg. Die Ernst-Agnes-Stiftung, am 4.8.1878 geschaffen, diente der Erziehung und Pflege bedürftiger Kinder. Selbst in den Überseebesitzungen in Daressalam (Deutsch-Ostafrika) förderte sie den Bau eines Krankenhauses.

 

Im Alter hatte sie mit zunehmender Schwerhörigkeit zu kämpfen, doch ihre Beschäftigung mit der Malerei mag ihr über manches hinweggeholfen haben. Es sind nicht nur Bilder für Freunde oder wohltätige Zwecke entstanden, sondern u. a. auch für die Kirche in Hummelshain. Sie las sehr viel, auch fremdsprachige Bücher im Original, und soll einen zweibändigen englischen Roman, da noch keine deutsche Ausgabe vorlag, ins Deutsche übersetzt haben. Ihre überdurchschnittliche Belesenheit und Kenntnis der heiligen Schrift regte sie zu eigenständigem literarischem Schaffen an. So veröffentlichte sie ca. 1860 eine bemerkenswerte Schrift zu theologischen Fragen unter dem Titel „Weissagung und Erfüllung - Ein Wort an Israel“. Bis 1893 erreichte das Werk fünf Auflagen und die Übersetzung in acht Sprachen.

 

Nach ihrem Ableben am 23.10.1897 in Hummelshain wurde sie zuerst in der Fürstengruft auf dem Altenburger Friedhof beigesetzt.

 

Herzog Ernst I. verfügte am 50. Gedenktag ihrer Vermählung, die Stiftung der Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche, mit Fürstengruft und dem separaten Eingang an der Südwestseite des Gotteshauses. Sie ist Dauergrablege für die Herzogsfamilie, denn sowohl der Sarg der Herzogin als auch der des Erbprinzen Georg wurden dorthin überführt. Nachdem Herzog Ernst I. am 7.2.1908 im Alter von knapp 82 Jahren verstarb, fand auch er (nach äußerlicher Einbalsamierung) am 12.2.1908 in dieser Gruft seine letzte Ruhe.

 

Da sein jüngerer Bruder Moritz (1829 -1907) bereits vor ihm verstorben war, wurde dessen Sohn als Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg (1871 -1955) der nächste Thronfolger. Für eine kurze Zeit war eine weitere Bestattung in dieser Gruft hinzugekommen. Die ältere Schwester von Ernst II., Elisabeth (*25.1.1865), war seit 1884 Ehefrau des Großfürsten Constantin Constantinowitsch von Rußland (1858 - 1915), Sohn der nach Rußland verheirateten Altenburger Prinzessin Alexandra (1830 - 1911), einer Tochter Herzogs Joseph (1789 -1868).

 

Nach den Wirren der Oktoberrevolution 1917 kam Elisabeth wieder in ihre alte Heimat, starb aber bereits am 24.3.1927 in Leipzig und wurde in der Fürstengruft der Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche beigesetzt. Nach seiner Abdankung 1918 hatte sich Ernst II. als Grablege die sog. Krähenhütte in Wolfersdorf - Trockenborn nahe seines Sommersitzes Schloss Fröhliche Wiederkunft einrichten lassen. Dorthin überführte er am 21.5.1939 den Leichnam seiner Schwester, der Großfürstin von Rußland, wo sie heute neben ihm ruht.

 

Quelle:

 „Der kleine sakrale Kunstführer“

Herausgeber. Altenburger Akademie

Text. Barbara Löwe, Günter Hummel, Gustav Wolf