Wolfgang Conrad von Thumbshirn (1604 -1667)

Das Wappen der Familie von Thumbshirn zeigt im viergeteilten Schild oben neben silbernen und blauen Querbalken einen Säbel schwingenden Türken mit roter Mütze und unten eine golden gekrönte, rot bekleidete Frau hinter einem Andreaskreuz, daneben wieder ein Feld mit silbernen und blauen Querstreifen.

Vor über 400 Jahren wurde Wolfgang Conrad von Thumbshirn geboren. Sein Vaterhaus war das Renaissanceschloss in Ponitz. Während seiner politisch aktiven Zeit kannte ihn fast jeder im Herzogtum Sachsen-Altenburg. In ganz Europa war sein Name bekannt geworden, denn er hatte entscheidenden Anteil am Zustandekommen des Westfälischen Friedens, dem ersten gesamteuropäischen Friedensabkommen. Der verheerende 30jährige Krieg brachte großes Unheil über die Menschen in Europa. Mit Streitigkeiten der Konfessionen, die 1618 mit dem Prager Fenstersturz ihren Anfang nahmen, entstand schließlich durch Einmischung der Außenmächte ein Kampf um rein äußerliche Ziele der Macht und des Besitzes. Zügellose Kriegsbanden wüteten in den Ländern. Endlose Kriegssteuern wurden gefordert. Handel und Wirtschaft lagen am Boden. Böhmen hatte zwei Drittel, Deutschland insgesamt die Hälfte seiner Bewohner verloren. Felder und Weiden waren in vielen Gebieten durch jahrzehntelange Vernachlässigung wüst geworden. Mit dem wirtschaftlichen Verfall ging auch der Verfall in Sitte und Kultur einher. Im August 1645 schickte Herzog Friedrich Wilhelm II. von Sachsen-Altenburg und Coburg die herzoglichen Hof- und Justizräte Dr. Wolfgang Conrad von Thumbshirn (Altenburg) und Dr. Carpzov (Coburg) als Gesandte zu den Friedensverhandlungen nach Osnabrück und Münster. Obwohl sie Vertreter eines weniger mächtigen Fürsten waren, spielten sie doch bei den schwierigen und langwierigen Friedensverhandlungen eine höchst geachtete und einflussreiche Rolle. Die evangelischen Reichsstände erwählten sie neben anderen Abgesandten als Deputierte. Von 1647 an bis zum Friedensschluss wurde ihnen sogar das Direktorium im evangelischen Fürstenrat aufgetragen, was insbesondere dem Talent und den Leistungen Thumbshirns zuzuschreiben ist. Die evangelischen Reichsstände beauftragten Thumbshirn, die Religionsbeschwerden zu formulieren. Er galt als der Mann, der die Verhandlungen beschleunigte. Thumbshirn nutzte die Möglichkeit, während der Verhandlungen direkt auf deren Verlauf Einfluss zu nehmen, durch Vermittlung Einigung zu erzielen und Streitfragen zu schlichten; so suchte er schließlich auch in der Schlussphase den Kompromiss mit den gemäßigten katholischen Ständen. Durch den Westfälischen Frieden erhielt die ganze Epoche der Gegenreformation und des 30jährigen Krieges ihren Abschluss. Bei Thumbshirns Rückkehr wurde im Pleißener Land ein großes Friedensfest gefeiert und zur Erinnerung daran eine Friedenslinde am „Dreierhäuschen“ zwischen Gößnitz und Meerane gepflanzt. Diese Linde ist bis heute im Wappen von Ponitz zu sehen.

Wer war nun dieser Kanzler Dr. Wolfgang Conrad von Thumbshirn? Er wurde am 28. April 1604 geboren. Als er neun Jahre alt war, starb sein Vater Hans Heinrich von Thumbshirn. Seine Mutter Anna entstammte dem Haus von Einsiedel aus Syhra bei Geithain. 1623 studierte er an der Universität in Leipzig, 1625 in Tübingen. Nach vollendetem Studium der Rechte wollte er Frankreich bereisen, doch durch die Wirren des 30jährigen Krieges musste er seine Reise bereits bei Straßburg abbrechen. Seinen folgenden Dienst im kursächsischen Infanterie-Regiment gab er aus gesundheitlichen Gründen auf. Auf Empfehlung wurde der junge Thumbshirn bei

der verwitweten Fürstin Magdalena von Anhalt Hofmeister für deren Sohn Johann. Als die Fürstin für sieben Jahre aus dem Kriegszentrum zu ihren Bruder Graf Anton Günther von Oldenburg und Delmenhorst zog, ging auch Thumbshirn mit. 1639 riefen ihn familiäre Angelegenheiten nach Altenburg zurück. Hier wurde er aber auch sofort für Dienste am Altenburger Hofe in Anspruch genommen, was in der damaligen kriegerischen Zeit nichts Seltenes war. Dabei leistete er eine so gute Arbeit, dass ihn Herzog Friedrich Wilhelm II. zu Sachsen-Altenburg noch 1639 als Hof- und Justizrat verpflichtete.

Am 24. Februar 1640 heiratete Dr. Wolfgang Conrad von Thumbshirn im Altenburger Pohlhof, der seit 1631 im Bertramschen Besitz war, Maria Elisabeth, die neunzehnjährige Tochter von Dr. Bernhard Bertram, fürstlich sächsischer Geheimer Rat und Kanzler. Herzog Friedrich Wilhelm II. zu Sachsen-Altenburg und dessen Gemahlin Sophia Elisabeth geborene Markgräfin zu Brandenburg nahmen an der Hochzeit teil. Der Schwiegervater, Dr. Bernhard Bertram, starb am 25. Februar 1640, kaum 24 Stunden nach dieser Trauung. Er war glücklich gewesen, nach jahrelanger Krankheit, am Ende seiner Kräfte, die Hochzeit seines einzigen Kindes noch miterleben zu dürfen. Die Bertrams stammten aus den Niederlanden und waren wegen ihrer Religion durch Herzog von Alba vertrieben worden. Die Schwiegermutter Thumbshirns, Maria Bertram, kam aus Magdeburg. Ihr Vater, Johannes Timäus, war Kanzler und kurfürstlich-sächsischer Geheimer Rat und ihr Großvater Dr. Zacharias Schilter ein bekannter Theologe und Professor an der Leipziger Universität gewesen. Thumbshirns Frau Maria Elisabeth erbte nach dem Tod ihres Vaters die Güter Nobitz, Frauenfels und den Pohlhof. Lehnträger wurde ihr Ehemann Dr. Wolfgang Conrad von Thumbshirn. Dieser kaufte auch das ehemalige Vorwerk in Oberleupten. Im Jahr 1640 wurde er gemeinsam mit Hofrat Dr. Drach als fürstlicher Vertreter zum Reichstag nach Regensburg gesandt.

Herzog Friedrich Wilhelm beauftragte Thumbshirn in den folgenden Jahren, an der Aufteilung der Fürstentümer Coburg und Eisenach zwischen der Altenburger und der Weimarer Linie mitzuwirken. Er wurde Mitglied des Konsortiums. Drei Jahre später, 1643, erhielt Thumbshirn das Direktorium der Steuer-Obereinnahme. Im gleichen Jahr wurde er Lehnsherr vom Rittergut Ponitz, nachdem seine Brüder einige Jahre zuvor gestorben waren. Wie bereits erwähnt, hatte Thumbshirn viel Tatkraft, Wissen und Talent bei den Friedensverhandlungen in Osnabrück und Münster bewiesen. Die gesammelten Erfahrungen, besonders seit 1640, waren ihm dabei nützlich. Auch an den sich anschließenden Ausführungsverhandlungen zum Friedensvertrag in Nürnberg war er beteiligt. Nach seiner Rückkehr ernannte ihn der Herzog seines großen Engagements wegen zum Geheimen Rat. Durch den 1653/54 tagenden Reichstag wurde der Westfälische Friede zum Reichsgesetz erhoben.

In Osnabrück waren 1646 Thumbshirns älteste Tochter Maria Elisabeth und in Münster 1649 sein ältester Sohn Wolf Bernhard geboren worden. 1650 starb Wolf Bernhard einjährig in Abwesenheit seiner Eltern bei seiner Großmutter. Das nahm Thumbshirns Schwiegermutter sehr mit. Sie erlitt während der Predigt in der St. Bartholomäikirche einen Schlaganfall und starb 1652.

Nach dem Tod des Kanzlers Dr. Gebhard wurde Dr. Wolfgang Conrad von Thumbshirn das zur damaligen Zeit höchste Verwaltungsamt in Sachsen-Altenburg, das Kanzleramt, übertragen. Er übte es 14 Jahre, von 1653 bis zu seinem Tod, aus. Während seines Kanzellariats gelang es ihm, die Hennebergsche Landesteilung, an welcher bereits sein Großvater Abraham von Thumbshirn gearbeitet hatte, zustande und die Erfurter Händel zum Vergleich zu bringen. 1662 wurde er von Herzog Friedrich Wilhelm für seine treuen Dienste mit Lohma bei Schmölln belehnt. Er starb am 24. November 1667 mit 63 Jahren. Seine Witwe lebte noch bis 1692.

Zu Thumbshirns Trauerfeier waren mehrere hundert Trauergäste gekommen, die vom Pohlhof zur Brüderkirche zogen. Am Trauerzug nahmen auch seine Kinder und Enkel teil. Seine älteste Tochter Maria Elisabeth, mit 21 Jahren bereits Witwe des fürstlich-sächsischen Hofrats Hans Christoph von Erffa und Mutter zweier Söhne, war mit dem fürstlich-sächsischen Hof- und Justizrat Georg Dietrich Pflugk auf Posterstein eine neue Ehe eingegangen. Im Trauerzug gingen auch die drei weiteren Thumbshirn-Töchter Anna Sibylla, 12 Jahre alt, Dorothea Felicitas, 10 Jahre alt, und die jüngste Tochter Christiana Sophia mit. Sein Sohn Christian Wilhelm war damals 14 Jahre und Wolf Conrad 9 Jahre alt (er starb später als Student). Drei Söhne waren bereits verstorben. Die Predigt in der alten Brüderkirche hielt der Generalsuperintendent Johann Christfried Sagittarius. Weitere Predigten erfolgten noch in der alten Ponitzer Kirche, in Nobitz und in Lohma. Neben Thumbshirns Verdiensten wurde lobend erwähnt, dass er sich für die Bildung der Jugend stark gemacht hatte. Auch hatte er u. a. 200 Gulden zur Erbauung der Gottesackerkirche in Altenburg gegeben und die Kirchen- und Pfarrgebäude auf seinen Gütern Ponitz, Nobitz und Lohma renoviert. Als der Druck und die Herausgabe der Lutherischen Schriften wegen der Kosten, die der Türkenkrieg nach sich gezogen hatte, ins Stocken geraten war, nahm er für die Vollendung des Werkes 4000 Gulden eigenen Kredit auf.

Mit dem Tod seines unverheirateten Sohnes Christian Wilhelm (58 Jahre) 1711 in Ponitz erlosch diese Linie der Familie von Thumbshirn im Mannesstamm. Die Töchter des Kanzlers von Thumbshirn Dorothea Felicitas und Christiana Sophia heirateten Söhne des Georg Ernst von Zehmen auf Weißbach. Dorothea Felicitas hatte mit Volkmar Dietrich von Zehmen fünf Kinder. Die Nachkommenschaft wurde aber nur durch die Ehe der Tochter Christina Sybilla, die mit Carl August Edler von der Planitz verheiratet war, fortgesetzt, dafür aber war es eine beachtliche; als Christina Sybilla 1754 mit 74 Jahren starb, gehörten 12 Kinder, 30 Enkel und 5 Urenkel zu ihren Nachkommen. Den schönen und auch gut erhaltenen Grabstein mit dem Bild von Dorothea Felicitas von Zehmen geborene von Thumbshirn findet man in der Kirche von Ponitz. Ihr Schwiegersohn Carl August Edler von der Planitz ließ das Gotteshaus im Wesentlichen neu bauen. Die Kirche Ponitz erhielt 1998 zum 350. Jahrestag des Abschlusses des Westfälischen Friedens den Namen Friedenskirche zur Erinnerung an die Verdienste ihres einstigen Kirchenpatrons Dr. Wolfgang Conrad von Thumbshirn. Seinen Enkelinnen Christina Sybilla Edle von der Planitz und Dorothea Elisabeth von Schönberg, Töchter der Dorothea Felicitas, ist die Silbermannorgel zu verdanken. Das Wappen von Ponitz zeigt deshalb neben der Friedenslinde auch Orgelpfeifen.

Die jüngste Thumbshirn-Tochter Christiana Sophia war mit dem jüngeren von Zehmen-Sohn Georg Ernst, gothascher Hofmarschall und altenburgscher Obersteuerdirektor, auf Windischleuba verheiratet. Ihr Sohn, Friedrich von Zehmen, war katholischer Geheimrat des Fürstbischofs von Eichstädt und konnte deshalb nach hiesigem Landesgesetz nicht belehnt werden. Ihre Tochter Sophia Elisabeth von Zehmen heiratete 1703 Johann Georg von Lindenau. Aus dieser weiteren Nachkommenschaft ging der Ehrenbürger der Stadt Altenburg, der bekannte Staatsmann und Mäzen Bernhard August von Lindenau (1779 - 1854) hervor. Er ist der Ururur-Enkel des Dr. Wolfgang Conrad von Thumbshirn.

Die Vorfahren des Kanzlers von Thumbshirn väterlicherseits spielten eine große Rolle im erzgebirgischen Bergbau. Der Ururgroßvater, Hauptmann und Rat zu Ellbogen, Paul Thumbshirn, legte seinen durch ergiebigen Silberbergbau erworbenen Reichtum u.a. in Grundbesitz an. Das Thumbshirnsche Haus am Markt von Annaberg gehörte zu den repräsentativsten Bürgerhäusern der Stadt. Den Thumbshirns stand das Patronatsrecht in der Annaberger Pfarrkirche zu. Sein Sohn Wilhelm, der Urgroßvater des Kanzlers von Thumbshirn, war ein kluger Kopf und ein „Haudegen“ dazu. Er diente im Heer Kaiser Karl V. als Offizier und bezwang 1527 beim Sturm auf Rom als erster die römische Stadtmauer. Dafür erhielt er als Auszeichnung die „corona muralis“, die „Goldene Mauerkrone“, und wurde zum Ritter geschlagen. Er hatte große Sympathien unter den Kriegsknechten. Wilhelm von Thumbshirn trat 1532, zur Zeit des Schmalkaldischen Bundes, in die Dienste des Kurfürsten Johann Friedrich der Großmütige. Wegen seiner ruhmreichen Siege wurden goldene Gedenkmünzen geschlagen und viele Lieder über ihn gesungen. 1532 heiratete der Kriegsmann in der Bergstadt Joachimsthal im Erzgebirge Margaretha, die Tochter des dortigen Berghauptmanns Heinrich von Könneritz aus Lobstädt bei Borna. Dieser Heinrich von Könneritz ist nicht nur väterlicherseits ein Ahn von Kanzler Dr. Wolfgang Conrad von Thumbshirn, sondern auch mütterlicherseits. 1543 bekam Wilhelm von Thumbshirn vom Kurfürsten das ehemalige Kloster Frankenhausen bei Crimmitschau verliehen. 1538 hatte er ihn schon mit Treben belehnt, das Thumbshirn aber nur bis 1541 besaß. Diese reiche Belohnung erfolgte auch zu dem Zweck, dass Thumbshirn seine militärischen Kenntnisse und Dienste zeitlebens dem Kurfürsten Johann Friedrich der Großmütige widmen sollte. Die Schlacht 1547 bei Mühlberg wäre vielleicht anders ausgegangen, hätte Wilhelm Thumbshirn nicht anderenorts gekämpft. In Magdeburg hatte sich die akademische Jugend gesammelt, um unter Thumbshirn als Freischar ihren gefangenen Kurfürsten aus den Händen der Spanier zu befreien. Die Hansestadt Bremen im Bund mit Hamburg, Magdeburg und anderen kämpfte mit Thumbshirn auch nach der Gefangennahme Johann Friedrichs weiter, und so trug er den Sieg gegen den Kaiserlichen Erich von Braunschweig davon. Aber der Kurfürst hatte die Wittenberger Kapitulation allzu zeitig abgeschlossen. Umso tragischer war Wilhelm von Thumbshirns Geschick, als Sieger die Folgen der Niederlage mit tragen zu müssen. Er und seine Frau Margaretha starben an der Pest und wurden in Zwickau 1551/52 beigesetzt.

Ihr Sohn Abraham (1535 - 1593), Großvater des Kanzlers, besuchte die damals gerade von Kurfürst Moritz begründete fürstliche Landesschule Grimma und anschließend die Universität Leipzig. Er erbte von seinem Vater u.a. Frankenhausen. 1568 kaufte er Ponitz und ließ 1574 das jetzige Schloss erbauen. Abraham von Thumbshirn war Rat von Kurfürst August (1526 - 1586) und Hofmeister von Kurfürstin Anna. Er verfasste eine ökonomische Schrift, die Kurfürst August als Arbeitsgrundlage auf seine Vorwerke verteilen ließ. Dabei ging es bei der Selbstbewirtschaftung der Kammergüter um das bis dahin unbekannte optimale kostengünstige Wirtschaften. Aber auch in der Forstwirtschaft und im Archivwesen waren Abraham von Thumbshirns Kenntnisse gefragt. Er starb 1593 in Leipzig. Ihm wie auch dessen Sohn, Hans Heinrich von Thumbshirn (1565 -1613), Vater des Kanzlers, sind Epitaphe in der Ponitzer Kirche gewidmet.

Die Familie von Einsiedel, die mütterliche Linie vom Kanzler Dr. Wolfgang Conrad von Thumbshirn, besaß im 14. Jh. das Rittergut Prießnitz und hatte ihren Stammsitz ab 1409 auf Burg Gnandstein. Kurfürst Friedrich II. der Sanftmütige (1412 -1464) ernannte Hildebrand I. von Einsiedel (um 1400 -1461), Urururgroßvater von Kanzler Thumbshirn, zu seinem Obermarschall. Dieser zählte damit zu den einflussreichsten Männern Sachsens, denn Finanzen, Steuern, Münz- und Bergwerkwesen im wettinischen Herrschaftsbereich unterstanden ihm. Seine Schwester Elisabeth war mit Kunz von Kauffungen verheiratet, der 1455 die Altenburger Prinzen raubte. Hildebrands Sohn Heinrich von Einsiedel (um 1435 -1507), Ururgroßvater des Kanzlers, erbte von seinem Vater alle Güter. Er war als Rat von Kurfürst Ernst (1441 - 1486) und von Herzog Albrecht (1443 - 1500) mit deren unseliger Landesteilung beschäftigt. Die Grenze zwischen den beiden neuen Territorien, Kurfürstentum und Herzogtum Sachsen, verlief durch seine Herrschaft Gnandstein. Er blieb dadurch sowohl Untertan und Vertrauter von Kurfürst Ernst als auch von dessen Bruder Herzog Albrecht. Seine Söhne aus der Ehe mit Elisabeth von Schönberg, Heinrich Abraham und Heinrich Hildebrand (1497 - 1557), letzterer der Urgroßvater des Kanzlers, übernahmen gemeinsam die Herrschaft. Da sie aber nicht nur Untertanen des nun evangelischen Kurfürsten Johann des Beständigen (1468 -1532), sondern auch des streng katholischen Herzog Georgs (1471 - 1 539) waren, gab es für sie viele Probleme. Aus diesem Grund trafen sie sich mit Luther bei Spalatin in Altenburg, zu dem sie freundschaftliche Beziehungen pflegten. So war Abraham Gast bei Spalatins Hochzeit 1525 in Altenburg. Heinrich Hildebrand wurde Pate bei Spalatins Kindern und Spalatin wiederum Pate bei den Kindern der Einsiedels. Georg Spalatin setzte später Heinrich Hildebrand als Vormund seiner Kinder ein und stellte Frau, Kinder und Haus vertrauensvoll unter dessen Schutz. Heinrich Hildebrand war als kurfürstlicher Visitator tätig. 1534 errichteten die Brüder in Kohren ein Armen-Spital. Während des deutschen Bauernkrieges beschäftigte sich Heinrich Hildebrand intensiv mit den überkommenen Frondiensten und führte zu diesem Thema einen regen Briefwechsel mit Luther und anderen Reformatoren. Schließlich schuf er eine Stiftung für seine Bauern. Im Spätmittelalter zählte die Familie von Einsiedel zu den drei bedeutendsten und am meisten begüterten Adelsgeschlechtern Sachsens. In der Reformationszeit gehörten sie zu den ersten Anhängern Luthers.

Heinrich Hildebrands Sohn Abraham von Einsiedel, der Großvater des Kanzlers, war einer der neun Söhne aus der Verbindung mit Elisabeth von Haugwitz. Ihm gehörten Syhra und Hopfgarten. Er war mit Anna geborene von Könneritz aus dem Hause Lobstädt verheiratet. Diese Großmutter Anna mütterlicherseits von Kanzler Thumbshirn war die älteste Tochter von Erasmus von Könneritz, und hier schließt sich ein Kreis. denn dieser Erasmus (um 1510/17 - 1563) war der Bruder von Margaretha, der Ehefrau von Oberst Wilhelm von Thumbshirn, der für Kurfürst Johann Friedrich im Schmalkaldischen Krieg kämpfte. Der Berghauptmann von Joachimsthal, Heinrich von Könneritz aus Lobstädt, war der Vater von Erasmus und der Schwiegervater von Wilhelm von Thumbshirn, also der Ururahn sowohl mütterlicher- wie väterlicherseits vom Kanzler Thumbshirn.

Kanzler von Thumbshirns Urgroßvater Erasmus von Könneritz und dessen Bruder waren nach dem Studium 1537 mit den Böhmen gegen die Türken ins Feld gezogen. Als Kriegsgefangene arbeiteten sie wie Sklaven auf einer türkischen Galeere. Der durch Misshandlungen und Strapazen arbeitsunfähige Bruder wurde vor den Augen Erasmus‘ getötet und ins Meer geworfen. Erasmus konnte schließlich freigekauft werden. 1539 wurde er Rat des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich der Großmütige (1503 - 1554) und ab 1542 Berghauptmann zu Schneeberg, wo er mit seiner Familie im Haus des Kurfürsten wohnte. Auf den Reichs-Tagen in Speyer und Worms hatte er Kursachsen mit zu vertreten. Durch die Gefangennahme Johann Friedrichs nach dem Schmalkaldischen Krieg verlor Erasmus von Könneritz sein Amt als Berghauptmann zu Schneeberg. Er wurde wegen seines Gutes Lobstädt, das er mit seinem Vater und seinen Brüdern in Gesamtlehn besaß, nunmehr Lehnsmann und zugleich Oberhauptmann des Kurfürsten Moritz (1521 -1553) für den Kreis Leipzig, zu dem auch Borna gehörte. Ein Epitaph für ihn befindet sich in der Kirche von Lobstädt.

Der Lebensbericht zu Erasmus‘ Vater Heinrich von Könneritz (1483/84 -1551), zweifacher Urahn von Kanzler Thumbshirn, ist zugleich die Geschichte von Joachimsthal und des Bergbaues in jener Zeit. Die während der Amtstätigkeit des Berghauptmannes Heinrich von Könneritz geprägte Münze „Joachimsthaler Gulden“ wurde durch Verkürzung „Thaler“ genannt (auch namensgebend für den Dollar). 1541 gab Heinrich von Könneritz die Joachimsthaler Bergordnung heraus, die Grundlage für alle weiteren Schriften dieser Art wurde. Kein Zweig des Rechts ist in Deutschland so frühzeitig und klug ausgearbeitet worden wie das Bergrecht und die Bergverfassung. 1519 -1545 führte Könneritz sein Amt aus, bis das Bergregiment durch die Grafen von Schlick auf die Krone Böhmens übertragen wurde. Dann ging er zurück auf seine Güter nach Lobstädt bei Borna. Seine Verwaltung fällt genau in die Periode, in der sich Joachimsthal zur höchsten Blüte entwickelte.

Quelle: BARBARA LÖWE / GÜNTER HUMMEL in „Altenburger Geschichts- und Hauskalender 2004“ E. Reinhold Verlag Altenburg